Belarus lässt polnisch-belarusischen Journalisten Poczobut frei

Belarus lässt polnisch-belarusischen Journalisten Poczobut frei

Stand: 28.04.2026 • 18:05 Uhr

Für polnische Medien berichtete Andrzej Poczobut aus Belarus und wurde deshalb vom dortigen Regime verfolgt. Seit 2021 saß er in Haft. Nun kam der Sacharow-Preisträger im Zuge eines Austauschs frei.

Palina Milling

Andrzej Poczobut ist auf dem ersten Foto in Freiheit kaum zu erkennen, so stark abgemagert ist er. Mehr als fünf Jahre lang saß der heute 53-Jährige in Belarus in Haft. Am Tag seiner Freilassung begrüßte ihn der polnische Ministerpräsident Donald Tusk persönlich – direkt nach dem Grenzübergang, auf polnischer Seite. “Willkommen im polnischen Zuhause, mein Freund”, schrieb Tusk dazu auf X.

Obwohl Poczobut belarusischer Staatsangehöriger ist, ist er in Polen sehr bekannt. Viele Jahre hatte er als Journalist für renommierte polnische Medien über die Lage in Belarus berichtet und sich dort als Aktivist der polnischen Minderheit engagiert. Für diese Tätigkeit wurde er vom belarussischen Regime verfolgt. Seine Inhaftierung gilt als politisch motiviert.

Polen hatte beharrlich für Freilassung gekämpft

Der Journalist war 2025 vom EU-Parlament mit dem Sacharow-Preis für Menschenrechte ausgezeichnet worden. In Polen wird Poczobut wie ein Held gefeiert. Außenminister Radoslaw Sikorski sagte zu seiner Freilassung: “Nach 1.860 Tagen in einem Hochsicherheitsgefängnis ist unser heldenhafter Landsmann, der Märtyrer der Freiheit, wieder wohlbehalten in Polen. Dies ist ein großartiger Tag.”

Die Freilassung des Journalisten galt viele Jahre als eine besonders schwierige Angelegenheit. Polen hat dafür beharrlich gekämpft. Denn immer wieder wurden seit dem vergangenen Jahr politische Gefangene in Belarus freigelassen. Doch Poczobut war bisher nicht unter ihnen.

USA offenbar stark involviert

Nun kam er im Rahmen eines Austauschs zwischen Polen und Belarus frei – fünf gegen fünf. Der Austausch geschah an der polnisch-belarusischen Grenze. Offenbar waren daran mehrere Länder beteiligt – auch die USA, unter der Mitwirkung des Trump-Sondergesandten für Belarus, John Coale.

“Mein Team hat mehr als ein Jahr lang daran gearbeitet, um Inhaftierte aus Belarus rauszubekommen. Bisher haben wir es bei 500 Menschen geschafft”, sagte Coale. Doch im Fall von Poczobut und zwei weiteren Polen hatte es offenbar bislang nicht geklappt – bis zu diesem besonderen Tag.

Mit der Zeit sei die Beziehung zum belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko besser geworden. “Wir haben es endlich geschafft. Der polnische Präsident war dafür in einem engen Kontakt mit Präsident Trump”, berichtete Coale.

Mutmaßliche Spione an Belarus übergegeben

Neben Poczobut kamen zwei Polen und zwei Moldauer aus Belarus frei. Nach Angaben der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass wurden nach Belarus Personen übergeben, die in verschiedenen EU-Ländern unter anderen der Spionage verdächtigt wurden.

Ebenfalls ausgetauscht wurde ein russischer Archäologe und Historiker. Alexander Butjagin wurde Ende vergangenen Jahres bei einer Durchreise in Polen festgesetzt. Zuvor hatte die Ukraine seine Auslieferung gefordert.

Für Andrzej Poczobut – und alle, die ihn unterstützt haben – ist dieser Austausch ein Grund zum Jubeln. Er sei erschöpft, aber guter Dinge. Es stehen erstmal ärztliche Untersuchungen und medizinische Versorgung an, die ihm während der langen Haft verwehrt wurden. Ansonsten sei er ungebrochen, sagte Poczobut. Und er möchte nach Belarus zurückkehren.

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