Brasiliens Korallen: Die Retter der Riffe

Brasiliens Korallen: Die Retter der Riffe


weltspiegel

Stand: 17.05.2026 • 17:32 Uhr

Sie nennen es den “Korallen-Kindergarten”: In Brasilien versuchen Forscher, im Meer neue Korallen zu züchten, um die bedrohten Riffe zu retten. Unterstützt werden sie dabei von Touristen, die Urlaub mit Umweltschutz verbinden.

Xenia Böttcher

Mal smaragdgrünes, mal türkisblaues glasklares Wasser und schillernde Fischschwärme: Das Korallenriff rund um Puerto de Galinhas im Nordosten Brasiliens hat einzigartige Naturpools geschaffen. Bunte Segelbötchen ziehen über das flache, warme Wasser.

Doch hinter der tropischen Postkartenkulisse vollzieht sich ein Wettlauf gegen die Zeit: Das empfindliche Ökosystem der Korallenriffe ist massiv bedroht.

Der Strand und die Korallen von Puerto de Galinhas ziehen viele Besucher an. Für das sensible Ökosystem bedeutet das nicht zuletzt Stress.

Helfen, wo andere nur schnorcheln

Familie Benedetti aus dem Süden des Landes wollte ihren Urlaub deshalb anders verbringen. Statt nur zu schnorcheln oder Bootstouren zu buchen, entschieden sie sich für eine Mission: Korallen retten.

Gemeinsam mit Biologen nehmen sie an einem Projekt teil, das beschädigte Korallenriffe wieder aufforsten soll.

“In der Schule lernen wir viel Theorie über den Schutz der Korallen. Ich finde es schön, das alles jetzt in der Praxis zu erleben”, sagt Carla Benedetti vor dem Tauchgang.

Große Teile der Riffe könnten absterben

Die Lage ist ernst. Vor zwei Jahren stieg die Wassertemperatur vor Porto de Galinhas auf fast 31 Grad. Die Folgen waren dramatisch: Rund 80 Prozent der Korallen in Teilen des Riffs starben ab.

Die Erwärmung der Ozeane gilt weltweit als eine der größten Bedrohungen für Korallenriffe. Experten warnen, dass bis zum Ende des Jahrhunderts große Teile der Korallenökosysteme verschwunden sein könnten.

Genau hier setzt das Projekt der “Biofábrica de Corais” an. Geleitet wird es von Rudã Fernandes. Eigentlich wollte der Ingenieur einst Fischfutter entwickeln, heute widmet er sich ganz dem Schutz der Korallen.

Gemeinsam mit seinem Team sammelt er abgebrochene Korallenstücke ein, und die, die gesund genug sind, sollen gut behütet im Meer wieder heranwachsen.

Finanziert wird das Projekt durch Touristen wie die Familie Bendetti, die nicht nur zuschauen, sondern selbst mithelfen dürfen.

Nicht Steine – Lebewesen

Während Rudã die Korallenfragmente vorbereitet, erklärt er, warum Aufklärung so wichtig ist: “Wir lieben und schützen nur das, was wir kennen.”

Viele Menschen würden Korallen noch immer für Steine halten. Tatsächlich seien sie Lebewesen – empfindlich und verletzlich.

Der Anblick der Korallen ist immer wieder faszinierend. Doch nicht nur vor Brasiliens Küste sind die durch die Erwärmung der Weltmeere bedroht.

Die Kinderstube des Meeres

Für Carla, ihre Schwester und ihre Eltern geht es ins Wasser. Tauchend erleben sie das Riff hautnah, sehen auch die ersten nachgewachsenen Korallen.

Biologiestudentin Alexia Albuquerque erklärt, warum Korallenriffe unverzichtbar sind: “Sie sind die Kinderstube des Meeres. Etwa 25 Prozent aller Meeresarten suchen hier Schutz, wachsen heran oder finden Nahrung.” Auch die Fischer der Region seien auf die natürlichen Becken angewiesen.

Für Carla Benedetti ist das Erlebnis emotional: “Ich empfinde vor allem Dankbarkeit, dass es solche Projekte gibt.”

Carla Benedetti ist nun Korallen-Patin und kann das Wachstum der Korallen weiter verfolgen.

Nachwachsen auf einem Sockel

Höhepunkt der Tour ist das eigene Einsetzen der Korallenstücke. Rund 60 Fragmente kleben sie auf einen speziellen Sockel. Dort wachsen sie über Jahre weiter, bis sie stabil genug sind, um Teil des großen Riffs zu werden.

Ab 60 Euro kann man an der dreistündigen Tour mitmachen. Das Geld finanziert die Arbeit des Teams, das die Korallen regelmäßig säubert, ihren Fortschritt dokumentiert, so wie das viele Equipment, das es für die Arbeit braucht.

Das Konzept dahinter nennt sich regenerativer Tourismus. Ziel ist es nicht nur, die Natur zu schonen, sondern einen Ort besser zu hinterlassen als zuvor.

“Normalerweise denken wir, dass unser Einfluss auf die Umwelt eher negativ ist. Hier ist er positiv”, sagt Carla Benedetti.

Auf dem “Korallen-Kindergarten” sollen neue Korallen heranwachsen – letzte Schritte für das Einsetzen der Vorrichtung werden auf dem Wasser unternommen.

Das Nachwachsen braucht viel Zeit

Eines ist klar: Korallen wachsen nur langsam, manche über Dekaden – viel Zeit während sich und gleichzeitig das Klima erwärmt. Es brauche einen langen Atem, Optimismus und, ja, auch ein Trotzkopf schade nicht, sagt Rudã.

Seine Vision ist: Noch mehr Touranbieter sollen sich beteiligen, damit statt 60 irgendwann täglich 180 Korallenstücke eingesetzt werden können.

Es wäre ein Positivkreislauf, Touristen bringen nicht nur Geld, sie helfen der Natur, dass sorgt dafür, dass der Ort attraktiv bleibt und auch die Fischer was zu fischen haben, Fisch den sie an Restaurants verkaufen können.

Für Familie Benedetti endet die Mission nicht mit dem Urlaub. Als “Paten” ihrer Korallen erhalten sie künftig regelmäßig Fotos und Updates. So können sie verfolgen, wie aus kleinen Fragmenten eines Tages vielleicht wieder ein lebendiges Korallenriff entsteht.

Jetzt ist es fast geschafft: Die Aufzuchtvorrichtung ist bestückt und kann nun unter Wasser angebracht werden.

Diese und weitere Reportagen sehen Sie im Weltspiegel – um 18.30 Uhr im Ersten.

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