Mehr als 2.500 wohnungslose Menschen wurden im vergangenen Jahr Opfer einer Straftat. Die Zahl ist deutlich gestiegen. Doch die Aufklärungsquote ist niedriger als sonst üblich – und die Dunkelziffer dürfte hoch sein.
In Deutschland werden immer mehr Obdachlose Opfer von Straftaten. Im vergangenen Jahr wurden 2.563 Vorfälle gemeldet – das waren 17 Prozent mehr als im Jahr davor. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken hervor. Zunächst hatte die Rheinische Post darüber berichtet.
Demnach richteten sich mehr als 2.000 Fälle gegen wohnungslose Männer, in gut 500 Fällen waren Frauen betroffen.
Am häufigsten seien Obdachlose in Berlin (592 Fälle) zu Opfern geworden, gefolgt von Bayern mit 492 Straftaten und Nordrhein-Westfalen mit 310 gemeldeten Vorfällen. Laut den Polizeilichen Kriminalstatistiken seien bundesweit neun wohnungslose Menschen bei gewalttätigen Angriffen getötet.
Jeder dritte Fall wird nicht aufgeklärt
Die Antworten des Ministeriums, die auch dem Evangelischen Pressedienst epd vorliegen, zeigen außerdem, dass die Aufklärungsquote bei Straftaten gegen obdachlose Menschen im Schnitt niedriger ausfällt als sonst üblich. Bei Fällen von Gewaltkriminalität gegen Obdachlose lag sie demnach im vergangenen Jahr bei 66,5 Prozent – einer Quote von 77,5 Prozent in allen Bereichen.
“Wir erleben auf unseren Straßen derzeit eine beispiellose Gewalteskalation gegen wohnungslose Menschen”, sagte die Linken-Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für Soziales Wohnen, Sahra Mirow, der Rheinischen Post. Die polizeilich erfassten Straftaten seien nur die Spitze des Eisbergs.
Aufgrund einer geringen Anzeigebereitschaft der Betroffenen sowie ungenauer Erfassungskriterien und Definitionen aufseiten der Behörden – so Mirow – ist von einer erheblichen Dunkelziffer und weitaus höheren Fallzahlen auszugehen.

