Stand: 08.07.2026 • 15:48 Uhr

Die italienische Großbank UniCredit hat sich mit ihrem Aktientauschangebot mehr als 44 Prozent an der Commerzbank gesichert. Eine Übernahme wird damit zwar wahrscheinlicher, doch es gibt noch Hürden.

Seit Monaten spitzt sich der Kampf um die Commerzbank zu, nun hat die UniCredit das finale Ergebnis ihres Übernahmeangebots veröffentlicht. Es wurde bis Ablauf am 3. Juli für 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere angenommen, teilte die Großbank aus Mailand mit. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die sie schon vor der Offerte hielt, steigt der direkte UniCredit-Anteil an der Commerzbank damit auf gut 44 Prozent.

Zudem haben die Italiener über Kaufoptionen zusätzlich Zugriff auf mehr als drei Prozent der Commerzbank-Aktien, halten weitere Finanzinstrumente und kämen so nach eigenen Angaben auf mehr als 47 Prozent. Sie können an der Börse weitere Commerzbank-Aktien kaufen, stehen jetzt aber unter Beobachtung der Finanzaufsicht.

Die UniCredit, die im September 2024 bei der Commerzbank eingestiegen war, hatte Anfang Mai ein Übernahmeangebot für den DAX-Konzern vorgelegt. Sie bot 0,485 eigene Aktien je Papier. Umgerechnet lag die Offerte damit lange unter dem Kurs der Commerzbank-Aktien. Zuletzt wurde sie aber mit steigenden Aktienkurs der UniCredit zunehmend attraktiver. Die Commerzbank-Führung äußert dennoch Zweifel, wie die Annahmequote zustande gekommen ist.

Noch Hürden bis zu einer Übernahme

Die UniCredit erklärte, das Ergebnis übertreffe die eigenen Erwartungen deutlich. Der Anteil von 47,59 Prozent entspreche 49,65 Prozent der Stimmrechte der Commerzbank, weil deren eigene Aktien keine Stimmrechte haben. Das Geldhaus sprach von “einem weiteren Schritt zur Umsetzung des strategischen Investments” und sei weiter bestrebt, “konstruktiv” mit allen relevanten Stakeholdern zusammenzuarbeiten und zugleich die nötigen regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Prozesse voranzutreiben.

Mit dem aufgestockten Anteil ist eine Übernahme der der 156 Jahre alten Commerzbank wahrscheinlicher geworden. Dafür müssten aber nicht nur weitere Aktionäre ihre Anteile verkaufen, sondern auch die Aufsichtsbehörden zustimmen, allen voran die Bankenaufsicht der Europäische Zentralbank (EZB) sowie die Wettbewerbshüter der EU-Kommission.

Mit Stand 19. Juni hatte die UniCredit bereits einen Anteil von rund 40 Prozent an der Commerzbank gemeldet plus Finanzinstrumente. Schon zuletzt hatte sie mit einer Absetzung des Commerzbank-Managements auf der nächsten Hauptversammlung im Frühjahr 2027 gedroht, sollte sie genug Aktionäre davon überzeugen. Denn für wichtige Beschlüsse braucht die Bank keine Aktienmehrheit, sondern muss lediglich einen bestimmten Anteil des vertretenen Grundkapitals hinter sich bringen.

Commerzbank steht Gesprächen offen gegenüber

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lehnt eine Übernahme zwar ab. Vorstand und Aufsichtsrat stünden “einem konstruktiven Dialog mit UniCredit” aber offen gegenüber, teilte das Frankfurter Geldhaus heute mit. “Nur mit einer einvernehmlichen Lösung unter Einbindung der Unternehmensführung, der Arbeitnehmer und ihrer Vertreter sowie der Bundesregierung als zweitgrößtem Aktionär ist es aus Sicht der Commerzbank realistisch, Synergien aus einem Zusammenschluss in einem angemessenen Umfang und Zeitrahmen zu erreichen.”

Mehrere Anläufe zu Gesprächen auf Führungsebene waren zuletzt im Sande verlaufen oder gescheitert. Die strategischen Pläne des Commerzbank-Managements sind weit entfernt von dem, was UniCredit-Chef Andrea Orcel mit vorhat. Er will mit einer Übernahme eine europäische Großbank schmieden und sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen inklusive des Abbaus von 7.000 Stellen.

Die Commerzbank bangt bei einer Übernahme außerdem um ihr umfangreiches Auslandsnetz, mit dem sie den Mittelstand beim Export begleitet. Orcel will ihr das eigene Geschäftsmodell überstülpen, das vor allem auf die europäischen Kernmärkte beschränkt ist. Die Münchner HypoVereinsbank (HVB), die seit mehr als 20 Jahren zur UniCredit gehört, hatten die Italiener deutlich profitabler gemacht – allerdings auf Kosten ihrer Relevanz und Tausender Arbeitsplätze.

Aktionäre müssen noch warten

Der Bund als zweiter Großaktionär stellte sich derweil erneut hinter die Führung der Commerzbank. “Die Bundesregierung wird weiter im Sinne der Beschäftigten der Commerzbank, des deutschen Mittelstands und des Finanzstandorts Frankfurt handeln”, sagte ein Sprecher des SPD-geführten Finanzministeriums in Berlin. “Das aggressive und feindliche Vorgehen der UniCredit bleibt aus Sicht der Bundesregierung inakzeptabel.”

Der Sprecher bekräftigte, der Bund werde seinen Anteil von zwölf Prozent nicht an UniCredit verkaufen. Verhindern kann er die Übernahme damit aber nicht. Das Ministerium verwies darauf, dass die deutsche Finanzaufsicht BaFin und die Bankenaufseher der EZB alle weiteren Schritte von UniCredit prüfen müssten.

Deshalb müssen auch die Commerzbank-Aktionäre, die UniCredit ihre Aktien angedient haben, auf den Vollzug des Aktientauschs noch warten. Vorher stehen noch zahlreiche Genehmigungen aus. Mit Spannung erwartet wird insbesondere, ob die EZB nun feststellt, dass UniCredit die Commerzbank de facto schon kontrolliert. Denn dann müssten die Italiener auch die Risiken in der Bilanz der Commerzbank abpuffern.

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