Stand: 25.06.2026 • 16:06 Uhr

Die Hitze setzt auch Fußballfans zu, das zeigen die ersten Ergebnisse von Forschenden der Uni Bielefeld. Mit Smartwatches messen sie, wie emotional die Fans die Spiele der aktuell laufenden WM schauen.

Von Julia Nestlen und Leila Boucheligua, SWR

Wenn die deutsche Nationalmannschaft am Abend ihr drittes WM-Spiel absolviert, können Fußball-Fans den aktuell hohen Temperaturen kaum entkommen, ob im Wohnzimmer oder beim Public Viewing.

Die Hitze kann beeinflussen, wie sehr die Fans bei einem Spiel mitfiebern, zeigen nun die ersten Ergebnisse einer Untersuchung von Forschenden an der Universität Bielefeld. Die Daten stammen von Smartwatches, die bei den Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern Parameter wie die Herzfrequenz, Stress, Bewegung und die Schlafqualität messen.

Hitze dämpft körperliche Reaktionen wie Pulserhöhung

Normalerweise ist aus solchen Daten bei beispielsweise einem Tor oder besonders spannenden Moment im Spiel ein erhöhter Puls als deutlicher Peak erkennbar. Sportökonom Christian Deutscher, der die Studie in Bielefeld leitet, erklärt das anhand des Spiels von Deutschland gegen Curaçao: “Es wurde das 1:0 geschossen, und das 1:1 kam dann doch ein bisschen überraschend, so dass die Fans letztendlich darauf mit erhöhten Herzfrequenzdaten reagiert haben.”

Im Spielverlauf beruhigten sich die Fans dann sichtlich, als Deutschland bis zur Halbzeit auf ein 3:1 erhöhte, denn klar war, “Curaçao wird hier wahrscheinlich nicht noch drei Tore schießen, und entsprechend sehen wir dann auch einen starken Abfall der Herzfrequenz”, so Deutscher.

Bei großer Hitze ist die Reaktion auf das Spielgeschehen insgesamt deutlich gedämpft. Das haben die Forschenden in einem Vergleich der ersten beiden WM-Spiele der Nationalelf beobachtet. “Beim Spiel gegen die Elfenbeinküste war es heiß am Wochenende beim Fußballschauen, und der Puls der deutschen Fans folgte viel weniger dem Spielverlauf”, so Deutscher weiter.

Der Ort beim Fußballgucken macht einen Unterschied

Auch der Ort, an dem Fans ein Spiel verfolgen, bedingt die Intensität der körperlichen Reaktionen. Das wissen die Forscher vom Finale um den DFB-Pokal 2025, bei dem Arminia Bielefeld dabei war. “Wir wissen, dass die deutlichsten Ausschläge im Stadion waren, gefolgt von Public Viewing. Am wenigsten emotional mitgenommen waren die Fans, die zu Hause geschaut haben”, schildert Deutscher.

Neben der Hitze spielt die Tageszeit eine Rolle

Wegen der Hitze befindet sich der Körper tagsüber im Dauerstress – den Kreislauf stabil halten, Flüssigkeit umverteilen, alles läuft auf Hochtouren. Noch dazu leidet die Schlafqualität, wenn es über Nacht nicht deutlich abkühlt. Auch das sehen die Forschenden in den Messdaten der Smartwatches.

“Jetzt haben wir die besondere Situation, dass das Spiel gegen Ecuador am Donnerstag auch wieder relativ spätabends ist und auch bei einigen Fans mit der üblichen Schlafroutine kollidiert”, so Sportökonom Deutscher. Der Körper reagiert somit auch aus Ermüdung – die teils hitzebedingt ist – weniger stark auf emotionale Auslöser während der Spiele.

Wichtig sind für die Aussagekraft der Ergebnisse Vergleichswerte von demselben Wochentag ohne Fußballgucken. Dafür beobachten die Forschenden die Messdaten der Fans auch außerhalb der Spielzeiten.

“Positiver” Stress beim Fußballgucken leidet unter Hitze

Das Mitfiebern bei einem Spiel bedeutet für den Körper positiven emotionalen Stress. Das suchen die Fans ganz bewusst, sagt Sportökonom Deutscher. “Wir wollen ja diese Anspannung erleben, das macht den Sportkonsum auch aus für uns als Zuschauer, dass wir dem Ganzen positiv gegenüberstehen, auch wenn wir nicht wissen, wie es ausgeht.”

Die Hitze bedeutet hingegen negativen Stress für den Körper. Die Daten der Studienteilnehmer zeigen bei der aktuellen Hitzewelle entsprechend eher von der Hitze gestresste Körper als hitziges Mitfiebern. Wer mit seiner Smartwatch an der Studie teilnehmen möchte, kann sich noch über die Webseite der Universität Bielefeld anmelden.

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