Die Akten über den Sexualstraftäter Epstein sorgen weiter für Schlagzeilen – auch wenn US-Präsident Trump das Thema gerne abräumen würde. Doch fehlende Schwärzungen und ausgebliebene Ermittlungen setzen die Regierung unter Druck.
Mehr als drei Millionen Seiten, 2.000 Videos und etwa 180.000 Bilder aus den Epstein-Akten sind Ende der vergangenen Woche veröffentlicht worden. Neben weiteren Details unter anderem zur Verbindung von Bill Gates, Elon Musk und Ex-Prinz Andrew zu Jeffrey Epstein sind auch neue Namen in den Akten zu finden.
Zum Beispiel der von Steve Tisch, dem Co-Besitzer der New York Giants. Wobei durch die Erwähnung eines Namens überhaupt nicht belegt ist, dass jemand wirklich Sex mit ganz jungen Frauen hatte.
Trump will das Thema abhaken
US-Präsident Donald Trump hatte sich lange gegen die Veröffentlichung gesträubt und möchte jetzt am liebsten gar nichts mehr von den Epstein-Akten hören. Es sei wirklich an der Zeit, dass das Land sich wieder etwas anderem zuwende, so Trump. Schließlich sei nur herausgekommen, dass es eine Verschwörung gegen ihn gab – von Epstein und anderen Leuten.
Auf die Nachfragen einer CNN-Journalistin reagierte er nun mit wüsten Beschimpfungen: Sie sei eine schlechte Reporterin, CNN ein schlechter Sender. Er kenne die Frau jetzt seit zehn Jahren und sie habe niemals gelächelt. Die Reporterin hatte von Trump wissen wollen, was er denn zu den Opfer sagen würde. Viele von ihnen hätten ja das Gefühl, dass ihnen immer noch keine Gerechtigkeit widerfahren sei.
Justiz ist vielen Vorwürfen nicht nachgegangen
Die Reaktion des Präsidenten macht vielleicht deutlich, dass die Journalistin einen wunden Punkt getroffen hatte. Denn die veröffentlichten Akten belegen einmal mehr, dass den Vorwürfen gegen Epstein oft nicht nachgegangen wurde.
Immer wieder hätten sich Frauen und junge Mädchen an die Polizei und das FBI gewandt – aber vielen Hinweisen sei einfach nicht nachgegangen worden, sagt der Jurist und ehemalige Bundesanwalt Elie Honig im Radiosender NPR. So findet sich in den Dokumenten zum Beispiel der Entwurf einer Anklageschrift, die Mitte der 2000er-Jahre verfasst wurde. Darin wird Jeffrey Epstein als Angeklagter aufgeführt, dazu drei weitere Mitangeklagte, deren Namen geschwärzt sind.
Diese Anklageschrift sei niemals an die Öffentlichkeit gelangt, so Honig. Er hält dieses Dokument für sehr aufschlussreich. Zumal es sowohl Über- als auch Unterschwärzungen gebe.
Persönliche Daten der Opfer ungeschwärzt veröffentlicht
Genau diese Unterschwärzungen in den neuesten Veröffentlichungen sind für die Opfer besonders bitter. Denn auf der Seite des US-Justizministeriums fanden sich zunächst die Klarnamen und persönlichen Daten von Hunderten betroffenen Frauen.
Darunter auch der von Annie Farmer. Auf NBC erzählt sie, dass sie ihr eigenes Geburtsdatum und sogar ihre Telefonnummer gefunden habe. Farmer ist eines der Opfer, die an die Öffentlichkeit gegangen sind. Aber unter den Namen fanden sich auch Frauen, die nie öffentlich genannt werden wollten. Dazu mindestens 40 ungeschwärzte Nacktfotos. Das Ministerium hat inzwischen mit einem Notfall-Korrekturprogramm reagiert. Doch viele Opfer-Namen sind jetzt schon in der Welt.
Ermittlungen nach Veröffentlichung
Die neu veröffentlichten Akten haben auch schon den ein oder anderen juristischen Stein ins Rollen gebracht: Unter anderem wird in London deshalb jetzt gegen einen ehemaligen britischen Minister ermittelt, der Epstein vertrauliche Regierungsinformationen zugespielt haben soll.
Dass Trumps Wunsch in Erfüllung geht und demnächst niemand mehr über die Epstein-Akten redet, ist also höchst unwahrscheinlich. Auch weil sich ein Ausschuss des Repräsentantenhauses weiter mit dem Epstein-Fall beschäftigt. In dem Ausschuss haben die Republikaner die Mehrheit.
Bei einer Sitzung Ende Februar soll hier das Ehepaar Clinton aussagen. Die Abgeordneten wollen wissen, was die Clintons über Epstein und sein Netzwerk wussten. Denn auch ihr Name taucht mehrfach in den Akten auf. Ein Fehlverhalten wird ihnen jedoch nicht vorgeworfen.


