EU-Kommission genehmigt deutschen Industriestrompreis | tagesschau.de

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Stand: 16.04.2026 • 16:28 Uhr

Deutschland darf seine Industrie künftig mit einem vergünstigten Strompreis unterstützen. Die EU-Kommission genehmigte die Maßnahme – davon profitieren können vor allem die Stahl-, Zement- und Chemieindustrie.

Die EU-Kommission hat die Pläne der Bundesregierung für einen Industriestrompreis genehmigt. Wie die Kommission am Donnerstag mitteilte, darf Deutschland die Stromkosten energieintensiver Unternehmen rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 bis Ende 2028 subventionieren. Für die Hilfen sind den Angaben zufolge insgesamt 3,8 Milliarden Euro vorgesehen.

Mit dem Industriestrompreis will die Bundesregierung den Strompreis auf fünf Cent pro Kilowattstunde deckeln, den Unternehmen letztlich zahlen. Sie finanziert die Differenz zum Preis am Strommarkt. Damit werde ein “Bremsklotz beseitigt”, sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche.

EU will Unternehmen in Europa halten

Der reduzierte Strompreis für die Firmen muss laut EU-Kommission mindestens bei 50 Euro pro Megawattstunde liegen. Voraussetzung ist auch, dass die Unternehmen mindestens die Hälfte der Einsparungen in eine klimafreundlichere Produktion investieren. Reiche nannte beispielsweise Erneuerbare Energieanlagen auf den Firmengeländen als Möglichkeit, die Mittel zu verwenden.

Die Gelder stehen Unternehmen in Sektoren offen, “bei denen ein erhebliches Risiko besteht, dass sie ihre Tätigkeiten in Länder außerhalb der EU verlagern”, teilte die Brüsseler Kommission mit.

Unterstützung für bestimmte Branchen

In Deutschland sind das vor allem die Stahl-, Zement- und Chemieindustrie. Unternehmen können die Staatshilfen zum Ende jedes Jahres beantragen, die Subventionen hängen dann von ihrem tatsächlichen Verbrauch und den durchschnittlichen Strompreisen ab.

Wirtschaftsministerin Reiche sprach von 91 Sektoren und rund 9.500 Unternehmen in Deutschland, die profitieren könnten. Ihr Ministerium ergänzte, dass neben der “klassischen energieintensiven Industrie” auch weitere Bereiche später noch hinzukommen könnten, “sofern die erforderlichen Strom- und Handelsintensitäten nachgewiesen werden können”.

VCI: Entlastungen zu gering

Kritik kam vom Verband der Chemischen Industrie (VCI). Er kritisierte die Entlastungen als zu gering. “Laut unseren Berechnungen würde die Entlastung bei den meisten Unternehmen bei unter zehn Prozent der Strombezugskosten liegen”, erklärte Matthias Belitz vom VCI. Der Beihilferahmen der EU-Kommission sei zu streng.

Die schwarz-rote Koalition hatte den Industriestrompreis bereits im November 2025 grundsätzlich beschlossen, lange bevor der US-israelische Krieg gegen Iran die Energiepreise in die Höhe trieb. Das grüne Licht aus Brüssel stand bislang noch aus.

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