FAQ: Was bedeutet der Kerosinmangel für die Flugpreise?

FAQ: Was bedeutet der Kerosinmangel für die Flugpreise?


faq

Stand: 17.04.2026 • 17:24 Uhr

Der Iran-Krieg sorgt auch für einen Mangel an Kerosin. Doch was bedeutet das für die Fluggesellschaften und die Passagiere? Steigen die Ticket-Preise immer weiter? Und wie ließe sich gegensteuern?

Wie ist die Ausgangslage?

Durch den Krieg in Nahost sind laut dem Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) mehr als 80 Ölanlagen am Persischen Golf zum Teil schwer beschädigt worden. Zudem ist durch die Blockade der Straße von Hormus weniger Kerosin exportiert worden. Die Mineralölwirtschaft geht laut BDL davon aus, dass für längere Zeit 20 Prozent der globalen Öl-Kapazität nicht verfügbar sind.

Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge lag die weltweite Nachfrage nach Kerosin 2025 bei durchschnittlich 7,8 Millionen Barrel pro Tag. Die Golfregion sei dabei mit fast 400.000 Barrel pro Tag der größte Lieferant gewesen. Europa importiere mehr als 50 Prozent seines Kerosins aus dem Nahen Osten, der größte Teil davon werde durch die Straße von Hormus transportiert.

In Deutschland wird ein großer Teil des Treibstoffs für Flugzeuge selbst produziert: Laut Mineralölwirtschaftsverband en2x waren das 2024 rund 4,8 Millionen Tonnen Treibstoff. Das reicht aber nur zum Teil aus, um den heimischen Bedarf von rund neun Millionen Tonnen zu decken. Hinzu kommt: 1,6 Millionen Tonnen des Kerosins aus deutschen Raffinerien werden exportiert.

Geht jetzt das Kerosin aus?

Der Branchenverband BDL schlägt Alarm: Der fehlende Kerosin-Nachschub könne schon bald zu Engpässen führen. Auch laut IEA könnte der Treibstoff in den nächsten Wochen knapp werden. Das hänge davon ab, wie viel der eingebüßten Lieferungen durch andere Importe wettgemacht werden können. Der internationale Airline-Verband IATA warnt deswegen vor ersten Flugausfällen in Europa bereits für Ende Mai.

Die ungarische Billig-Fluglinie Wizz Air hat nach eigenen Angaben bereits Kerosin-Engpässe zu spüren bekommen: “Wir hatten Probleme aufgrund eines Engpasses an Flugbenzin in drei italienischen Flughäfen”, sagte Wizz-Air-Chef Jozsef Varadi der italienischen Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore. Die Probleme seien aber alle “innerhalb eines Tages und in einigen Fällen innerhalb von Stunden” gelöst worden. Im Moment sei die “Situation in Europa nicht so alarmierend”.

Wie reagiert die Politik?

Die EU-Kommission sieht bislang keine Hinweise auf eine Situation, die zu weitreichenden Flugausfällen führen würde. Der Markt sei mit der angespannten Lage zurechtgekommen, sagte eine Sprecherin. Auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte, für den Moment könne sie “Sorgen um Knappheiten nicht bestätigen”.

Was machen die Airlines?

Einige Fluggesellschaften wie KLM und SAS haben unrentable Flüge aus dem Programm genommen. Die Lufthansa lässt 27 Flugzeuge der Regionaltochter Cityline stehen. Laut einer Umfrage der Bild-Zeitung prüfen auch andere Airlines ihre Verbindungen und entwerfen Krisen-Szenarien, konkrete Absagen von Ferienflügen gibt es demnach aber bislang nicht.

Werden die Flüge jetzt noch teurer?

Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Energex dürften die Kerosinpreise umso mehr steigen, je länger der Krieg in Nahost dauert – und die Fluggesellschaften dürften die Preise an die Passagiere weiterreichen. Zudem dürften weitere Airlines darüber nachdenken, Flugverbindungen zu streichen oder auszudünnen.

Das sieht auch der “Wirtschaftsweise” Gabriel Felbermayr so: “Die Ticketpreise werden stark steigen, damit wird die Nachfrage nach Flugdienstleistungen zurückgehen”, sagte er dem Deutschlandfunk. Und wenn die Nachfrage sinke, tue das auch das Angebot: Einzelne Flugverbindungen könnten entfallen, weil sie sich nicht mehr rechnen.

Welche politischen Forderungen gibt es?

Laut der Nachrichtenagentur Reuters will die EU-Kommission am 22. April ein Konzept vorlegen. Demnach sollen die Raffineriekapazitäten in Europa erfasst und ihre volle Auslastung sichergestellt werden.

Die Luftfahrtbranche fordert eine Einbeziehung des Flugverkehrs in das Krisenreaktionsprogramm der EU-Kommission und eine Freigabe der strategischen nationalen Kerosinreserven. Außerdem will sie von Steuern und Abgaben entlastet werden. Ein Vorschlag würde dabei aber zulasten der Passagiere gehen: Der BDL will erreichen, dass Flugausfälle oder Verspätungen aus Spritmangel als “außergewöhnliche Umstände” bewertet werden, bei denen keine Entschädigungen nach der EU-Passagierrechtsverordnung gezahlt werden müssten.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *