In mehreren Teilen Deutschlands kämpfen Feuerwehren gegen Waldbrände. Mancherorts erschweren Kampfmittelrückstände im Boden die Einsätze, es kommt zu Explosionen. in Rheinland-Pfalz musste deshalb ein ganzer Ort geräumt werden.
Auch als Folge der anhaltenden Hitze und Trockenheit sind in mehreren Gebieten Deutschlands Waldbrände ausgebrochen.
Im rheinland-pfälzischen Kreis Bad Kreuznach brennt es in einem Gebiet mit Kampfmitteln im Boden. Es gab dort Explosionen, der Ort Traisen musste komplett geräumt werden. Der Waldbrand war nach Kreisangaben am Samstagnachmittag an einem Steilhang in der Nähe des Ortes ausgebrochen. Am Sonntagnachmittag war er noch nicht unter Kontrolle. Rund 300 Feuerwehrleute waren im Einsatz.
Mobile Wasserwerfer ohne Personal im Einsatz
Menschen mussten bis 2 Uhr in der Nacht Gebäude in einem Radius von einem Kilometer um den Brand verlassen, eine Notunterkunft wurde eingerichtet. Der Kreis bot älteren oder kranken Personen sowie Müttern mit Kindern unter drei Jahren an, sich zu melden, damit Hotelzimmer vermittelt werden können.
Weil sich die Flammen im Verlauf des Sonntags weiter ausbreiteten, entschieden die Einsatzkräfte, Traisen komplett zu räumen – vorsorgehalber, wie es vom Kreis hieß. In dem von dem Feuer betroffenen Areal kam es immer wieder zu Explosionen; es war früher eine Entsorgungsfläche für Munition.
Der herbeigerufene Kampfmittelräumdienst bewerte die Lage fortlaufend, berichtete eine Kreissprecherin. Laut einem Sprecher der örtlichen Feuerwehr kommen zum Schutz der Einsatzkräfte mobile Wasserwerfer zum Einsatz, die ohne Personal betrieben werden können.
Die Landrätin des Kreises Bad Kreuznach, Bettina Dickes, bezeichnete das Waldstück, in dem es gerade brennt, als “eines der wichtigsten Naturschutzgebiete bei uns”. Das sei “wirklich ein Unglück”, sagte sie, gerade laufe ein Antrag, es als Weltnaturerbe anzuerkennen.
Erneut Brand in der Gohrischheide
Ein Großeinsatz läuft auch in der Gohrischheide an der Landesgrenze von Sachsen zu Brandenburg, wo Feuerwehren versuchen, einen erneuten Waldbrand unter Kontrolle zu bringen. Bisher gebe es keine Bewegung, das Feuer habe sich nicht weiter ausgebreitet, sagte Raiko Riedel, Pressesprecher Feuerwehr Zeithain, der Nachrichtenagentur dpa am Nachmittag. Am Sonntagmorgen war den Angaben zufolge eine Fläche von knapp 16 Hektar abgebrannt.
Inzwischen seien zwei Löschhubschrauber im Einsatz. Das verbessere die Bekämpfung der einzelnen Brandherde deutlich. Die Einsatzkräfte seien zuversichtlich, dass sich das Feuer auch bei aufkommendem Wind in Schach halten lasse. Am Boden ist zudem ein gepanzertes Löschfahrzeug in dem unwegsamen Gelände unterwegs. Tanklöschfahrzeuge sichern und wässern die Wege, um eine Ausbreitung zu verhindern. Die Einsatzkräfte hatten auch vorhergesagten böigen Wind gefürchtet, weil dieser zu Funkenflug führen kann – bisher blieb der allerdings aus.
In der Gohrischheide hatte es erst vor einem Jahr den größten Waldbrand seit Jahrzehnten in Sachsen gegeben. Auch das Gebiet im Landkreis Meißen ist munitionsbelastet, was Löscharbeiten erschwert. Ortschaften sind von dem Feuer bislang nicht bedroht.
Großbrand bei Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern
Vier Tage lang waren zeitweise mehr als 400 Einsatzkräfte mit einem Großbrand bei Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt. Inzwischen ist das Feuer unter Kontrolle. Offene Flammen seien aktuell nicht mehr sichtbar, berichtete das Forstministerium. Aufgrund der weiterhin hohen Temperaturen im Waldboden und der Munitionsbelastung bleibe die Lage jedoch anspruchsvoll.
Nun will die Feuerwehr unter anderem einen Randbereich des stark munitionsbelasteten ehemaligen sowjetischen Panzerschießplatzes kühlen. “Dort ist der Boden sehr, sehr heiß, obwohl wir keine Flammen dort haben”, sagte Jörg Westphal, stellvertretender Gemeindewehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Neustrelitz. Man wolle verhindern, dass Wind dort wieder Feuer entfache. In der Nähe befindet sich auch ein Solarpark.
Weitere Brände in den Kreisen Stendal und Harz
In Sachsen-Anhalt gilt ein Blitzeinschlag als mögliche Ursache für einen Waldbrand in einem Ortsteil der Stadt Tangerhütte im Landkreis Stendal. Dort brannten rund 600 bis 700 Quadratmeter Kiefernwald ab.
In Blankenburg im Landkreis Harz, ebenfalls in Sachsen-Anhalt, ging die Feuerwehr auf einer Fläche von ungefähr 4,5 Hektar gegen Flammen vor. Auch Löschflugzeuge waren im Einsatz. Gegen Mittag teilte der Landkreis Harz mit, der Brand sei inzwischen unter Kontrolle.
Etliche Feuerwehren sind wegen eines Waldbrands auf einem ehemaligen Kohlebergbaugelände beim thüringischen Meuselwitz im Einsatz. Die Rauchentwicklung auf dem bislang etwa sechs Hektar großen betroffenem Areal an der Grenze zu Sachsen-Anhalt sei so stark, dass der Rauch sogar bis nach Leipzig ziehe, sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr Meuselwitz Maximilian Raczka.
Mit Informationen von Sarina Fischer und Wolfgang Seligmann, SWR.