Er galt bereits als potenzieller Herausforderer für den angeschlagenen britischen Premierminister Starmer: Ex-Minister Streeting. Jetzt kündigte er offiziell an, Starmer ablösen zu wollen. Dazu muss er zunächst Labour-Chef werden.
Der bisherige britische Gesundheitsminister Wes Streeting will Premierminister Keir Starmer ablösen. Er werde in einer Wahl um das Amt des Labour-Parteichefs gegen Regierungschef Starmer antreten, bestätigte der 43-Jährige bei einem Auftritt in London. Der Parteivorsitzende ist in Großbritannien fast automatisch auch der Regierungschef. “Wir brauchen einen echten Wettkampf mit den besten Kandidaten, und ich werde antreten”, so Streeting.
Rücktritt als Minister
Eine Woche nach der historischen Niederlage der Labour-Partei bei den Kommunal- und Regionalwahlen war Streeting am Donnerstag aus Protest gegen Starmer von seinem Ministeramt zurückgetreten. Er habe das Vertrauen in Starmers Führung verloren und es sei nun klar, “dass du die Labour-Partei nicht in die nächste Parlamentswahl führen wirst”, schrieb der 43-Jährige beim Onlinedienst X an den Premier gerichtet.
Streeting galt bereits als ein möglicher Herausforderer Starmers. Er war einer der prominentesten Labour-Politiker im erfolgreichen Wahlkampf 2024 und gilt als herausragender Kommunikator. Er gehört dem rechten Flügel der Labour-Partei an. Unter den Abgeordneten, die Starmers Rücktritt fordern, sind viele Unterstützer Streetings.
Wachsender Druck – doch Starmer will bleiben
Als weiterer möglicher Herausforderer des britischen Regierungschefs gilt der Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham. Er gehört dem linken Flügel von Labour an und ist derzeit der beliebteste Politiker über alle Parteigrenzen hinweg.
Burnham hatte am Donnerstag angekündigt, sich bei einer Nachwahl um einen Sitz im Parlament zu bewerben – ein Mandat im Unterhaus ist Voraussetzung für eine Kandidatur um den Parteivorsitz. Ein Parteifreund legte daraufhin sein Mandat im Wahlkreis Makerfield nahe Manchester nieder, um Burnham den Weg zu ebnen.
Auch Starmers ehemalige Stellvertreterin Angela Rayner wird als mögliche Kandidatin für die Nachfolge des amtierenden Regierungschefs gehandelt.
Starmer steht seit den Kommunalwahlen zunehmend unter Druck. Mehr als 80 Labour-Abgeordnete forderten bislang seinen Rücktritt. Er selbst erklärte jedoch zuletzt in einem Interview mit der Zeitung Observer, er wolle sogar noch eine zweite Legislatur dranhängen, also insgesamt zehn Jahre im Amt bleiben.

