Hapag-Lloyd will israelische Reederei übernehmen

Hapag-Lloyd will israelische Reederei übernehmen


marktbericht

Stand: 16.02.2026 16:52 Uhr

Die Hamburger Reederei will die Reederei ZIM aus Israel übernehmen. Politisch ist das heikel, der israelische Staat muss noch zustimmen. An der Börse kommen die Pläne nicht gut an, die Hapag-Aktie fällt.

Die Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd plant eine große Übernahme: Am Montag gab der Aufsichtsrat seine Zustimmung zum Kauf des israelischen Wettbewerbers ZIM, meldete das Unternehmen. 4,2 Milliarden Dollar zahlt die Hapag für die Reederei mit Sitz in Haifa.

Jetzt muss noch der israelische Staat zustimmen – eine Klausel in der Satzung von ZIM gibt ihm eine Vetomöglichkeit. Bei der Hapag gehören arabische Staatsfonds zu den Anteilseignern. Das war aus israelischen Sicherheitskreisen mit Sorge betrachtet worden. Das Israel-Geschäft soll ein nationaler Partner übernehmen.

Mit dem Zukauf würde Hapag-Lloyd, die fünftgrößte Reederei weltweit, sich Platz zehn einverleiben. Es hätte dann eine Flotte von über 400 Schiffen, eine Kapazität von mehr als drei Millionen Standardcontainern (TEU) und ein jährliches Transportvolumen von mehr als 18 Millionen TEU. Die Reederei rechnet mit einem Abschluss des Geschäfts bis Ende 2026.

Den Zukauf sehen Analysten als strategische Investition in einem Markt, für den in der Zukunft mit Schwierigkeiten gerechnet wird. Andere große Reedereien fahren momentan ähnliche Strategien. So hatten nach Medienberichten auch die weltweit größten Reedereien Moeller Maersk und MSC Interesse an ZIM angemeldet.

Analysten von JP Morgan bewerteten die Pläne der Hapag als Möglichkeit, die eigenen Kapazitäten schnell auszubauen, obwohl Werften kurzfristig nicht so viele neue Schiffe liefern könnten. Durch eine Übernahme von ZIM würde das Unternehmen seinen weltweiten Marktanteil demnach von sieben auf knapp unter neun Prozent erhöhen können.

Bei ZIM regte sich schon im Dezember erheblicher Widerstand, als die Übernahmegerüchte durch die Hapag zum ersten Mal laut wurden: Die Staatsfonds von Katar und Saudi Arabien halten zusammen über 20 Prozent der Anteile an dem Hamburger Unternehmen.

Der Betriebsrat von ZIM sprach gegenüber der israelischen Zeitung Globes von einer “direkten Gefahr für die Sicherheit unseres Landes”. Sollte es zu einem erneuten Nahost-Krieg kommen, könnten die arabischen Anteilseigner Druck auf die Hapag ausüben, die Versorgung Israels einzustellen, so die Sorge des Betriebsrates.

Jetzt muss die Hapag noch die Aktionäre von ZIM überzeugen – und den Staat Israel. Der hält mit dem sogenannten “Golden Share” eine Veto-Möglichkeit an der Reederei. Um sich die Zustimmung zu sichern, überlässt Hapag-Lloyd das Israel-Geschäft einem nationalen Investor: Der Finanzinvestor Fimi Opportunity Funds wird Eigentümer eines ausgegliederten Containerliniengeschäfts.

Beim Betriebsrat stößt das Vorhaben weiter auf Widerstand. Als Reaktion auf die Ankündigung der Übernahme rief er die Beschäftigten zum Streik auf. Als Grund gab er an, in die Entscheidung nicht eingebunden gewesen zu sein.

An den Börsen musste Hapag-Lloyd nach der Ankündigung Verluste hinnehmen. Die Aktie des DAX-Unternehmens notierte drei Prozent unter ihrem Kurs vom Freitag und fiel weiter auf sieben Prozent im Minus, nachdem die Unterzeichnung der Übernahme publik wurde.

Der Kurs der im Nasdaq gelisteteten ZIM-Aktie kletterte hingegen stark nach oben. Während die Börse in New York aufgrund eines US-Feiertages geschlossen ist, notierte sie bei Tradegate am Morgen über zwanzig Prozent im Plus. Nachdem die Unterzeichnung der Übernahme bekannt wurde, schnellte sie über 40 Prozent nach oben.

Der DAX bewegte sich zum Mittag kaum und notierte bei 24.939 Punkten. Nach einem kurzen Anstieg über die 25.000 Punkte am Morgen fiel er mitunter bis auf 24.900 Punkte zurück.

Gestützt wurde er von Werten aus dem Finanzsektor, die sich aus ihrem Tief erholen. Negative Vorzeichen gab es dagegen für die Chemiebranche.

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