ifo-Geschäftsklima wegen des Iran-Kriegs stark eingetrübt

ifo-Geschäftsklima wegen des Iran-Kriegs stark eingetrübt

Stand: 24.04.2026 • 11:33 Uhr

Die Folgen des Iran-Kriegs haben die Stimmung in den Chefetagen deutscher Firmen stärker eingetrübt als erwartet. Der ifo-Index ist angesichts der Energiepreis-Krise auf den tiefsten Stand seit der Corona-Krise gefallen.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im April wegen des Iran-Kriegs weiter deutlich verschlechtert. Das ifo-Geschäftsklima fiel um 1,9 Punkte auf 84,4 Punkte, wie das Münchner Forschungsinstitut mitteilte. Dies ist der niedrigste Wert seit Mai 2020. Analysten hatten zwar einen erneuten Stimmungsdämpfer erwartet, waren aber im Schnitt nur von einem Rückgang auf 85,7 Punkte ausgegangen.

Sowohl ihre aktuellen Geschäfte als auch die künftigen Erwartungen haben die befragten Unternehmen schlechter eingeschätzt. “Die Hoffnungen auf einen Aufschwung sind vorerst dahin”, kommentierte ifo-Präsident Clemens Fuest das Ergebnis der monatlichen Umfrage unter 9.000 Firmen. Die Iran-Krise treffe die deutsche Wirtschaft hart. Nach dem zweiten Rückschlag in Folge sehen Ökonomen die konjunkturelle Erholung bedroht.

“Jeder weitere Tag erhöht das Rezessionsrisiko”

“Der Einbruch des ifo-Geschäftsklimas zeigt unmissverständlich, wie sehr der Energiepreisschock die deutsche Wirtschaft trifft”, urteilte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Das Wachstum dürfte in diesem Jahr selbst dann um 0,4 Prozentpunkte niedriger ausfallen, wenn die Straße von Hormus nach insgesamt drei Monaten Ende Mai wieder geöffnet werden sollte. “Jeder weitere Tag ohne Öllieferungen durch die Straße von Hormus erhöht das Rezessionsrisiko.”

Selbst im Fall eines beruhigten Konflikts sei “davon auszugehen, dass eine Normalisierung dauern wird”, so Alexander Krüger, Chefvolkswirt bei der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. “Schiffe können nicht alle gleichzeitig beladen losfahren, Produktionsanlagen sind zu reparieren.”

Die hohen Energiepreise dürften nach Einschätzung von Experten auch die Impulse des staatlichen Investitions-Pakets schmälern. Sollten die Energiepreise hoch bleiben oder weiter steigen, rutsche “die Wirtschaft näher an den Stagnationsbereich”, so Krüger.

Auch die staatliche Förderbank KfW verweist darauf, dass eine baldige Öffnung der Meerenge eine notwendige Bedingung für eine Erholung der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr ist. Jüngst hatte die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 0,5 Prozent halbiert. Laut Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kämpft die Wirtschaft zwar mit zunehmendem Gegenwind. Eine Rezession sei jedoch nicht zu erwarten.

Unternehmen verlieren die Zuversicht

Der Umfrage-Chef des ifo Instituts, Klaus Wohlrabe, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die deutsche Wirtschaft verliere langsam die Zuversicht: “Es gibt kaum Lichtblicke in diesem Monat. Die Unsicherheit frisst sich durch die deutsche Wirtschaft.” Sie werde im laufenden zweiten Quartal bestenfalls stagnieren – und im schlimmsten Fall sogar um 0,1 oder 0,2 Prozent zum Vorquartal schrumpfen.

Der Energiepreisanstieg hat bereits die Inflation nach oben getrieben und belastet die Unternehmen immer stärker. Darauf lässt das jüngst veröffentlichte Barometer von S&P Global schließen, bei dem Manager die Geschäftsbedingungen beurteilen. Im Verarbeitenden Gewerbe berichteten die Firmen zunehmend von Lieferengpässen bei Vorprodukten, erklärte ifo-Chef Fuest.

Im Dienstleistungssektor hätten sich die Erwartungen weiter verschlechtert. “Speziell die Logistik steht unter Druck, dort sind die Aussichten düster”, so der Ökonom. Und auch im Handel sackte der Gesamtindex stark ab. “Die Einzelhändler sorgen sich insbesondere, dass sich die Konsumenten aufgrund der Inflation stärker zurückhalten.” Am stärksten fiel das Minus aber im Bauhauptgewerbe aus.

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