Kandidat für Linken-Vorsitz: Welche Pläne hat Luigi Pantisano?

Kandidat für Linken-Vorsitz: Welche Pläne hat Luigi Pantisano?


interview

Stand: 16.04.2026 • 12:50 Uhr

Luigi Pantisano will die Nachfolge von Linken-Chef Jan van Aken antreten. Welche Pläne er mit der Partei hat, erklärt er im exklusiven Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio.

ARD-Hauptstadtstudio: Herr Pantisano, Sie wollen neuer Parteivorsitzender der Linken werden. Was qualifiziert Sie dafür?

Luigi Pantisano: Ich bin jemand, der seit vielen Jahren Politik macht und ins Gespräch mit den Menschen geht. Ich höre zu, gehe an die Haustüren, tausche mich aus und nutze diese Gespräche und diese Erfahrungen der Menschen in ihrem Alltag für meine politische Arbeit.

Das ist auch eine Linie, die die Linke in den letzten zwei Jahren ganz stark gefahren ist, indem wir an die Haustüren gegangen sind, hunderttausende Gespräche geführt haben. Und diesen Weg möchte ich jetzt weitergehen.

ARD-Hauptstadtstudio: Auch wenn Jan van Aken erst seit anderthalb Jahren Parteivorsitzender ist, sind es große Fußstapfen, in die Sie treten wollen. Wie viel Respekt haben Sie davor?

Pantisano: Jan van Aken war ein großartiger Parteivorsitzender. Er hat mit Ines Schwerdtner gemeinsam die letzten anderthalb bis zwei Jahre den richtigen Fokus gelegt, eine richtige Linie für die Partei definiert, die auch zum Erfolg geführt hat. Diesen Weg, den sie begonnen haben, möchte ich jetzt weitergehen und weiterentwickeln.

Luigi Pantisano

Zur Person

Der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano will Vorsitzender der Partei Die Linke werden. Aktuell ist der 46-Jährige stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag und vertritt als Abgeordneter die Region Stuttgart und Konstanz.

“Ich habe erlebt, wie etablierte Politik einen nicht sieht”

ARD-Hauptstadtstudio: Sie loben die neue Linie. Gehört dazu auch, dass sich die Linke vor allem auf die Themen Mieten, bezahlbares Leben und Frieden konzentriert?

Pantisano: Wir gehen an die Türen, gehen ins Gespräch mit den Menschen, hören uns ihre Anliegen an. Und dort ist bei allem das größte Thema, das uns mitgeteilt wird: die hohen Mieten, die unbezahlbaren Mieten, die Bezahlbarkeitsfrage. Wenn man in den Laden geht und einkaufen will, wird alles teuer und eben der Krieg, der sehr vielen Menschen Angst macht, das sind die richtigen Themen, die wir setzen.

ARD-Hauptstadtstudio: Im Bundestag sind Sie zwar erst seit einem Jahr, in der Partei aktiv sind sie aber schon viel länger. Ist das ein Vorteil für ihre Kandidatur?

Pantisano: Ich bin seit 30 Jahren politisch aktiv, habe mich schon mit 16 engagiert. Ich habe viele Jahre mit daran gearbeitet, dass die Linke so wird, wie sie heute ist.

Ich bin groß geworden in der Gastarbeiterfamilie, habe italienische Eltern. Ich habe erlebt, wie das ist, wenn die Politik auf Menschen herabschaut. Ich habe selbst einen Hauptschulabschluss und habe erlebt, wie etablierte Politik einen nicht sieht und nicht beachtet und das ist das, was mich antreibt, politisch aktiv zu sein. Das ist das, was ich einbringen will in meine Arbeit.

“Jetzt haben wir eine Einigkeit in der Partei”

ARD-Hauptstadtstudio: Als Mitarbeiter des ehemaligen Parteichefs Bernd Riexinger haben Sie die innerparteilichen Auseinandersetzungen mit und um Sahra Wagenknecht erlebt. Warum haben Sie sich für eine Trennung von ihr ausgesprochen, als andere noch auf Versöhnung gesetzt hatten?

Pantisano: Ich bin jemand, der eine klare Haltung einnimmt, eine klare Linie zieht und den Weg auch geht. In der Frage war ich überzeugt davon, dass die Zukunft der Linken nur möglich ist, wenn wir uns klar fokussieren und eine klare Haltung einnehmen. Jetzt haben wir eine Einigkeit in der Partei, die uns auch zum Erfolg geführt hat.

ARD-Hauptstadtstudio: Nach dem Austritt von Sahra Wagenknecht sind viele neue Mitglieder in die Partei eingetreten und haben das Gesicht der Linken verändert. Warum sehen Sie sich auch als guter Repräsentant für die vielen Neuen?

Pantisano: Die Linke ist in den letzten zwei Jahren jünger, westlicher, feministischer, aber auch migrantischer geworden. Und ich finde, ich passt da ganz gut rein als Kandidat.

Ich habe selber einen Hauptschulabschluss und ich habe auch persönlich erlebt, wie es ist, verächtlich gemacht zu werden von anderen, weil man irgendwelchen Ansprüchen scheinbar nicht gerecht wird. Und mit dieser Erfahrung möchte ich als Parteivorsitzender reingehen und eben die Menschen organisieren und mich der etablierten Politik entgegenstellen.

“Die Menschen haben die Schnauze voll”

ARD-Hauptstadtstudio: Für den Fall, dass Sie auf dem Parteitag im Juni gewählt werden, welche Ziele haben Sie dann für ihre Partei?

Pantisano: Ich will, dass wir als Linke weiterwachsen. Aktuell haben wir über 120.000 Mitglieder. Ich möchte, dass es 200.000 werden. Und ich will die Arbeiterinnen und Arbeiter für die Linken zurückgewinnen.

Die Menschen haben mittlerweile die Schnauze voll von der etablierten Politik. SPD und CDU in der Regierung haben die Axt angesetzt am Sozialstaat. Wir sollen alle mehr arbeiten, wir sollen krank zur Arbeit gehen und an der Zapfsäule werden wir gerade auch ziemlich abgezockt. Deswegen habe ich eine Hotline eingerichtet, bei der sich Beschäftigte melden können, um mit mir in Kontakt zu treten und mir ihre Punkte zu nennen.

Das Gespräch führten Bianca Schwarz und Alexander Budweg, ARD-Hauptstadtstudio.

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