Klimawandel ermöglicht Anbau von tropischem Ingwer in Schwaben

Klimawandel ermöglicht Anbau von tropischem Ingwer in Schwaben

Stand: 14.06.2026 • 15:23 Uhr

Ingwer stammt eigentlich aus den Tropen und Subtropen. Wegen des Klimawandels gibt es nun Landwirte, die auch in Deutschland die Knolle anbauen. Der deutsche Ingwer hat seine Besonderheiten.

Laura Bisch

Wenn Landwirt Michael Eberhardt aus Deizisau in Baden-Württemberg die Folie am Eingang seines Folientunnels zur Seite schiebt, dann schlägt ihm warme, feuchte Luft entgegen – fast wie in einer Sauna. Doch was dem jungen Landwirt Schweißperlen auf die Stirn treibt, das ist ideal für den Ingwer, der hier seit ein paar Wochen heranwächst.

“Hier hat es 29 Grad – perfekt für den Ingwer”, sagt Eberhardt mit einem Blick auf das Thermometer, das an einer Stange des Folientunnels baumelt. Ohne den würde der Anbau in Deutschland nicht funktionieren, denn der Ingwer braucht es heiß, feucht und schattig. Normalerweise wächst er in den Tropen und Subtropen am schattigen Waldrand.

Anpassung an den Klimawandel

Hier macht sich der Landwirt den Klimawandel zunutze. Dass der neue Kulturen hierzulande ermöglicht, bestätigt auch Martine Schraml. Sie forscht am staatlichen Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg in Rheinstetten. Dabei konzentriert sich Schraml auf die Anpassung des Ackerbaus an den Klimawandel.

Sie beobachtet: Kulturen wie zum Beispiel Chia, Erdnüsse, Kichererbsen oder Süßkartoffeln sind zum deutschen Repertoire dazu gekommen. “Das ist alles vor allem aufgrund der höheren Temperaturen so.”

Auf heimische Kulturen hat das den Einfluss, dass sie schneller reif werden als noch vor einigen Jahren. “Jede Kultur braucht eine gewisse Temperatursumme, da wird die Temperatur des Tages einfach aufsummiert, um bis zur Reife zu kommen.” Jetzt, wo die Temperaturen höher seien, werde das früher im Jahr erreicht, erklärt die Wissenschaftlerin.

Beim Anbau heißt es ausprobieren

Eigentlich baut Michael Eberhardt vor allem Erdbeeren und Spargel an. Die Idee, hierzulande Ingwer anzubauen, kam ihm durch seine Ausbildung – sein Lehrbetrieb experimentierte mit der Knolle. Beim Anbau an sich heißt es für ihn: ausprobieren. Denn es gibt wenige Vorbilder in Deutschland, von denen sich Eberhardt etwas abschauen kann.

“Es ist learning by doing”, sagt der Landwirt. “Ich hatte einfach das Interesse daran, Ingwer auch hier bei uns im Stuttgarter Raum anzubauen. Wenn es dann funktioniert, ist das einfach toll.”

Zarter, saftiger und weniger scharf

Im Folientunnel holt Eberhardt kurzerhand eine Ingwerpflanze aus der Erde. Oben sind grüne Triebe mit Blättern, fast einen halben Meter hoch. Unten ist eine Ingwerknolle zu sehen – die alte Mutterknolle. “Das ist eine peruanische Bioknolle, die man auch ganz normal im Supermarkt kaufen kann”, sagt Eberhardt. Und tatsächlich: Die Mutterknolle sieht aus wie der Ingwer, den es im Supermarkt gibt – bräunlich, mit einer harten, getrockneten Schale.

Der baden-württembergische Ingwer, der aus der Mutterknolle herauswächst, sieht dagegen anders aus: Er ist hell, teils rosa und hat nur eine dünne Schale. “Die Knolle kann man direkt so verwenden – und sie ist auch nicht so scharf wie der getrocknete Ingwer. Diese hier ist einfach viel zarter, saftiger und intensiver.”

Stolzer Preis für deutsche Knolle

Der süddeutsche Ingwer ist aber auch teurer: Im Vergleich zum importierten Supermarkt-Ingwer kostet die heimische Knolle rund sieben Mal so viel. Im Hofladen in Deizisau etwa 29 Euro das Kilo. Über den Großmarkt sind es etwa 15 Euro das Kilo.

Das liegt laut Eberhardt unter anderem daran, dass der Ingwer vom Pflanzen bis zur Ernte reine Handarbeit ist. Es gibt dazu keine Maschine. Außerdem müsse sich der Boden nach jeder Saison erholen. “Ich muss nach dieser Saison die Fläche wechseln. Denn der Boden braucht einfach fünf bis zehn Jahre Zeit, bis er sich wieder regeneriert hat.”

Das treibe den Preis, so der junge Landwirt. Zahlen ihn die Kunden für heimischen Ingwer? Die 27-jährige Luisa Schmid kauft im Hofladen ein – noch keinen Ingwer, denn der kann erst im Spätjahr geerntet werden. Der höhere Preis würde sie dann aber nicht vom Kauf abhalten, sagt sie: “Auch wenn der Ingwer teurer ist, bin ich bereit, mehr Geld dafür zu zahlen – einfach, weil er regional ist.”

Exotischer Ingwer in Schwaben: Beim Anbau heißt es aber noch “Learning by Doing”, erklärt Landwirt Eberhardt.

“Die Kunden möchten es haben”

Und auch Eberhardt plant, am Ingwer festzuhalten. Ihm macht das Herumprobieren mit der Knolle Spaß.

Der Erfolg gibt ihm recht: “Die Kunden möchten es immer noch haben und sind happy mit dem Produkt, und dadurch bin ich immer noch beim Ingwer geblieben.” Sein nächstes Ziel ist es, noch mehr Knollen durchzubringen.

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