Stand: 10.07.2026 • 10:33 Uhr

Der Kraftstoffmangel in Russland verschärft sich. Die Preise steigen – wer kann, tankt im Ausland. Zwar will der Kreml beruhigen, doch die Schlangen vor den Tankstellen sprechen eine andere Sprache.

Von Lilia Becker, ARD Moskau, zurzeit Berlin

Sommer in Moskau heißt jetzt: Warteschlangen vor Tankstellen. Einige Betreiber verkaufen zeitweise nur noch an Firmenkunden – Privatleute gehen leer aus. Wer kann, fährt ins Ausland, nach Kasachstan oder China. Tanktourismus nennt sich das.

Dass die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Raffinerien und Ölterminals eine wunde Stelle getroffen haben, zeigt die rhetorische Entgleisung von Kremlsprecher Dmitri Peskow, der sonst ein Meister der kontrollierten Wortwahl ist:

Es ist ein Krieg, ein echter Krieg. Alles hat als spezielle Militäroperation begonnen, geht aber weiter wie ein Krieg.

Dmitri Peskow, Kremlsprecher

Das Wort “Krieg” hat im Kreml sonst niemand so in den Mund genommen. “Militärische Spezialoperationen” heißt es auch im fünften Kriegsjahr. Den Schuldigen für den echten Krieg hat Peskow gleich mitgeliefert – den Westen, der die Ukraine mit Waffen und Satellitendaten versorge.

Preise für Benzin und Diesel steigen weiter

Bei den Russinnen und Russen kommt im Alltag von dem echten Krieg vor allem der Preisdruck an. Umfragen des Lewada-Zentrums zeigen, dass der Anstieg der Preise für mehr als die Hälfte der Befragten das dringendste Problem des Landes ist.

Laut der russischen Statistikbehörde Rosstat wurde Benzin allein in den vergangenen drei Wochen fast um sieben Prozent teurer. Beim Diesel sind es mehr als acht Prozent. Der darf bis Ende Juli nicht mehr exportiert werden. Für Benzin gibt es seit Längerem ein Ausfuhrstopp.

Putin spielt Kraftstoffkrise herunter

In fast allen russischen Regionen ist der Kraftstoff rationiert. Kremlchef Wladimir Putin selbst spielte die Krise auf einer Regierungssitzung dennoch herunter:

Es ist absolut offensichtlich, dass der Gegner wirtschaftlichen Schaden verursachen will. Und vor allem: Er will Nervosität in der Gesellschaft hervorrufen. Diese Aufgabe wird er nicht erfüllen können. Die Widerstandsfähigkeit des russischen Energiesystems ist sehr hoch. Eine der höchsten weltweit.

Wladimir Putin, russischer Präsident

Wie so oft behauptet der Kreml, an der Front laufe alles nach Plan. Und die Spritversorgung werde man ebenso in den Griff bekommen.

Nach Recherchen der Analysefirma Energy Intelligence ist die russische Ölverarbeitung im Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum allerdings um ein Viertel eingebrochen. Das ist der niedrigste Wert seit mehr als 20 Jahren.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *