marktbericht
Die Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten sorgt an den Finanzmärkten für Auftrieb. Die Wall Street ist in Rekordlaune, auch der DAX dürfte heute zulegen. Aber noch gibt es ausreichend Grund zur Skepsis.
Haben die Aktienmärkte den Krieg im Iran abgehakt? Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass die USA und Iran erwägen, die Waffenruhe um zwei Wochen zu verlängern. Außerdem wird es nach Angaben von US-Präsident Donald Trump heute Gespräche zwischen Israel und dem Libanon geben.
Die Anleger sind deshalb optimistisch gestimmt. Der DAX dürfte heute mit einem Plus von 0,3 Prozent auf rund 24.132 Punkten in den Handel starten. Gestern hatte sich der deutsche Leitindex kaum bewegt und war bei 24.066 Punkten auf der Stelle getreten.
Trotzdem bleibt die Lage angespannt. Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 0,2 Prozent auf 95,09 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notierte 0,3 Prozent fester bei 91,56 Dollar.
“Bis ein Friedensabkommen geschlossen und die freie Schifffahrt durch die Meerenge Hormus wiederhergestellt ist, dürften die WTI-Preise voraussichtlich weiter zwischen 80 und 100 Dollar schwanken”, sagte Toshitaka Tazawa, Analyst bei Fujitomi Securities. Zwar gebe es Hoffnungen auf eine Deeskalation im Nahen Osten, aber viele Anleger blieben weiterhin skeptisch.
Vor allem die auf günstige Energie angewiesene deutsche Wirtschaft leidet unter hohen Öl- und Gaspreisen. Das könnte so bleiben: Niemand gehe davon aus, dass der Ölpreis in absehbarer Zeit sinken werde, selbst wenn wir morgen ein Friedensabkommen hätten, sagte Axel Rudolph, Marktanalyst bei der IG Group.
Die Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten hatte die US-Börsen gestern auf Rekordstände getrieben: Der US-Standardwerteindex Dow Jones blieb zwar fast unverändert bei 48.463 Punkten, doch der technologielastige Nasdaq zog um 1,6 Prozent auf 24.016 Stellen an. Der breit gefasste S&P 500 gewann 0,8 Prozent auf 7.023 Zähler. Für Nasdaq und S&P waren dies Schlussrekorde.
Die Anleger sind Börsianern zufolge bereit, bei den geringsten Anzeichen einer Deeskalation in risikoreichere Anlagen umzuschichten. “Der Markt ist vorsichtig optimistisch, dass wir wieder Frieden mit dem Iran schließen können”, sagte Art Hogan, Stratege bei B. Riley Wealth.
Auch in Asien wächst die Zuversicht. Die asiatischen Börsen legen den dritten Tag in Folge zu. Der südkoreanische Leitindex Kospi klettert um rund 1,7 Prozent. Der japanische Nikkei-Index für 225 führende Werte verbucht einen ebenfalls kräftigen Aufschlag von rund 2,4 Prozent. Zeitweise erreichte er ebenfalls einen Rekordstand.
Gewinne auch in China: Der CSI-300-Index, der die wichtigsten Aktien auf dem chinesischen Festland abbildet, klettert um 0,9 Prozent. Hongkongs Hang Seng Index legt um etwa 1,3 Prozent zu.
Chinas Konjunktur ist nach einem schwachen vierten Quartal 2025 zu Jahresbeginn trotz neuer globaler Konflikte stärker gewachsen als erwartet. In den ersten drei Monaten legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach vorläufigen Daten um 5,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, teilte die Statistikbehörde in Peking mit.
Bemerkenswert sei, dass diese Entwicklung weniger zyklisch als strukturell geprägt scheine, stellt Ulrich Stephan fest, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Chinesische Exporteure würden vor allem von zwei globalen Megatrends profitieren. “Zum einen vom starken Ausbau weltweiter Rechenleistung im Zuge zunehmender Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz, der Herstellern von Elektronik und entsprechender Ausrüstung volle Auftragsbücher beschert“, so Stephan.
Zum anderen profitieren China von der Energiewende, die von dem Konflikt in der Golfregion zusätzliche Impulse erhalte und chinesischen Green‑Tech‑Exporteuren nachhaltigen Rückenwind verleihe.

