marktbericht
Der steigende Ölpreis und die Furcht vor einer Eskalation im Nahen Osten überschatten den Börsenhandel. Am Nachmittag steht der EZB-Zinsentscheid an – bis dahin dürften die Anleger zurückhaltend bleiben.
Der DAX fällt im frühen Handel um rund 0,3 Prozent auf etwa 23.875 Punkte zurück. Gestern hatte der deutsche Leitindex knapp unter der Marke von 24.000 Punkten geschlossen und war mit einem Abschlag von 0,3 Prozent auf 23.954 Punkten aus dem Handel gegangen.
Die steigenden Ölpreise erweisen sich am letzten Handelstag im April als Belastung für den Aktienmarkt: Spekulationen auf ein mögliches Ende der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran haben die Notierungen heute angetrieben. US-Präsident Donald Trump erwägt nach Angaben aus Regierungskreisen wegen der festgefahrenen Verhandlungen mit dem Iran eine monatelange Blockade iranischer Häfen.
“Der weiter steigende Ölpreis steht beim DAX einer nachhaltigen Erholung im Weg. Und nun beginnt Morgen der gefürchtete Wonnemonat Mai”, kommentiert IG-Chefmarktanalyst Christian Henke. Das Nordseeöl Brent stieg um bis zu 7,1 Prozent auf 126,41 Dollar je Fass, den höchsten Stand seit vier Jahren. Das US-Öl WTI notierte mit 110,93 Dollar je Fass an der Spitze 3,8 Prozent fester.
Die Anleger beginnen sich vor Leitzinserhöhungen der Notenbanken zu sorgen. Die hohen Energiepreise treiben die Inflation an, darauf könnten die Zentralbanken mit höheren Zinsen reagieren, um den Preisdruck zu dämpfen.
Für den Aktienmarkt sind das schlechte Aussichten. Zum einen werden Anleihen durch eine bessere Verzinsung attraktiver. Zum anderen wird die Konjunktur belastet, was sich wiederum auf die Gewinne der Unternehmen auswirken könnte. Immerhin: Die deutsche Wirtschaft ist Anfang des Jahres etwas gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Januar bis März um 0,3 Prozent zum Vorquartal, teilte das Statistische Bundesamt mit.
Zumindest aktuell hat sich die US-Notenbank Federal Reserve bei ihrer Zinssitzung am Mittwoch noch gegen Zinserhöhungen entschieden. Sie beließ den Leitzins unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent. ssen. Die Fed bleibe bei ihrer abwartenden Haltung, schreibt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. “Der Iran-Krieg hat die Inflationsrate merklich steigen lassen, gleichzeitig scheint die US-Wirtschaft weiterhin einigermaßen Kurs zu halten. Gegenwärtig gibt es damit keine Notwendigkeit den Zins zu senken”, so Gitzel.
Heute Nachmittag wird die EZB ihren Zinsentscheid verkünden. Fachleute erwarten ebenfalls zunächst keine Veränderung. “Für Juni halten wir eine Zinserhöhung aber nach wie vor für wahrscheinlich, insbesondere wenn sich die Hängepartie um die Straße von Hormus fortsetzt, die nach wie vor weitgehend blockiert ist”, kommentierte Commerzbank-Ökonom Marco Wagner. “Immerhin sind die Erinnerungen an den Inflationsschub 2022 noch frisch.”
Mit Spannung wurden am Mittwoch nach US-Börsenschluss die Bilanzen von drei großen Tech-Konzernen erwartet. Alphabet, Microsoft und Amazon konnten mit ihre Quartalsberichten zwar überzeugen. Gleichzeitig wachsen aber die Zweifel, ob sich die gewaltigen Investitionen in Künstliche Intelligenz langfristig auszahlen. Gerade bei Meta sorgten hohe Ausgaben für Künstliche Intelligenz für Skepsis, die Aktie geriet nachbörslich unter Druck.
Alphabet meldete im ersten Quartal des Jahres einen Gewinn von 62,6 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von fast 110 Milliarden Dollar und übertraf damit mühelos die Markterwartungen. Amazon meldete ebenfalls einen starken Anstieg des Gewinns im ersten Quartal und erklärte, dass seine Investitionen in das KI-Start-Up Anthropic das Ergebnis erheblich beflügelt hätten. Der Konzern gab an, der Nettogewinn in den ersten drei Monaten des Jahres sei auf 30,3 Milliarden Dollar angestiegen, was fast einer Verdoppelung gegenüber 17,1 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum entspricht.
Auch in Europa ist die Berichtssaison in vollem Gang. Während der französisch-italienische Autobauer Stellantis das operative Ergebnis 960 Millionen Euro nahezu verdreifacht hat, steckt Volkswagen in der Krise. Das operative Ergebnis ging zu Jahresbeginn insgesamt um gut 14 Prozent auf 2,46 Milliarden Euro zurück, der Umsatz sank um 2,5 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro. Unter dem Strich rutschte das Ergebnis nach Steuern um gut 28 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro ab.

