marktbericht
Die Ankündigung der US-Blockade in der Straße von Hormus dürfte die weltweiten Märkte heute beschäftigen. Erste negative Impulse kommen aus Asien. Auch der Ölpreis zog wieder an – über die Marke von 100 Dollar.
Heute ist vor allem eine Frage spannend: Wie reagieren die Märkte auf die von US-Präsident Donald Trump angekündigte Blockade der Straße von Hormus? Nach dem vorläufigen Scheitern der Friedensverhandlungen zwischen den USA und Iran dürfte der DAX zumindest zu Wochenbeginn unter Druck geraten.
Der Broker IG rechnet mit Verlusten und taxiert dem deutschen Leitindex 1,2 Prozent tiefer bei 23.493 Punkten. Die Märkte könnten recht nervös in den Handel starten, hieß es. Am Freitag hatte der DAX nahezu unverändert bei 23.803 Punkten geschlossen.
Nach den ergebnislosen Friedensgesprächen am Wochenende kündigte Trump an, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zu blockieren. Das US-Zentralkommando teilte mit, die Blockade des gesamten Schiffsverkehrs zu und von iranischen Häfen werde heute um 16.00 Uhr (MESZ) beginnen.
Trumps Begründung: Iran habe die Blockade entgegen der Absprachen nicht beendet und die Passage mit Seeminen ohnehin unmöglich gemacht. Die Streitkräfte seien angewiesen worden, alle Schiffe abzufangen, die Gebühren an Iran gezahlt hätten.
Zudem kündigte der US-Präsident an, vom Iran gelegte Seeminen in der für die Weltwirtschaft wichtigen Meerenge zerstören zu lassen. Die zweiwöchige Feuerpause steht damit auf dem Spiel.
Erste Impulse auf diese Ankündigung kommen aus Asien. Die Börsenkurse dort sind mit Verlusten in die Handelswoche gestartet. Der japanische Leitindex Nikkei 225 sank rund zwei Stunden vor Handelsende um etwas mehr als ein Prozent auf 56.290 Punkte. Der südkoreanische Kospi gab im späten Handel 1,3 Prozent nach.
Der Hongkonger Hang Seng sank heute Morgen um 1,2 Prozent. Nahezu unverändert hielt sich der in Shanghai gehandelte CSI 300, der die wichtigsten Aktien der chinesischen Festlandbörsen abbildet, mit einem Minus von 0,1 Prozent. Der australische S&P ASX 200 gab um 0,5 Prozent nach.
Die Ankündigung der US-Blockade hat auch Auswirkungen auf den Ölpreis – und trieb diesen wieder über die Marke von 100 Dollar. Die Nordseeölsorte Brent etwa stieg um rund acht Prozent auf 102,80 Dollar je Barrel (159 Liter). Vor den Verhandlungen hatte der Preis noch bei rund 95 Dollar gelegen. Auch der Preis der US-Sorte WTI legte in der Nacht wieder deutlich zu: um fast neun Prozent auf 104,88 Dollar.
Schifffahrtsdaten von LSEG und Kpler zufolge meiden Öltanker bereits zunehmend die Region. Trump räumte ein, dass die Öl- und Benzinpreise bis zu den US-Kongresswahlen im November hoch bleiben könnten. Dies gilt als seltenes Eingeständnis der möglichen politischen Folgen des seit sechs Wochen andauernden Krieges.
Börsenexperten warnen vor massiven Auswirkungen auf den Ölmarkt. Die USA würden nun auch die verbleibenden iranischen Öllieferungen von bis zu zwei Millionen Barrel pro Tag durch die Meerenge blockieren, sagte Saul Kavonic vom Analysehaus MST Marquee.
Dies werde die ohnehin bestehenden Versorgungsengpässe weiter verschärfen, hieß es bei der Bank ANZ. “Solange die Straße von Hormus im Zentrum militärischer Risiken steht, dürften hohe Ölpreisnotierungen ein anhaltender Belastungsfaktor für die globalen Finanzmärkte bleiben”, so Marktanalyst Timo Emden von Emden Research.
Emden hatte schon vor dem Beginn der Gespräche gewarnt, dass viele Anleger bei einem Scheitern der Verhandlungen auf dem falschen Fuß erwischt werden dürften. “Die Märkte sind derzeit nicht auf eine erneute Eskalation eingestellt”, mahnte er.
Beim MDAX-Unternehmen Lufthansa fallen heute zahlreiche Flüge wegen eines erneuten Piloten-Streiks aus. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat zu Arbeitsniederlegungen bei der Lufthansa und mehreren Tochtergesellschaften aufgerufen. Der Streik von Piloten bei der Kernmarke Deutsche Lufthansa, Lufthansa Cargo und Cityline begann kurz nach Mitternacht und soll an diesem Dienstag kurz vor Mitternacht enden. Das könnte auch Auswirkungen auf den Aktienkurs haben.
Beim Ferienflieger Eurowings sind alle Abflüge von deutschen Flughäfen betroffen. An den größeren deutschen Airports wurden wegen des 48-stündigen Pilotenstreiks mehrere Flüge von und nach Frankfurt sowie von und nach München gestrichen, wie mehrere Flughäfen mitteilten. Die Pilotengewerkschaft VC erwartet, dass Hunderte Flüge pro Tag ausfallen.
Ferner richtet sich die Aufmerksamkeit in der neuen Woche auf den Unternehmenssektor in den USA, wo die Berichtssaison anläuft. “Angesichts der noch immer hohen Bewertungen sind positive Überraschungen Pflicht”, schrieb Analyst Samuel Will von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Dabei stehen vor allem die Zahlen von Banken und Finanzdienstleistern wie Goldman Sachs, JPMorgan und Citigroup im Fokus.
Hierzulande blicken die Anleger heute zudem auf die Analystenveranstaltung des Autobauers Mercedes-Benz. Dabei geht es darum, die aktuellen Markterwartungen bezüglich der anstehenden Quartalszahlen mit der Realität abzugleichen.

