Seit knapp einem Monat kann beim US-Nationalarchiv online nach früheren NSDAP-Mitgliedern gesucht werden. Das Interesse am Blick in die Vergangenheit ist groß. Denn in Deutschland unterliegt die Auskunft strikteren Auflagen.
Auch gut 80 Jahre nach Ende des Nazi-Regimes ist das Interesse bei vielen Deutschen an der Geschichte der eigenen Familie in diesen Zeiten groß. Das zeigen die Zugriffe auf eine neue Suche, die seit knapp einem Monat bei den US-Nationalarchiven möglich ist.
Etwa 1,5 Millionen Aufrufe der Suche über das Online-Archiv hat das US-Nationalarchiv nach eigenen Angaben bisher verzeichnet. Zahlreiche digitale Objekte können dort frei durchsucht werden – ohne dass vorher ein Antrag gestellt werden muss.
Seit dem 20. März sind dort die Mitgliedskarteien der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) – die mikroverfilmte Zentralkartei und die Ortsgruppenkartei – vollständig im Netz verfügbar. Diese enthalten Daten Millionen Deutscher, die bis 1945 Mitglied waren.
Noch am Ende des Zweiten Weltkriegs zählte die Partei Angaben des Deutschen Historischen Museums zufolge rund 8,5 Millionen Mitglieder. Damit war 1945 jeder fünfte erwachsene Deutsche Mitglied.
Bei der Suche ist oft viel Geduld gefragt
Für die Suche in dem Archiv benötigen die Nutzer den Vor- und Nachnamen der gesuchten Person, idealerweise sind auch Geburtsdatum und Wohnort bekannt.
Die Suche führt allerdings nicht direkt zu einzelnen Mitgliedskarteikarten, sondern zu digitalisierten Mikrofilmen, die dann durchsucht werden können. Über die Mitgliedschaft in der NSDAP hinaus liefert das Archiv keine Informationen, etwa über eine mögliche Mitgliedschaft in der Wehrmacht, der SA oder SS.
Doch trotz des begrenzten Ausmaßes der Informationen war der Andrang auf die neue Onlinesuche zwischenzeitlich so groß, dass die Seite des US-Nationalarchivs nicht mehr zu erreichen war. Darüber berichtete beispielsweise der Bayerische Rundfunk.
Auch die Zeit hat den Datensatz inzwischen per Online-Suchtool zugänglich gemacht.
Suche über Bundesarchiv mit Einschränkungen
Die Suche nach der eigenen Familienvergangenheit ist auch in Deutschland möglich, allerdings gelten hier größere Einschränkungen. Schon seit 1994 sind die Dateien, die im US-Nationalarchiv hinterlegt sind, auch im Bundesarchiv in Berlin verfügbar. Zudem verfügt das Bundesarchiv auch über Informationen zu Mitgliedschaften in Parteigliederungen wie SS und SA, die im US-Archiv bislang nicht erhältlich sind.
Allerdings muss zur Einsicht in die Dateien und Dokumente beim Bundesarchiv ein Antrag mit Anfragen zu konkreten Personen gestellt werden. Außerdem gelten für die Herausgabe der Informationen Schutzfristen aufgrund von Persönlichkeitsrechten. Diese Rechte einzelner NSDAP-Mitglieder erlöschen beim Bundesarchiv erst zehn Jahre nach dem Tod einer Person oder 100 Jahre nach ihrer Geburt.

