In Kamerun spart Leo XIV. nicht mit Kritik an dem 93 Jahre alten Präsidenten. Der Papst betont, das Gesetz müsse Schutz bieten gegen die Willkür der Reichsten. Auch ein Konfliktgebiet besucht er.
Der Empfang hätte unterschiedlicher nicht sein können: Während der Besuch des Papstes in Algerien kaum für großes Aufsehen in der Bevölkerung gesorgt hatte, warten am Flughafen von Jaunde, der Hauptstadt Kameruns, bereits Hunderte, um dem Papst zuzujubeln.
Auch die Straße in die Innenstadt ist gesäumt von jubelnden Menschen und großen Plakaten: “Herzlich willkommen, Botschafter des Friedens!”, steht dort neben dem Konterfei des Papstes. Und in der Tat ist Leo XIV. auch in Kamerun auf Friedensmission, das wurde bereits bei seiner ersten Ansprache deutlich.
“Sicherheit ist eine Priorität, muss aber stets unter Achtung der Menschenrechte ausgeübt werden, in einer Verbindung von Strenge und Großzügigkeit, mit besonderem Augenmerk auf die Schwächsten”, so der Papst. Echter Frieden entstehe, wenn sich jeder sicher, verstanden und respektiert fühle, “wenn das Gesetz ein sicherer Schutzwall gegen die Willkür der Reichsten und Stärksten ist”.
Mahnende Worte in Richtung des Präsidenten
Eindringliche Worte, die wohl vor allem an den Langzeitpräsidenten Paul Biya gerichtet waren. Biya regiert seit 1982, erst im vergangenen Jahr sicherte er sich seine achte Amtszeit. Rund um die Wahl wurden Hunderte Menschen verhaftet.
Biya ist mit 93 Jahren der älteste Regierungschef der Welt. Für ihn ist es nicht der erste Papstbesuch, er hat bereits Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus empfangen. Nun forderte Papst Leo XIV. von der kamerunischen Regierung, sich um echten Frieden zu bemühen.
“Menschen sind ums Leben gekommen, Familien haben ihr Zuhause verloren, Kinder können nicht zur Schule gehen, junge Menschen sehen keine Zukunft für sich”, mahnte Leo XIV. “Hinter den Statistiken verbergen sich Gesichter, Geschichten und verletzte Hoffnungen. Angesichts solch dramatischer Situationen habe ich Anfang dieses Jahres die Menschheit dazu aufgerufen, der Logik der Gewalt und des Krieges eine Absage zu erteilen und einen Frieden anzustreben, der auf Liebe und Gerechtigkeit gründet.”
Zehn Jahre Bürgerkrieg in ehemals deutscher Kolonie
Ausführlich erinnerte der Pontifex an Spannungen und Gewalttaten, die in einigen Regionen Kameruns großes Leid verursachen. Im Norden des Landes kommt es immer wieder zu Angriffen islamistischer Terrorgruppen. Vor allem aber herrscht in dem ehemaligen deutschen Kolonialgebiet seit etwa zehn Jahren ein blutiger Konflikt zwischen der französischsprachig dominierten Regierung und Separatisten in den englischsprachigen Regionen.
Die Aufgabe des Staates sei hier Brücken zu bauen, anstatt weiter zu spalten, betonte der Papst. Ausdrücklich rief er dazu auf, die Zivilgesellschaft wie Vereine, Jugendorganisationen und Gewerkschaften einzubeziehen und Korruption im Land zu bekämpfen. “Damit Frieden und Gerechtigkeit sich durchsetzen können, müssen die Ketten der Korruption gesprengt werden, die die Obrigkeit in Verruf bringen und ihr ihre Autorität nehmen”, sagte Leo XIV.
Mit Spannung wird der heutige Besuch des Papstes in Bamenda erwartet. Die Stadt befindet sich mitten im Konfliktgebiet im Norden des Landes. Leo XIV. wird dort an einem Friedenstreffen teilnehmen. Verschiedenen Beobachtern zufolge könnte sein Besuch den Weg zu einem Friedensprozess ebnen.


