Regenwälder erholen sich Studie zufolge schneller als gedacht

Regenwälder erholen sich Studie zufolge schneller als gedacht

Stand: 14.04.2026 • 18:52 Uhr

Ein Forschungsprojekt in Ecuador zeigt: Neuer Regenwald auf ehemaligen Weiden und Plantagen kann schon nach 30 Jahren fast dieselbe Artenvielfalt haben wie Regenwaldreste in der Umgebung.

Im Nordwesten von Ecuador, dem Chocó, hat die Naturschutzorganisation Jocotoco große landwirtschaftliche Flächen aufgekauft. Dort untersucht sie, wie schnell sich auf ehemaligen Weiden und Plantagen wieder Regenwald ausbreitet.

An den Berghängen der Region wachsen bis heute unberührte, alte Regenwälder. Zusammen mit Weiden, Kakaoplantagen und aufgeforsteten, jungen Wäldern im Tal bilden sie ein kleinräumiges Mosaik. Die Voraussetzungen sind also gut, dass auf ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen wieder Regenwald wachsen kann. Ein internationales Forschungsteam hat beobachtet, wie Pflanzen und Tiere die nicht mehr bewirtschafteten Flächen besiedelten. “Es ist erstaunlich. Anfangs dachten wir, es wird länger dauern”, sagt der Tropenbiologe Sebastián Escobar von der Universidad de las Americas in Quito. “Aber zu wissen, dass 30 Jahre ausreichen, ermöglicht anderen Projekten einen Zeitplan.”

Das Ergebnis der gerade in der Fachzeitschrift Nature erschienenen Studie macht Mut, so ein Projekt überhaupt anzugehen. Nach 30 Jahren ähnelt die Zusammensetzung der Arten zu 75 Prozent der von alten Regenwäldern. Was jedoch fehlt, sind seltene und hochspezialisierte Arten. Denen fällt die Rückkehr aber umso leichter, je ähnlicher der neue Regenwald schon einem alten ist.

Tiere bringen Samen der neuen Bäume

Die ersten Bäume kehren auf verschiedenen Wegen zurück: Manche haben Samen, die lange im Boden überdauern können. Andere wie der Kapok-Baum haben leichte, flauschige Samen, die mit dem Wind davonfliegen. Die meisten Bäume haben große, saftige Früchte, die viele Tiere gern fressen. Wo später die unverdaulichen Kerne, also die Samen, landen, kann ein neuer Baum sprießen. “Es ist eine Win-win-Situation: Die Tiere haben nahrhaftes Futter, die Bäume können sich ausbreiten”, sagt Escobar. Fledermäuse legen besonders große Distanzen zurück, und auch Vögel, zum Beispiel Papageien, Schirmvögel und Tukane.

Alte und neue Bäume als Zwischenstation

Vögel finden auf Weiden oft alte, große Bäume als Sitzplatz, die dort bei der Rodung des ursprünglichen Regenwaldes stehengelassen wurden. Sie dienen als Schattenspender für die Weidetiere oder die Menschen, die auf den Flächen arbeiten. Auch die ehemaligen Kakaoplantagen bieten gute Bedingungen für Vögel und damit auch für Sämlinge von Regenwaldbäumen, denn die brauchen Schatten. “Der entscheidende Schritt bei diesem nachwachsenden Wald ist, dass sich die Kronenregion schließt”, erklärt Heike Feldhaar, Professorin für Tierökologie an der Universität Bayreuth. “Auf offenen Flächen haben wir viel größere Temperaturschwankungen, viel höhere maximale Temperaturen. Das halten viele Pflanzen oder auch Tiere nicht unbedingt aus.”

Solche Zwischenstationen sind besonders wichtig in Regionen, in denen der nächste alte Regenwald nicht nur ein, zwei Kilometer entfernt ist wie im Chocó. Dort könnte man sie von Menschenhand schaffen. “Schatten und Feuchtigkeit bieten auch schnell wachsende Bäume, denen die harschen Bedingungen auf landwirtschaftlichen Flächen nicht schaden”, erklärt Sebastián Escobar.

Kleine Wälder aus solchen Bäumen bieten schattenliebenden Regenwaldbäumen und ihren tierischen Helfern das passende Umfeld. “Das ist, womit wir hoffentlich mit dem Forschungsprojekt auch einen Beitrag leisten können”, sagt Heike Feldhaar. “Abschätzen lernen: Wann muss man pflanzen und wann geht es so?”

Tier-Pflanze-Netzwerke

Auch die intensive Beobachtung der Tiere im Forschungsgebiet kann zukünftigen Regenwald-Regenerations-Projekten eine Orientierung geben. “Für bodenlebende Insekten wie Ameisen haben wir Bodenfallen aufgestellt. Wir haben Laubstreu durchsucht, wir haben Totholz aufgehackt”, erzählt Heike Feldhaar.

Forschende haben Amphibien gesucht, Vögel mit dem Fernglas oder Tonaufnahmen erfasst und Wildkameras aufgestellt. “Was uns interessiert hat, sind sogenannte Interaktionsnetzwerke: Welches Tier besucht welche Pflanze und nimmt dort irgendeine Ressource mit, einen Samen oder eine Frucht. Das können Bestäuber sein, das können Samenausbreiter sein. Das können aber auch Pflanzenfresser sein, die irgendwie mit diesen Pflanzen in Kontakt stehen.”

Auch diese Netzwerke zu kennen, wird zukünftigen Projekten helfen, die besten Bedingungen für neue Regenwälder zu schaffen. Das Projekt im Chocó hat ihnen gezeigt: Wer heute ein solches Projekt beginnt, kann den Erfolg noch selbst beobachten. Denn mit dem passenden Umfeld entsteht in wenigen Jahrzehnten ein neuer Regenwald.

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