Reisen mit der Bahn ins Ausland sind beliebter geworden. Im Sommer will die Bahn das internationale Angebot ausbauen und verstärken, etwa auf der Strecke von Kopenhagen über Hamburg und Berlin nach Prag.
Mit dem Zug nach Paris, Amsterdam oder Zürich: Die Deutsche Bahn verzeichnet wachsende Fahrgastzahlen im Europaverkehr und will mit neuen Verbindungen noch mehr Kunden gewinnen.
“Im vergangenen Jahr waren 25 von rund 140 Millionen Kunden im Fernverkehr der Deutschen Bahn im grenzüberschreitenden Verkehr unterwegs”, sagte Fernverkehrsvorstand Michael Peterson – 30 Prozent mehr als 2019.
Toleranz für längere Zugfahrten gestiegen
Einige Ziele legten dabei 2025 besonders stark zu: So fuhren im Vergleich zum Vorjahr 27 Prozent mehr Menschen von München nach Zürich. Auch die Strecken von Frankfurt nach Paris und von Köln nach Brüssel nahmen mit 22 und 16 Prozent mehr Fahrgästen an Beliebtheit zu.
“Viele Menschen schätzen, dass die Züge direkt in die Innenstädte fahren, während man bei Flugreisen oft weit außerhalb landet”, sagt Peterson. Außerdem seien sie bereit, deutlich länger im Zug zu sitzen: Die Toleranz für Fernreisen per Bahn liege inzwischen bei sechs bis acht Stunden – 2019 waren es vier bis fünf Stunden.
Mehr Europa-Verbindungen kommen
Wegen der wachsenden Nachfrage will die Bahn ab Mitte Juni die Direktverbindung zwischen Kopenhagen und Prag über Hamburg und Berlin auf zwei tägliche Zugpaare erweitern. Auch an die belgische und französische Küste sind Direktverbindungen im Sommer geplant. Zudem soll erstmals der Brüsseler Flughafen angefahren werden.
Bis Reisende ohne Umstieg nach London kommen, würden hingegen noch einige Jahre vergehen, so Peterson. “Die Hürden für eine Direktverbindung sind nicht zu unterschätzen, auch weil Großbritannien nicht Teil des Schengenraums ist. Wir bräuchten daher ein Terminal mit abgegrenzten Sicherheitskontrollen.” Bahn und Eurostar arbeiten in einer Taskforce daran, aktuell ist ein Umstieg in Brüssel nötig.
Internationale Tickets buchen leichter
Das Europa-Geschäft der Bahn wurde auch dadurch angekurbelt, dass internationale Tickets direkt im Buchungsportal buchbar sind – Angebote von ÖBB, SBB, SNCF, Eurostar, Trenitalia, SJ sind bereits verfügbar, bald soll die niederländische Bahn NS dazu kommen.
Das zahlt sich aus: Die Ticketkäufe für Auslandsfahrkarten im Nah- und Fernverkehr haben um 75 Prozent zugenommen, seit diese direkt über die digitalen Vertriebskanäle der DB erhältlich sind.
Allgemein komme der Bahn zugute, dass mit dem Iran-Krieg Autofahren teurer geworden ist. “An einzelnen Tagen verzeichnen wir bis zu zehn Prozent mehr Nachfrage”, sagt Peterson. Um einen strukturellen Trend zu erkennen, sei es aber noch zu früh.
Im internationalen Verkehr sieht die Bahn Wachstumschancen – und Wachstum ist dringend nötig: Der Konzern schrieb 2025 einen Milliardenverlust. Auch bei DB Fernverkehr ist die Lage angespannt, an einem Sanierungsprogramm wird gearbeitet.

