Nur zehn Prozent der Menschen in Tschechien bekennen sich zur katholischen Kirche. Der Diebstahl einer Reliquie löste dennoch große Anteilnahme aus. Nun gibt es gute Nachrichten zu den Restaurationsarbeiten.
Noch ist geheim, wo sich der Schädel der Zdislava nun befindet und wer die wertvolle Reliquie restauriert – aus Sicherheitsgründen. Der Dominikaner-Pater Pavel Maria Mayer durfte sie als einer der Ersten nach ihrer Rettung sehen.
Wir waren bei den Experten und dank ihrer unermüdlichen Arbeit ist es gelungen, den Schädel aus seinem Betongefängnis zu befreien. Die Schädelknochen konnten so wiederhergestellt werden, wie sie vor der Schändung waren.
Mayer ist Beschützer des Grabes der Heiligen Zdislava und Rektor der Kirche, die an dieser Grabesstelle im Jahr 1252 errichtet wurde. Der nordböhmische Ort Jablonné v Podještědí – auf Deutsch Gabel – liegt rund 20 Kilometer südlich vom sächsischen Zittau. Vor einer Woche wurde der Schädel aus dem Reliquiar der Basilika gestohlen. Nicht nur der Bürgermeister Jiri Rydl äußerte sich entsetzt: “Die Heilige Zdislava ist für uns ein Symbol für die Verehrung der Familie und bestimmter Werte. Das ist ein schwerer Schlag in die Herzen aller Menschen vor Ort.”
Heiligsprechung durch Johannes Paul II.
Die böhmische Adelige gründete im 13. Jahrhundert mehrere Klöster und Krankenhäuser. Sie gilt als eine der wichtigsten Schutzheiligen Tschechiens. Seit Jahrhunderten wird sie verehrt. 1907 wurde sie selig gesprochen. 1995 sprach Papst Johannes Paul II. Zdislava heilig. Sie soll einen Mann aus dem klinischen Tod erweckt haben, nachdem dessen Angehörige zu ihr gebetet hatten.
In Jablonné ist die Hoffnung nun groß, dass der Schädel der Zdislava bis zu ihrer Wallfahrt am 30. Mai wieder vor Ort sein kann. Ob sie allerdings auch ausgestellt wird, ist noch offen. Wenn, dann nur hinter Panzerglas und elektronisch gesichert.
Reliquie in Beton gegossen
Der Schädel war aus einem Glasreliquiar gestohlen worden. Dies geschah während der Vorbereitungen für einen Gottesdienst, als die Alarmanlage routinemäßig ausgeschaltet war. Der Dieb muss das gewusst und ausgenutzt haben.
Über seinen Verteidiger entschuldigte sich der 35-Jährige: “Der Angeklagte hat schriftlich zugesichert, keine weiteren Straftaten zu begehen. Es tut ihm wirklich leid. Er war seit langem frustriert über die Art und Weise, wie mit den Gebeinen der Zdislava umgegangen wird.”
Der Mann goss die Reliquie in Beton und wollte sie in einer privaten Zeremonie in einem Fluss bestatten. Ihn störte, dass der Schädel der Schutzheiligen getrennt von ihrem Körper zur Schau gestellt wurde.
Die katholische Kirche teilte mit, dass dies bei Heiligen üblich sei. Reliquien der Zdislava befänden sich an mehr als 40 Orten – unter anderem im Vatikan. Der Raub sei keine edle Tat, sondern ein Sakrileg, so der neue Prager Erzbischof Stanislav Pribyl.
Große Anteilnahme in Tschechien
Der Raub einer heiligen Reliquie gilt sowohl als schwerer Diebstahl als auch als Störung der Religionsausübung. Dem Täter drohen acht Jahre Haft. Tagelang wurde in Tschechien ausführlich über jedes Detail berichtet.
Die kirchliche Geschichte ist zwar bedeutend. Inzwischen gilt das postkommunistische Land aber als eines der atheistischsten Europas. Nur 13 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zu einer Religionsgemeinschaft. Die größte ist mit Abstand die römisch-katholische Kirche mit rund 10 Prozent.
“Obwohl wir eine säkularisierte Gesellschaft sind, sieht man doch, dass ein Verlangen nach dem Geheimnisvollen, nach dem Magischen existiert”, sagt der Geschichtsprofessor Jaroslav Sebek. “Ich glaube, dass kein Historiker, kein Priester und kein Erzbischof so viel zur Popularisierung der katholischen Heiligen beigetragen hat, wie der Raub der Zdislava. Ihr Name und ihr Schicksal dürften in fast jeden Haushalt in Tschechien gelangt sein.”


