marktbericht
Die stockenden Verhandlungen zum Ende des Iran-Kriegs schlagen sich am Ölmarkt nieder. Seit eineinhalb Wochen steigen die Preise wieder. Derzeit bleiben den Marktteilnehmern nur vage Hoffnungen.
Die Nachrichten zum aktuellen Austausch zwischen dem Iran und den USA bleiben kryptisch. Offenbar spielt aber die Straße von Hormus darin eine entscheidende Rolle. Daher reagieren auch die Ölmärkte auf jede kleine Nachricht, die auf eine Bewegung in der verfahrenen Lage am Persischen Golf hindeutet.
Noch Mitte April hatte die Hoffnung auf diplomatische Fortschritte den Preis für die Ölsorte Brent deutlich unter 100 Dollar gedrückt. Seit eineinhalb Wochen ziehen die Notierungen aber wieder an. Mit über 111 Dollar pro Barrel kostete Brent-Öl heute Morgen wieder so viel wie vor drei Wochen. Auch die amerikanische Ölsorte WTI nähert sich wieder der Marke von 100 Dollar.
Damit liegen die Ölpreise rund 50 Prozent höher als vor Beginn des Krieges Ende Februar.
Pattsituation an der Meerenge
Marktteilnehmer zeigen sich ernüchtert über die stockenden Verhandlungen. “Die Gespräche über einen ‘Frieden’ wirken immer noch weitgehend oberflächlich, und es fehlen konkrete Beweise für eine Deeskalation”, schrieb Priyanka Sachdeva, Analystin bei Phillip Nova.
Am Wochenende hatte es keine greifbaren Fortschritte gegeben. Nach US-Medienberichten sieht US-Präsident Donald Trump Teherans jüngsten Vorschlag skeptisch. Dieser sehe eine Öffnung der Straße von Hormus und ein Ende des Kriegs vor – über das umstrittene iranische Atomprogramm solle dann erst im Anschluss verhandelt werden.
Damit hält die Pattsituation an der Meerenge an: Der Iran unterbricht die für den Handel wichtige Schifffahrt, und die USA halten an ihrer Blockade der iranischen Häfen fest. Zugleich gehen die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah im Südlibanon weiter.
“Historische Notlage droht”
Und während der Krieg in seinen dritten Monat geht, machen sich die Knappheiten zunehmend bemerkbar. Zuletzt mussten sechs iranische Öltanker wegen der US-Blockade umkehren. Vor dem Krieg durchquerten täglich zwischen 125 und 140 Schiffe die Meerenge.
Wegen der Lage am Persischen Golf drohe der Welt eine historische Notlage, warnte der Präsident der Eurogruppe, Kyriakos Pierrakakis. Die Eurogruppe ist das Gremium der Wirtschafts- und Finanzminister der EU-Staaten. “Wenn die Straße von Hormus nicht rasch wieder vollständig geöffnet wird, hat diese Krise das Potenzial, die größte Energiekrise überhaupt zu werden”, sagte Pierrakakis in Athen. Die Ausfälle bei Öl und Gas könnten größer sein als in früheren Krisen etwa in den 1970er Jahren oder nach Beginn des Ukraine-Kriegs. Besonders betroffen sei Asien, doch auch in Europa seien die Folgen bereits spürbar.
Sollte es hingegen neue Bewegung geben, könnten die Ölnotierungen auch rasch nach unten korrigieren. Überhaupt dürfte ein weiterer langfristiger Preisanstieg durch eine Reaktion der weltweiten Ölnachfrage gebremst werden.
DAX kippt ins Minus
Den Investoren bleibt also nur, an der Hoffnung auf Fortschritte festzuhalten. Aber auch an den Aktienmärkten ist die Geduld endlich. Der DAX, der am Mittag noch 0,2 Prozent im Plus gelegen hatte, ist mittlerweile um rund 0,5 Prozent ins Minus gerutscht.

