Was steht in der Akte über den NS-Arzt und Kriegsverbrecher Josef Mengele im Schweizer Bundesarchiv? Jahrelang kämpften Historiker erfolglos darum, Einsicht zu bekommen. Nun kam die Kehrtwende.
Marie-Christine Werner, SWR
Der Schweizer Nachrichtendienst des Bundes (NDB) gewährt Einsicht in das bisher unter Verschluss gehaltene Dossier des NS-Kriegsverbrechers Josef Mengele beim Schweizer Bundesarchiv. Das hat der NDB heute überraschend mitgeteilt.
Der Arzt des Konzentrationslagers Auschwitz, Mengele, war nach 1945 international gesuchter Kriegsverbrecher. Es gilt inzwischen als belegt, dass Mengele Mitte der 1950er Jahre aus dem argentinischen Exil unter falschem Namen Urlaub in der Schweiz machte. Fraglich ist, ob er sich noch Anfang der 1960er Jahre in Zürich aufhielt, wo seine Frau eine Wohnung gemietet hatte.
Möglicherweise brisantes Material
Was wussten die Schweizer Behörden davon? Es geht um brisantes Material, das möglicherweise im Dossier Mengele zu finden ist. Dass dieses Dossier künftig unter Auflagen einsehbar ist, ist der Hartnäckigkeit eines Historikers aus Bern zu verdanken. Sein Gesuch auf Einsicht hatte der Nachrichtendienst mit dem Verweis auf Quellenschutz zunächst abgelehnt.
Dagegen legte der Historiker beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein. Dem Gerichtsverfahren ist der NDB in Absprache mit dem Bundesarchiv mit seiner heutigen Erklärung zuvorgekommen. Der Zugang zum Mengele-Dossier werde unter noch zu definierenden Auflagen gewährt, heißt es, da das Dossier weiterhin schutzwürdige Informationen enthalte.

