SAP hat dank seiner Cloud-Sparte mit guten Zahlen überrascht. Zuletzt hatte Europas größter Softwarehersteller in der Tech-Branche an Bedeutung verloren – ähnlich wie Intel. Auch der Chiphersteller übertraf nun aber die Erwartungen.
SAP hat den Rückgang der Wachstumsraten in seiner wichtigen Cloud-Sparte vorerst gestoppt – und gewinnt dank der KI-Funktionen in den Programmen des Softwarekonzerns Marktanteile im Rennen der Tech-Konzerne. “Wir hatten trotz eines unsicheren Geschäftsumfelds einen guten Start ins Jahr”, sagte Christian Klein, Chef des Walldorfer Unternehmens. “Das macht uns für den Rest des Jahres zuversichtlich.”
Zwar sei SAP nicht komplett immun gegen die Verwerfungen durch den Nahost-Krieg. In der Vergangenheit hätten Kunden in unsicheren Zeiten jedoch verstärkt auf die Produkte des Konzerns gesetzt, um ihre Geschäftsabläufe widerstandsfähiger zu machen.
Wachstum im zweiten Quartal wohl schwächer
Im ersten Quartal lief es für SAP besser als gedacht. Insgesamt wuchs der Umsatz des Konzerns im Jahresvergleich um sechs Prozent auf knapp 9,6 Milliarden Euro. Treiber waren die Erlöse mit Cloudsoftware, die um 19 Prozent stiegen. Der Auftragsbestand der Sparte habe um ein Viertel auf 21,93 Milliarden Euro zugelegt. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) wuchs um 17 Prozent auf fast 2,9 Milliarden Euro.
Unter dem Strich stand ein Gewinn von 1,9 Milliarden Euro, ein Anstieg um acht Prozent. Allerdings machte das Management im Quartalsbericht deutlich, dass die positive Entwicklung vom Jahresbeginn nicht ohne Weiteres anhalten dürfte. So werde sich das Wachstum der Cloud-Erlöse im zweiten Quartal voraussichtlich abschwächen. Zudem habe das bereinigte operative Ergebnis im ersten Jahresviertel von einem Rückgang der Kosten für anteilsbasierte Vergütungen profitiert.
Für das Gesamtjahr 2026 peilt das DAX-Schwergewicht trotzdem weiterhin Cloud-Erlöse zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro an. Das wäre ein Wachstum von 23 bis 25 Prozent. Das Betriebsergebnis werde voraussichtlich um zwölf bis 13 Prozent auf 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro steigen. Dieser Ausblick basiere auf der Annahme einer raschen Lösung für den Nahost-Konflikt, sagte SAP-Finanzchef Dominik Asam. Ein länger anhaltender Iran-Krieg könnte die Weltwirtschaft und damit auch die Bilanz seines Unternehmens beeinträchtigen.
Anleger mit Blick auf KI-Konkurrenz beruhigt
Die guten Resultate dürften die Anlegerinnen und Anleger etwas beruhigen. Sowohl beim Cloudumsatz als auch beim operativen Ergebnis schnitt SAP besser ab als von Analysten im Schnitt erwartet. Das Unternehmen ist mit einem Abschlag von rund einem Drittel seines Börsenwerts mit Abstand schwächster DAX-Wert 2026. Am Donnerstag näherten sich die Aktien im Vorfeld der Bilanzvorlage mit einem Minus von sechs Prozent noch ihrem Jahrestief. Zu Handelsbeginn erholen sie sich heute um mehr als fünf Prozent.
Im vorherigen Quartal hatte der Konzern noch mit einem verlangsamten Cloud-Wachstum enttäuscht und für 2026 einen gebremsten Anstieg der Auftragseingänge vorhergesagt. Zudem leidet die Branche unter Spekulationen über eine geringere Nachfrage durch den Siegeszug der KI. Vor allem das US-Start-up Anthropic sorgte wiederholt mit der Veröffentlichung von Zusatzmodulen für seine KI “Claude” für Unruhe. Diese schürten Ängste, dass klassische Firmensoftware langfristig überflüssig werden könnte.
Chiphersteller Intel mit Gewinnsprung
Im Wettbewerb der Tech-Konzerne im KI-Boom hat derweil auch Intel ein Ausrufezeichen gesetzt. Ein wachsender Bedarf an Computerchips für Rechenzentren hat dem US-Chiphersteller zu einem überraschend starken Quartalsergebnis verholfen. “Zentralprozessoren erleben eine Renaissance”, so Finanzchef David Zinsner im Reuters-Interview. “Wir beginnen, von den aktuellen Investitionen in KI in nennenswertem Umfang zu profitieren.”
Im vergangenen Quartal habe man sogar zuvor abgeschriebene Lagerbestände noch verkaufen können, sagte Zinsner dem US-Sender CNBC. Auch habe Intel Preissteigerungen durchsetzen können. Als Folge stieg der Quartalsumsatz im Jahresvergleich um sieben Prozent auf 13,6 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 12,4 Milliarden Dollar gerechnet. Beim bereinigten Gewinn pro Aktie erreichte Intel 0,29 Dollar – weit über der Prognose von 0,01 Dollar. Unter dem Strich gab es allerdings einen Verlust von 4,28 Milliarden Dollar nach roten Zahlen von 887 Millionen Dollar im Vorjahr.
Die Aktie stieg im nachbörslichen US-Handel um 13 Prozent. Intel investiert gerade in großem Stil in neue Produktionsprozesse, die den einstigen Marktführer aus der Krise bringen sollen. Staaten und Unternehmen investieren jährlich hohe dreistellige Milliardenbeträge in den Bau von KI-Rechenzentren. Dort kommen nicht nur spezielle Hochleistungschips von Anbietern wie Nvidia zum Einsatz, sondern auch traditionelle Server mit Zentralprozessoren – bei denen Intel zu den führenden Anbietern gehört.
Konzern will aufholen
Zentralprozessoren koordinieren die Arbeit der KI-Halbleiter. Zudem sind sie besser für die Nutzung sogenannter KI-Agenten geeignet, die Aufgaben weitgehend selbständig erledigen. Das künftige Wachstum Intel hängt davon ab, ob die Produkte in ausreichender Stückzahl auf den Markt gebracht werden können. Das Produktionsverfahren “18A” hat mit technischen Problemen und Verzögerungen zu kämpfen. Die Fertigungssparte des einst weltgrößten Halbleiter-Herstellers schreibt aktuell Milliardenverluste.
Gleichzeitig will Intel-Chef Lip-Bu Tan beim lange vernachlässigten Geschäft mit Grafikprozessoren für Rechenzentren Boden gutmachen. Diese Chips wurden ursprünglich für Videospiele entwickelt. Inzwischen kommen sie jedoch bevorzugt bei KI zum Einsatz, da sie im Gegensatz zu Zentralprozessoren zahlreiche Daten parallel verarbeiten können.
Um dem Weltmarktführer Nvidia Konkurrenz zu machen, warb Intel einen Grafikchip-Spezialisten vom Wettbewerber Qualcomm ab. Zudem beteiligt sich der US-Konzern an einer Chipfabrik, in der KI-Prozessoren für den Elektroautobauer Tesla und die Raumfahrtfirma SpaceX produziert werden sollen. Tesla ist der erste große Abnehmer für Intels kommende Chipgeneration, die mithilfe des Verfahrens “14A” gefertigt wird.

