Flugausfälle, teures Benzin und steigende Inflationszahlen: Die Folgen des Iran-Kriegs treffen die Reisebranche hart. Mehr als die Hälfte der Reisebüros und Veranstalter beklagt eine schwache Nachfrage.
Die angeschlagene Stimmung in der Reisebranche spitzt sich weiter zu. Wegen des Iran-Krieges, zahlreichen Reisewarnungen und deutlich gestiegenen Kosten halten sich die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher zurück und zögern massiv beim Buchen. Der Geschäftsklima-Index des Münchener ifo Instituts für die Branche verschlechterte sich im April gegenüber dem Vormonat noch einmal und rutschte auf einen historischen Tiefstand ab.
Mehr als die Hälfte der deutschen Reisebüros und Veranstalter erleben eine deutlich schwäche Nachfrage. Während sich die Lage damit verschlechtert hat, haben sich die Aussichten leicht verbessert. “Ein positives Signal sind die Ende April aufgehobenen Reisewarnungen für wichtige Flugreise-Transitländer im Nahen Osten”, sagt Patrick Höppner vom ifo Institut. Für eine Entwarnung sei es allerdings noch zu früh.
TUI-Aktie legt leicht zu
Tatsächlich haben die Deutschen, die weiterhin als Reiseweltmeister gelten, beim Urlaub auf die Bremse getreten. Rund die Hälfte aller, die in diesem Jahr verreisen wollen, haben noch nicht gebucht. Dies ermittelte die TUI, weltweit der größte Reiseveranstalter.
Vielen sei die geopolitische Lage zu unsicher. Andere fürchteten Flugausfälle und hohe Ticketpreise, vor allem, wenn es doch zu Engpässen beim Kerosin komme. Hinzu kämen die deutlich gestiegenen Reisekosten und die Sorge vor einem generellen Inflationsschub, der das Budget belaste.
Die TUI-Aktie legte am Morgen zunächst um mehr als zwei Prozent zu, drehte später allerdings ins Minus und kehrte dann in die Gewinnzone zurück. Am frühen Nachmittag steigt das Papier um rund 0,6 Prozent und gehört zu den Gewinnern im MDAX. Auch der gesamte deutsche Aktienmarkt kann sich heute erholen. Der deutsche Leitindex DAX legt um etwa 0,9 Prozent zu auf 24.163 Punkte.
Iran-Krieg belastet mit 40 Millionen Euro
Wie andere Aktien aus dem Reise- und Luftfahrtbereich hat das TUI-Papier seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar deutlich an Wert verloren. Aktuell wird sie rund 28 Prozent günstiger gehandelt als noch zum Jahreswechsel.
Denn für die Reisebranche, die sich nach der schweren Corona-Krise nur so einigermaßen berappelt hatte, hätte es kaum schlimmer kommen können. Denn die Kosten explodieren an allen Ecken und Enden. Allein die TUI beziffert die Belastungen des Iran-Krieges auf rund 40 Millionen Euro.
Aber auch der Hurrikan Melissa, der große Teile Jamaikas verwüstete und damit auch das gesamte Karibik-Geschäft zu Beginn der dortigen Hochsaison belastete, schlägt mit fünf Millionen Euro zu Buche. Der Reisekonzern aus Hannover, der heute Halbjahreszahlen vorlegte, hatte schon vor einiger Zeit seine Jahresprognose deutlich gesenkt.
Umstiegsverbindungen fallen weg
Getroffen wird die Branche gleich an mehreren Stellen: Zum einen hat das Südostasien-Geschäft einen schweren Dämpfer erhalten, weil die beliebten Umstiegsverbindungen über Dubai, Abu Dhabi und Katar gemieden werden. Die arabischen Airlines nahmen rund 3,1 Millionen Sitzplätze aus dem Markt, was die Ticketpreise auch noch anziehen ließ.Denn damit fehlen laut Berechnungen des Wirtschaftsmagazins Investmentweek allein auf dem deutschen Markt täglich 5.000 Sitzplätze.
Außerdem verteuern explodierende Energiepreise in beliebten Urlaubsländern wie Thailand oder Vietnam den Aufenthalt. Denn in diesen Ländern sind nicht nur die Preise gestiegen – Rohöl fehlt auch physisch, weil es direkt aus Ländern rund um den Persischen Golf bezogen wird.
Zum zweiten melden beliebte Urlaubsländer am östlichen Mittelmeer und rund um das Rote Meer schwere Einbußen. In Ägypten etwa sind die Buchungen teilweise um bis zu 60 Prozent unter Vorjahresniveau, beziffern Tourismusverbände die Verluste. Aber auch bei Reisen in die Türkei oder nach Zypern gibt es große Zurückhaltung bei Verbraucherinnen und Verbrauchern.
Festsitzende Urlauber und lange Reisezeiten
Besonders getroffen ist auch die Kreuzfahrtindustrie. Rund 15.000 Reisende hingen zu Beginn des Krieges auf sechs großen Schiffen in den Häfen der Region fest. TUI Cruises, die zwei Schiffe der “Mein Schiff” im Krisengebiet hatte und Tausende Urlauber ausfliegen musste, bezifferte die Kosten allein in diesem Bereich auf rund 20 Millionen Euro.
Auch der Branchenriese MSC charterte sieben Flugzeuge, um die Gäste ihres Flaggschiffes “MSC Euribia” in Sicherheit zu bringen. Die beliebte Reederei stornierte Tausende Buchungen für die folgenden nicht durchführbaren Reisen.
Nur mit Mühe konnten die Schiffe während einer Feuerpause vor wenigen Wochen die Straße von Hormus passieren, nachdem auch große Teile des Personals evakuiert worden waren. Lange Reisezeiten rund um die Südspitze Afrikas, Routenänderungen und steigende Treibstoffkosten verhageln das Geschäft weiter.
Sommerurlaub nicht in Gefahr
Doch es gibt auch Profiteure der Entwicklung: Beliebte und sichere Reisedestinationen wie die Balearen, Kanaren und Festland-Spanien, aber auch Portugal und Südfrankreich erwarten in diesem Jahr Rekordbuchungen. Sie setzen darauf, dass die Kunden sich kurzfristig noch entscheiden.
Auch die deutsche Hotellerie rüstet sich auf einen Ansturm. “Für die Branche bedeutet das einen erheblichen Mehraufwand – sowohl für Reiseveranstalter wie auch für Reisebüros”, sagt Thorsten Schäfer vom Deutschen Reisebüroverband (DRV).
Doch er versucht auch Optimismus zu verbreiten. Der Wunsch nach Urlaub der Deutschen sei grundsätzlich nicht beeinträchtigt. Es gäbe auch genug Ausweichmöglichkeiten: “Die Versorgungslage ist stabil, ein Kerosinmangel in Deutschland besteht nicht”, betont Schäfer: “Der Sommerurlaub 2026 ist nicht in Gefahr.”
Mit Informationen von Klaus-Rainer Jackisch, ARD-Finanzredaktion.

