Proteste gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE machten zuletzt vor allem aus Minneapolis Schlagzeilen. Nun nahmen Bundesagenten dort bei Razzien auch mehrere Kinder fest – darunter einen fünfjährigen Jungen.
US-Einwanderungsbehörden haben unter Präsident Donald Trump zuletzt ihr Vorgehen gegen illegale Migration massiv verschärft. Im Großraum Minneapolis haben ICE-Agenten dabei zuletzt auch vier Kinder in Gewahrsam genommen. Dies teilten Vertreter der Stadt und des Schulbezirks mit, die das aggressive Vorgehen der Behörden kritisieren.
Zuletzt war demnach am Dienstag sogar ein Fünfjähriger von den Razzien betroffen. Der Junge habe mit ansehen müssen, wie die ICE-Mitarbeiter seinen Vater festnahmen, sagte die Stadträtin Rachel James. Die Beamten hätten den Jungen dabei als Köder benutzt und an der Haustür klopfen lassen. “Er weinte nicht, aber er sah so verängstigt aus”, sagte James, die mit vor Ort war. Der Junge sei wie erstarrt und gelähmt gewesen.
Asylverfahren der Familie läuft noch
Die Sprecherin des US-Heimatschutzministeriums, Tricia McLaughlin, rechtfertigte das Vorgehen der ICE-Beamten. ICE habe es nicht auf das Kind abgesehen, sondern den aus Ecuador stammenden Vater festgenommen, der sich illegal in den USA aufhalte. Er sei außerdem zu Fuß geflohen und habe “sein Kind zurückgelassen”. Kind und Vater befänden sich nun zusammen in einer Hafteinrichtung im texanischen Dilley, hieß es.
Die Schulrätin des Bezirks, Zena Stenvik, widersprach dieser Darstellung. Die Familie habe ein laufendes Asylverfahren und es liege kein Abschiebebefehl vor. “Warum nimmt man einen Fünfjährigen fest?”, fragte sie auf einer Pressekonferenz. “Niemand kann mir sagen, dass dieses Kind als gewalttätiger Krimineller eingestuft wird.”
Kinder bleiben Schule aus Angst fern
Der Fünfjährige war laut der Schulrätin bereits das vierte Kind in Columbia Heights, das in den vergangenen Wochen von ICE-Beamten festgesetzt wurde. Ebenfalls am Dienstag sei demnach ein 17-Jähriger auf dem Weg zur Schule festgenommen worden. Auch ein zehnjähriges Kind und ein weiterer 17-Jähriger seien abgeführt worden.
Das verschärfte Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde wirkt sich offenbar auch auf den Schulbetrieb selbst aus. Die Anwesenheit im Unterricht sei in den vergangenen zwei Wochen zurückgegangen, sagte Schulrätin Stenvik. Mitunter sei ein Drittel der Schülerinnen und Schüler nicht zum Unterricht gekommen. Im Bezirk von Columbia Heights stammten demnach die meisten der schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen aus Migrantenfamilien.
Frau bei ICE-Einsatz erschossen
Das harte Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde hatte in der Region zuletzt zu heftigen Protesten geführt. US-Präsident Trump hatte zuletzt in den von Demokraten regierten Bundesstaat Minnesota Tausende US-Beamte geschickt, um seine Pläne zur Abschiebung illegaler Einwanderer umzusetzen. Anfang Januar wurde bei einem Einsatz in Minneapolis eine 37-jährige US-Bürgerin in ihrem Auto von einem ICE-Agenten erschossen. Der Vorfall löste auch in vielen anderen US-Städten Entsetzen und Proteste aus.

