USB-C-Pflicht für Laptops: Nicht jedes Kabel kann alles

USB-C-Pflicht für Laptops: Nicht jedes Kabel kann alles

Stand: 28.04.2026 • 06:11 Uhr

Mit der USB-C-Ladepflicht will die EU dem Kabelsalat ein Ende setzen. Die gilt bereits seit mehr als einem Jahr für Smartphones und Co. – ab heute auch für Laptops. Ein paar Tücken gibt es aber weiterhin.

Den Kabelsalat für das Laden all unserer elektronischen Geräte verkleinern – das will die EU mit der USB-C-Ladepflicht erreichen. Schon seit Ende 2024 müssen alle neu gekauften Handys, Tablets, Kameras, tragbare Lautsprecher, Kopfhörer etc. per USB-C-Anschluss geladen werden können. Seit heute gilt diese Pflicht auch für Laptops.

Einen USB-C-Anschluss hatte ohnehin auch bisher schon fast jedes dieser Geräte, um externe Festplatten oder Bildschirme anzuschließen. Das Netzteil aber hatte meist einen anderen Stecker. Damit ist jetzt Schluss: Auch Laptops müssen per USB-C geladen werden können.

Doch der Teufel steckt im Detail, in diesem Fall im Inneren des von außen unscheinbaren Kabels. In jedem USB-C-Stecker verbergen sich 24 Kontakte, weshalb ein Kabel bis zu 24 Adern für unterschiedliche Funktionen haben kann – aber nicht muss.

Nur laden oder nur Daten übertragen?

“Wenn das Kabel eben rein von Herstellerseite nur laden können muss, dann kann er deutlich weniger Adern verwenden. Und wenn er dann auch noch in einem niedrigen Strombereich ist, dann kann er auch deutlich dünnere Adern verwenden”, erklärt Florian Hockel vom TÜV Süd. “Und das macht das Ganze etwas komplizierter, weil man dem Kabel dann von außen nicht sofort ansieht: Was kann das Kabel tatsächlich leisten?”

Hockel weist darauf hin, dass manche Kabel nur laden, andere nur Daten übertragen können. Es gilt also beim Kauf genau hinzuschauen, ob das Kabel wirklich für beides taugt. Aber auch dann gibt es Unterschiede: Je dicker die einzelnen Adern, umso mehr Strom kann in kurzer Zeit fließen. Heißt umgekehrt: Je dünner die Kabel, umso länger dauert das Laden oder die Datenübertragung.

“Wenn ich das Kabel sehr einfach gestalten kann, weil es eben nur laden können muss, dann kann ich die Kosten natürlich deutlich reduzieren”, sagt Hockel. “Und dann ist es sowohl für den Hersteller als auch für den Kunden – wenn der Kunde weiß, was er möchte – einfacher und günstiger.”

Kennzeichnen statt Kabelsalat

Dünnere und flexiblere Kabel sind auf Reisen mitunter praktisch, auch wenn sie nur eingeschränkt funktionieren. Wer mehrere, vielleicht auch ältere, USB-C-Kabel zu Hause hat, muss allerdings aufpassen, welches er benutzt.

Christof Windeck vom Computermagazin c’t empfiehlt deshalb, den heimischen Kabelsalat zu kennzeichnen. “Wenn ein Kabel gut mit den Geräten funktioniert, dass man sich da vielleicht ein kleines Etikett dran klebt – wenn man sich das nicht merken kann – dass das das gute Kabel ist, mit dem alles funktioniert hat. Sonst kommt man aus dem Kabelgewürstel leider nicht raus.”

Auch nicht jedes Netzteil funktioniert

Das Kabel allein bringt natürlich wenig. Ohne Netzteil läuft nichts – und auch da ist wichtig, welches in der Steckdose steckt. Viele haben noch ältere Modelle zu Hause liegen, weil früher jedem Handy Kabel und Netzteil beilagen. Lange lieferten diese Ladegeräte aber nur fünf Volt Spannung aus.

“Wenn ich so ein ganz einfaches, ganz kleines USB-C-Netzteil habe, lagen früher dem iPhone bei, die haben zu wenig Leistung. Und da fängt das Notebook dann gar nicht erst mit dem Laden an”, erklärt Windeck. Im Grunde braucht es vor allem eine gewisse Spannung, aber die können eben erst die stärkeren Netzteile. Und deswegen ist es eben leider nicht so, dass man mit jedem beliebigen Netzteil und auch nicht mit jedem beliebigen Kabel jedes beliebige Gerät laden kann.”

Fürs Notebook sollte das Netzteil mindestens 65 Watt Leistung schaffen. Sehr schnelle Gaming-Computer verlangen sogar 100 Watt. Solche Netzteile erkennt man daran, dass sie etwas größer sind als die früheren vom Handy. Wichtig: Auch die Netzteile müssen einen USB-C-Anschluss haben – der einst gängige viereckige USB-A-Anschluss reicht nicht mehr.

Stromfluss passt sich an

Die gute Nachricht: Mit dem stärkeren Netzteil dürfen umgekehrt aber auch die kleineren Akkus der Handys geladen werden. “Tatsächlich handeln die beiden Geräte miteinander aus, was die optimale Ladespannung ist. Und auch der Strom kann sogar begrenzt werden, aber der Strom stellt sich normalerweise automatisch ein”, so Windeck. “Das heißt also, am Anfang bei sehr leerem Akku fließt zum Beispiel ein stärkerer Strom und wenn ich dann mal über 80 Prozent bin, dann ist der Strom noch schwächer.”

Experten gehen davon aus, dass der USB-C-Standard sich nicht so schnell wieder ändern wird. TÜV-Fachmann Hockel weist aber darauf hin, dass die Entwicklung natürlich weiter geht. “Der Stecker wird jetzt die nächsten Jahre ziemlich sicher gleich bleiben. Und was dann mitwächst mit der ganzen Technologie, sind dann die Fähigkeiten, die über die verschiedenen Adern und Pins dieser Stecker drüber gejagt werden können.”

Heißt also: Ein neues USB-C-Kabel könnte durchaus immer mal wieder nötig werden.

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