Der Rechtsruck in Südamerika setzt sich fort: In Kolumbien gewinnt mit de la Espriella ein weiterer rechtsgerichteter Politiker die Präsidentschaftswahl. Der linke Kandidat Cepeda räumte seine Niederlage ein.
Drei Tage nach der Stichwahl um die Präsidentschaft in Kolumbien hat sich der linke Kandidat Iván Cepeda geschlagen gegeben. “Ich habe beschlossen, das Ergebnis anzuerkennen”, sagte Cepeda bei einer Pressekonferenz. “Ich tue dies als Akt demokratischer Verantwortung, um Verständigung und ein friedliches Zusammenleben der Kolumbianer zu ermöglichen.”
Er und seine Anhänger wollten eine demokratische, wachsame und konstruktive Opposition gegen den rechten Wahlsieger Abelardo de la Espriella bilden. Bei der ersten Schnellauszählung am Sonntag hatte de la Espriella rund 250.000 Stimmen oder 0,94 Prozentpunkte vor dem Senator und Menschenrechtler Cepeda gelegen.
Der scheidende linke Präsident Gustavo Petro und Cepeda akzeptierten den Wahlausgang zunächst nicht. Cepeda erklärte, sein Wahlkampfteam werde die Ergebnisse von mehr als 30.000 Wahllokalen anfechten und das Resultat nicht anerkennen, bis eine Nachzählung abgeschlossen sei. Petro hatte schon nach der ersten Wahlrunde von Betrug gesprochen.
Wahlbeobachter stellen keine Unregelmäßigkeiten fest
Eine EU-Beobachtergruppe nannte die Auszählung dagegen transparent und effizient. Am Dienstag hatte die EU-Wahlbeobachtungsmission keine Beanstandungen. Die Auszählung der Stimmen sei “praktisch abgeschlossen”, sagte ihr Leiter Esteban González. Man habe dabei keine Unregelmäßigkeiten festgestellt.
Mit dem Wahlsieg de la Espriellas setzt sich ein Rechtsruck in Südamerika fort. So kamen zuletzt unter anderem in Ecuador, Bolivien, Costa Rica, Honduras und Chile rechtsliberale bis ultrarechte Präsidenten an die Macht, zum Teil mit Unterstützung der US-Regierung. Auch in Peru, wo am 7. Juni eine Stichwahl stattgefunden hatte und seither ausgezählt wurde, liegt nach jüngsten Angaben der Wahlbehörde die rechtskonservative Präsidentschaftskandidatin Keiko Fujimori uneinholbar vorn.

