Was ist die Polizeiliche Kriminalstatistik?

Was ist die Polizeiliche Kriminalstatistik?


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Stand: 20.04.2026 • 10:35 Uhr

Die Polizeiliche Kriminalstatistik gibt einen Überblick über die Entwicklung von Straftaten, die der Polizei bekannt werden. Welche Daten liefert sie genau und was muss man bei der Interpretation bedenken?

Bianca Schwarz

Die PKS, die Polizeiliche Kriminalstatistik, bildet Hellfeldkriminalität ab – also Fälle, die angezeigt oder entdeckt und dann polizeilich bearbeitet wurden. Dabei schlüsselt sie die Taten zum Beispiel nach Deliktarten auf, über die Tatverdächtigen verrät sie Alter, Geschlecht oder Staatsangehörigkeit.

Wichtig ist dabei: Die PKS ist keine Verurteiltenstatistik, sie weist Tatverdächtige aus, nicht rechtskräftig verurteilte Täter. Das heißt, ein Tatverdacht kann sich später vor Gericht nicht bestätigen, Verfahren können eingestellt werden, Freisprüche sind möglich. Außerdem gibt es Mehrfachzählungen, weil manche Verfahren sich über Jahresgrenzen verschieben.

Weil die Polizeiliche Kriminalstatistik eine Hellfeldstatistik ist, lassen sich Aussagen über die tatsächliche Kriminalität in Deutschland nur eingeschränkt ableiten. Je nach Deliktart sind die Unterschiede im Anzeigeverhalten riesig. Ladendiebstahl ist beispielsweise sehr sichtbar, bei häuslicher oder sexueller Gewalt hingegen gibt es ein starkes Dunkelfeld, viele Fälle werden nie bekannt und fließen dann auch nicht ein in die PKS.

Herkunft der Tatverdächtigen

Und auch bei Aussagen über die Herkunft von Tatverdächtigen gilt es, einige äußere Umstände zu beachten. Die PKS schlüsselt auf nach deutschen und nicht-deutschen Tatverdächtigen. “Nicht-deutsch” ist aber eine statistisch eher grobe Kategorie, denn darin stecken sehr unterschiedliche Gruppen. Es kann sowohl um Menschen gehen, die seit Jahrzehnten in Deutschland leben, aber keinen deutschen Pass haben – als auch um Touristen, Studierende oder Berufspendler.

Ebenfalls zu bedenken ist, dass bestimmte nicht-deutsche Gruppen häufiger polizeilich kontrolliert und angezeigt werden -und deswegen auch häufiger in der Statistik auftauchen. Außerdem sind Nicht-Deutsche im Schnitt jünger, zu ihnen gehören oft mehr Männer als Frauen, was auch unter Deutschen eine Gruppe mit generell höherer Kriminalitätsbelastung ist. Auch weitere Faktoren, die Kriminalität begünstigen, treffen auf Nicht-Deutsche häufiger zu als auf Deutsche – dazu zählen etwa soziale Aspekte wie Armut, prekäre Wohnsituationen, Perspektivlosigkeit oder Traumatisierung.

Die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik ist also ein durchaus geeignetes Instrument, um bekannte Fälle abzubilden. Sie liefert aber keine hundertprozentigen Aussagen über die tatsächliche Kriminalität in Deutschland.

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