Die Washington Post ist eine der renommiertesten US-Zeitungen. Nun entlässt sie mehr als ein Drittel ihrer Journalisten. 2013 hatte Amazon-Gründer Bezos die Zeitung gekauft und zuletzt den Kurs deutlich verändert.
Es fühle sich so an, als habe es im vergangenen Jahr ein Begräbnis nach dem anderen gegeben: Entlassungen, Abfindungen, Kündigungen. So beschreibt Sally Quinn, langjährige Kolumnistin der Zeitung, die aktuelle Lage. “Es ist einfach tragisch, was mit der Washington Post passiert”, sagt sie.
Bei dem Traditionsblatt kriselt es seit Jahren. Doch nun kündigte die Washington Post an, dass ein Drittel der Belegschaft entlassen wird.
Entlassungen werden sichtbare Folgen haben
Laut Medienberichten wird unter anderem die komplette Sportredaktion sowie die Literaturberichterstattung abgeschafft. Außerdem wird der wichtigste Podcast der Zeitung, “Post Reports”, eingestellt. Aber auch die Auslandsstudios sind betroffen, sagt David Folkenflik, Medienexperte beim Radiosender NPR. So wurde der gesamten Nahost-Redaktion gekündigt.
Viele Korrespondenten haben ihre Entlassung in den sozialen Netzwerken bekannt gemacht. “Die Leiterin des Ukraine‑Büros hat soeben bekannt gegeben, dass sie entlassen wurde. Auch die andere dort beschäftigte Korrespondentin hat erklärt, dass sie heute entlassen wurde – während sie sich in einer Kriegszone befindet”, so Folkenflik.
Der geschäftsführende Chefredakteur, Matt Murray, sprach in einer Mitteilung an die insgesamt rund 800 Journalisten der Zeitung von schmerzhaften Einschnitten, die ermöglichen sollen, die Zukunft des Blattes zu sichern.
Oberste Liga der US-Presse
Die Washington Post gehört zur obersten Liga der US-Presse. Sie hat die “Pentagon-Papers” veröffentlicht und den Watergate-Skandal aufgedeckt. Veröffentlichungen, die so brisant waren, dass sie einen US-Präsidenten zu Fall brachten. Ihre Reporter haben zahlreiche Pulitzer-Preise bekommen.
2013 hatte Amazon-Chef Jeff Bezos die finanziell angeschlagene Zeitung von der Meyer-Graham-Familie gekauft. Die hatte sich für ihn entschieden, weil sie hoffte, dass er mit seinem Geld und seinen Innovationen das Blatt retten würde, sagt Folkenflik.
Es war eine Rechnung, die zunächst aufging. Bezos investierte viel in die Redaktion und stärkte die digitale Ausrichtung: “Während der ersten Amtszeit Trumps gab es eine unglaublich starke Nachrichtenberichterstattung”, so Folkenflik. “Democracy dies in darkness” habe als Motto direkt oben auf der Zeitung geprangt – “Demokratie stirbt im Dunkeln”. “Und Bezos schien es zu genießen.”
Politische Neuausrichtung
Aber nach dem Ende von Trumps erster Amtszeit sanken die Zahl von Abonnements und die Werbeeinnahmen. Die Washington Post habe vier Jahre in Folge Dutzende Millionen Verluste gemacht, so Folkenflik. Und die wollte Bezos nun wohl nicht mehr hinnehmen.
Kolumnistin Sally Quinn sieht den Grund für die gesunkenen Abos allerdings auch in der veränderten politischen Linie des Blattes. Bei der Präsidentenwahl 2024 hatte die Washington Post nämlich erstmals keine Wahlempfehlung für die demokratische Kandidatin Kamala Harris abgegeben.
300.000 Menschen hätten ihre Abonnements gekündigt, nachdem Bezos die Harris-Wahlempfehlung von der Editorial‑Seite zurückgezogen hatte, erklärt Quinn. “Und danach – als sich die Editorial‑Seite deutlich konservativer ausrichtete – sind immer mehr Menschen abgesprungen. Das ist eine enorme Summe an Geld, die wir verloren haben.”
Nach dem Wahlerfolg von Donald Trump Ende 2024 war Jeff Bezos einer jener Tech-Milliardäre, die an Trumps erneuter Amtseinführung teilnahmen.


