Während die Rettungsarbeiten nach den schweren Erdbeben in Venezuela andauern, hat es dort mehrere Nachbeben gegeben. Mindestens 50.000 Menschen gelten als vermisst. Inzwischen sind erste Hilfskräfte aus dem Ausland eingetroffen.
Mindestens zwei schwerere Nachbeben haben in der Nacht die Nordküste Venezuelas erschüttert. Die Erdstöße hatten eine Stärke von 4,7 bis 4,9, wie die US-Behörde United States Geological Survey (USGS) sowie das europäische Erdbebenzentrum EMSC mitteilten.
Menschen berichteten der Nachrichtenagentur Reuters, sie hätten ein Beben unter anderem in der Hauptstadt Caracas und der nahe gelegenen Stadt Maracay gespürt. Insgesamt wurden bereits mehr als 200 Nachbeben gezählt.
Frustration über die schleppende Hilfe
Am Mittwochabend hatten zwei schwere Erdbeben Teile des Landes verwüstet. Dabei kamen nach Regierungsangaben fast 1.000 Menschen ums Leben, mindestens 3.360 weitere wurden verletzt. Zudem gelten mehr als 50.000 Personen als vermisst.
In den am schwersten betroffenen Gebieten wie dem Bundesstaat La Guaira wuchs die Frustration über das Tempo der staatlichen Hilfe. Anwohner und Freiwillige gruben teils mit bloßen Händen in den Trümmern, weil schweres Gerät fehlte. Aus der Küstenstadt Catia la Mar wurde von Plünderungen berichtet.
Venezuela stehe vor entscheidenden Stunden bei der Rettung von Überlebenden, sagte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez mit Blick auf den dritten Tag der Suche nach unter Trümmern verschütteten Menschen. “Es sind kritische Stunden für die Rettung von Leben”, sagte Rodríguez, die nach der Gefangennahme ihres Vorgängers Nicolás Maduro durch die USA im Januar die Regierungsgeschäfte übernommen hatte.
USA kündigten Hilfen in Höhe von 150 Millionen Dollar an
Inzwischen sind erste internationale Teams eingetroffen. Etwa 160 Rettungskräfte aus der Schweiz und Mexiko landeten nach Berichten des venezolanischen Fernsehens auf einem Militärflugplatz nahe Caracas. Auch aus dem Nachbarland Kolumbien trafen bereits Helfer ein.
Aus Deutschland ist die erste von zwei Bundeswehr-Transportmaschinen vom Typ A400M in Caracas gelandet. An Bord ist ein 46-köpfiges Team der Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (SEEBA) des Technischen Hilfswerks (THW). Sobald das gesamte Einsatzteam sowie die Rettungshunde in Caracas vereint sind, ist die gemeinsame Verlegung zum Operationsstützpunkt geplant.
Die USA kündigten Hilfen im Wert von 150 Millionen Dollar sowie eine Lockerung von Sanktionen an.
UN schätzt Schäden auf 6,7 Milliarden Dollar
Die Vereinten Nationen (UN) schätzen die direkten Schäden der beiden ersten Beben mit den Stärken 7,2 und 7,5 auf rund 6,7 Milliarden Dollar. Das zweite Beben am Mittwoch war das schwerste in Venezuela seit mehr als einem Jahrhundert. Die für das südamerikanische Land wichtige Ölförderung sei jedoch nicht beeinträchtigt worden, teilte Ölministerin Paula Henao mit.
Die Naturkatastrophe trifft ein Land, das durch jahrzehntelange wirtschaftliche und politische Krisen geschwächt ist. Nach Schätzungen der UN-Migrationsorganisation könnten fast sieben Millionen Menschen von den Folgen betroffen sein.
Mit Informationen von Jenny Barke, ARD-Studio Mexiko