Der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC schafft laut Experten neue Probleme am Persischen Golf. Für Saudi-Arabien sei der Schritt ein schwerer Schlag – für Präsident Trump hingegen ein Erfolg.
Die Meldung am Golf kam einem Donnerschlag gleich: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verlassen bereits zum 1. Mai die Gruppe der erdölexportierenden Länder OPEC und OPEC+. Und das zu einer Zeit, in der sich die Welt durch den Krieg der USA und Israels gegen den Iran ohnehin schon in einer schweren Energiekrise befindet und die Weltwirtschaft verunsichert ist.
Hintergrund sei eine gründliche Abwägung auch mit Blick auf die anhaltenden “Störungen im Persischen Golf und der Straße von Hormus”, heißt es in einer Erklärung der staatlichen Nachrichtenagentur WAM. Und weiter: “Diese Entscheidung spiegelt die langfristige strategische und wirtschaftliche Vision der VAE wider sowie das sich wandelnde Energieprofil.”
Experten sehen Saudi-Arabien geschwächt
Beobachter bezeichnen die Entscheidung der Emirate als schweren Schlag für die OPEC und vor allem den De-facto-Anführer der Erdölexportgruppe, Saudi-Arabien.
“Es ist mehr eine politische Botschaft als eine wirtschaftliche”, sagt Marc Ayoub, Energieexperte vom Tahrir Institute. “Es zeigt, dass die Emirate nicht zufrieden sind mit der Führung der OPEC. Es ist eine Botschaft an Saudi-Arabien und ein Indikator über den Zustand der saudi-emiratischen Beziehungen, sei es politisch oder wirtschaftlich bei Energiefragen.”
“Es bringt die Gleichung durcheinander”
Schon seit Längerem gibt es Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden wichtigen Ländern am Golf über den Umgang mit Iran und das Verhalten in anderen regionalen Konflikten, wie zum Beispiel im Jemen und im Sudan. Dass das langjährige Mitglied, die Vereinten Arabischen Emirate, die Gruppe der erdölexportierenden Länder verlässt, könnte für Unruhe sorgen und die Gruppe schwächen.
“Es bringt die Gleichung durcheinander”, sagt Nehad Issmail, Energieexperte beim katarischen Sender Al Araby TV. “Das heißt, es schafft eine neue Ebene von Problemen rund um die Straße von Hormus, das Golf-Öl und die iranische Situation. Ein plötzlicher Austritt in diesem kritischen Moment – einem Moment, der aufgrund der gefährlichen geopolitischen Lage in der Region unpassend erscheint.”
Langfristige Auswirkungen auf Ölmarkt erwartet
Die Emirate waren seit 1967 Teil der Gruppierung – sogar vier Jahre vor der eigenen Staatsgründung. Neben Saudi-Arabien und Kuwait galten sie zuletzt als wichtigster Akteur der zwölf Mitglieder.
Die Auswirkungen des Austritts dürften vor allem langfristig sein, so Energieexperte Ayoub: “Es wirkt sich kurzfristig nicht groß auf die Märkte aus, weil die Straße von Hormus geschlossen ist. Aber in Zukunft, wenn sich der Export normalisiert hat, könnten die VAE viele Barrels ohne Restriktionen auf den Markt bringen.”
Ein Erfolg für Trump?
Und das dürfte die USA freuen: Der Austritt aus der OPEC gilt als Erfolg für US-Präsident Donald Trump – er hatte die Organisation wiederholt kritisiert und ihr vorgeworfen, die Welt “abzuzocken”, indem sie Ölpreise künstlich aufblähe. Auch militärische Unterstützung für die Golfstaaten hatte Trump an die Ölpreise geknüpft und erklärt, die USA würden ausgenutzt.
Die Emirate gelten als enge Verbündete der USA und sind auch den Abraham Accords beigetreten – sie haben ihre Beziehungen mit Israel normalisiert.
VAE beklagten mangelnde Unterstützung der Nachbarn
Das machte die Emirate in den vergangenen Wochen zur Zielscheibe Irans: Nach Beginn des Krieges der USA und Israels gegen Teheran wurden Dubai und Abu Dhabi massiv mit iranischen Drohnen und Raketen beschossen – mit verheerenden ökonomischen Folgen für die VAE, die als Wirtschafts- und Tourismus-Hotspot am Golf gelten.
Von den Nachbarländern fühlen sich die Emirate in dieser Krise offensichtlich zu wenig unterstützt: Der diplomatische Berater des Präsidenten der VAE, Anwar Gargash, kritisierte Anfang der Woche offen, dass sich die Länder des Golf-Kooperationsrats logistisch unterstützt hätten, aber nicht darüber hinaus. “Im Jahr 2000 haben wir ein gemeinsames Verteidigungsabkommen unterzeichnet”, sagte Gargash. “Und wir müssen doch feststellen, dass die Position der Länder des Golf-Kooperationsrats – auch wenn es stimmt, dass sich die Länder logistisch gegenseitig unterstützten – aus politischer und militärischer Sicht historisch gesehen die schwächste war.”
Mit dem Austritt aus der OPEC dürften die Emirate noch einmal deutlich machen, dass sie sich US-Präsident Trump zuwenden – auch in seinem Stil, ohne Rücksicht auf langjährige Verbündete und multilaterale Organisationen, die eigenen Interessen durchzusetzen. Vielleicht auch, weil sie sich damit größeren Schutz vonseiten der USA versprechen. Ein Schlag ins Gesicht für den unmittelbaren Nachbarn, das eigentlich am Golf so mächtige Saudi-Arabien.


