Welche Folgen Trumps Politik für die Klimaforschung hat

Welche Folgen Trumps Politik für die Klimaforschung hat

Stand: 20.01.2026 07:00 Uhr

Auf die Klimaforschung scheint es die Trump-Administration besonders abgesehen zu haben. Aber warum eigentlich? Und wie können nationale und internationale Wissenschaftler gegenhalten?

Yasmin Appelhans

Vor einem Jahr ist Donald Trump zum zweiten Mal in sein Amt als US-Präsident eingeführt worden. Seitdem gab es enorm viele politische Umbrüche.

Gerade bei der Klimaforschung hat die Regierung den Rotstift angesetzt. Forschungsgelder wurden teils drastisch gekürzt, Institute geschlossen – und zuletzt hat die Regierung angekündigt, aus verschiedenen Gremien, so auch aus dem wissenschaftlichen Weltklimarat IPCC, auszutreten.

Zusammenarbeit schwierig

Ob weitere angekündigte, massive Kürzungen – zum Beispiel bei der Wetter- und Ozeanbehörde NOAA – noch abgewendet werden können, ist noch unklar. Auch jetzt sind die Folgen in der praktischen Forschung schon spürbar. Bjorn Stevens ist Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und hat auch selbst lange in den USA geforscht, unter anderem an dem von vollständiger Schließung bedrohten, renommierten Klimaforschungsinstitut NCAR, dem National Center for Atmospheric Research.

Er berichtet, dass internationale Forschende aufgrund der aufgeheizten Stimmung teilweise Sorge haben, in die USA zu reisen, weil sie dort ein willkürliches Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE gegen sie fürchten. Und nicht nur das: “Was man jetzt auch hört, ist, dass die Kollegen aus den Vereinigten Staaten es sehr, sehr schwer haben, auszureisen. Wenn wir Treffen organisieren, bekommen wir die Antwort, dass sie keine Genehmigung bekämen, ins Ausland zu reisen“, so Bjorn Stevens. Denn solche Reisen müssen von den Forschungsinstituten und Universitäten genehmigt werden.

Gezielter Angriff

Donald Trump verfolge eine fossile Außenpolitik und erhoffe sich weniger Druck auf die Kohle-, Erdgas- und Erdölindustrie, meint Jule Könneke von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin: “Klimaforschung und Klimapolitik hängen einfach eng zusammen. Die Klimawissenschaft wird gezielt angegriffen, weil sie letztendlich als Legitimationsquelle für Klimapolitik gilt oder gelten sollte“, sagt sie. Die Forschung liefere die Grundlage für Regulierungen, Emissionsgrenzen und internationale Verpflichtungen. “Und wer diese Grundlage schwächt, schwächt letztendlich indirekt auch die Klimapolitik national und international. Und das ist eindeutig Donald Trumps Ziel.“

Verheerend für Forschung und Klima

Die folgenreichsten Entscheidungen der Trump-Politik sieht sie bei den Kürzungen der Klimainstitute selbst, die in den USA wichtige Daten sammeln. Außerdem hält sie auch die massiven Kürzungen und strukturellen Umbauten für die nationalen Klima-Risikobewertungen für problematisch. Denn eigentlich hätte jetzt eine große Klimafolgenstudie in den USA angestanden. “Da wurden Hunderte Mitarbeitende entlassen, beziehungsweise die Zusammenarbeit mit denen beendet und der Prozess praktisch gestoppt“, sagt sie. Darüberhinaus ist die wichtigste Website für Klimainformationen in den USA stillgelegt worden, was Jule Könneke ebenfalls als großes Problem einschätzt.

Allein die Folgen der Kürzungen bei den Forschungsinstituten selbst dürften gravierend sein, so Jule Könneke: “Da besteht ein Risiko von Datenlücken, weniger robusten Szenarien und Modellen.“ Und auch die Folgen für das Klima an sich können verheerend sein. “Das heißt, wenn die USA Gelder für Klimaforschung kürzen, ist das kein Nischenthema. Das trifft Wetterwarnungen, Landwirtschaft, Küstenschutz, also ganz konkrete Sicherheit.“ Und das nicht nur in den USA selbst, sondern international.

Einzelinteressen vor Gemeinschaft

Dass die USA jetzt auch noch aus dem wissenschaftlichen Weltklimarat IPCC und auch aus der Klimarahmenkonvention der UN austreten wollen, sieht Bjorn Stevens in Interessen einzelner Konzerne begründet, die solches internationales Zusammenarbeiten torpedieren. Auch Staaten würden da mitziehen. “Was wir jetzt sehen, ist ein großer Rücktritt davon, dass die Länder, besonders die großen, sagen: Nein, das ist strategisch nicht, was wir wollen. Wir finden es besser, wenn wir unseren eigenen Weg gehen und tun, was wir wollen, und zur Hölle mit den anderen. Das sieht man, und das kippt nicht so schnell wieder zurück.”

Was ein Austritt aus diesen Gremien konkret bedeutet – ob die USA nur keine Gelder mehr geben oder auch beispielsweise keine US-amerikanischen Forschenden mehr an Sitzungen etwa des Weltklimarates teilnehmen dürfen – ist dabei aber noch unklar.

Europa kann teils auffangen

An einigen Stellen können zum Beispiel europäische Institute einspringen. Bereits im Sommer hatte das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven beispielsweise angekündigt, historische Klimadaten aus den USA auf einer europäischen Plattform zu sichern. Nun wurden neue Gelder von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für dieses Projekt bewilligt.

Bjorn Stevens arbeitet selbst am Max-Plank-Institut für Meteorologie mit 50 Jahre alten Daten vom von der Schließung bedrohten US-amerikanischen Instituts NCAR. Er unterstützt die Maßnahmen. “Die europäischen Institute müssen die Kapazität haben. Das ist mit geringeren Kosten möglich“, sagt er. Deswegen könne und solle man das tun. “Denn diese Daten sind auf eine Art und Weise ein Welterbe. Daten aus der Vergangenheit sind in einer Zeit von Klimaänderungen nicht etwas, was man einfach so wiederherstellen kann.“

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