Wie kommen deutsche Autos bei der weltgrößten Automesse in Peking an?

Wie kommen deutsche Autos bei der weltgrößten Automesse in Peking an?

Stand: 27.04.2026 • 14:33 Uhr

Auf der weltgrößten Automesse in Peking präsentieren chinesische Hersteller ihre Modelle mit viel smarter Technik und einem Lifestyle-Versprechen. Wie kommen deutsche Autos an?

Eva Lamby-Schmitt

Mit Selfiestangen, Smartphones und Videokameras umringen chinesische Influencer die neuen Fahrzeuge auf der Automesse in Peking – manchmal so dicht, dass die Autos fast nicht mehr zu sehen sind. Selbst der große neue Luxus-Elektrovan der chinesischen Marke Zeekr verschwindet in der Menge.

Nicht nur die Autos selbst, auch Stars wie der chinesische Schauspieler Huang Xiaoming ziehen Publikum bei Zeekr an. Andere Autohersteller werben mit Showtänzen, Models, und der chinesische Hersteller BYD hat eines seiner Fahrzeuge als Einhorn verkleidet.

“Es ist sehr lebhaft hier”, stellt der 28-jährige Automobilblogger Zhou Pengrui fest. “Viele Leute sind bei den chinesischen Marken, bei den ausländischen Herstellern ist nicht so viel los. Ich sehe, es haben immer mehr Autos KI-Technologie integriert.”

Fahr- und Sprachassistenten nutzen KI. Passend zu diesem Trend ist das Motto der diesjährigen Messe “Zukunft der Intelligenz”. Nicht nur elektrisch, sondern smart.

Deutsche Autos mit chinesischer Technik?

Wie kommen die neuen deutschen E-Auto-Modelle speziell für den chinesischen Markt in China an? Das ist die große Frage in diesem Jahr. “Egal ob Preis-Leistungs-Verhältnis oder Intelligenz und Fahrgewohnheiten, in China passen die chinesischen Autos besser. Die verstehen den Lifestyle besser”, sagt die chinesische Bloggerin Liang Yingxin.

Zhou Pengrui hingegen kann auch den Deutschen etwas abgewinnen. “Eigentlich nutzen Joint-Ventures von BMW und Mercedes-Benz und Audi die Konzepte von chinesischen Anbietern, sie haben den Rückstand weitgehend aufgeholt.”

Der Blogger ist der Meinung, dass die deutschen Marken immer besser werden: “Viele Verbraucher erkennen ihre Qualität, Technologie und Design an. Mercedes-Benz hat schon eine Geschichte von 140 Jahren, auch BMW ist gut. Mit chinesischer KI-Technologie werden sie noch besser.”

Zhou Pengrui selbst findet den elektrischen Mercedes GLC gut, der bald auf den chinesischen Markt kommen soll. Allerdings: “Der ist schon teuer, da muss ich noch hart für arbeiten”, so der Blogger.

Attraktiv, aber teuer: der vollelektrische Mercedes GLC wird auf der Automesse in Peking vorgestellt.

Einen VW für 10.000 Euro gibt es nur in China

Die Preise machen den Unterschied. Die Hersteller in China bieten günstige Preise. Die mehr als 100 Marken unterbieten sich gegenseitig. Das zieht bei den Verbrauchern. Doch die wenigsten erzielen mit ihren E-Autos Gewinne.

Die deutschen Autohersteller tun sich seit einigen Jahren auf dem größten Automarkt der Welt schwer. Nun bekommen sie durch chinesische Hersteller auch bei teuren Luxusautos Konkurrenz, zum Beispiel durch die Marken Stelato mit Software-Ausstattung des chinesischen Technologiekonzerns Huawei oder durch die Marke Zeekr vom chinesischen Automobilkonzern Geely.

Volkswagen versucht es nun auch im Einstiegssegment mit einem E-Auto der Submarke Jetta für umgerechnet rund 10.000 Euro, zu haben nur in China.

Kooperationen mit lokalen Herstellern und Zulieferern

Deutsche Autohersteller gehen zunehmend dazu über, in China für den chinesischen Markt zu entwickeln, direkt in Zusammenarbeit mit chinesischen Software- und Tech-Partnern.

“Natürlich haben Audi, BMW, Mercedes im Premiumsegment hier ihren Platz, was natürlich eine andere Preisklasse ist vom Anspruch her. Das wird momentan alles etwas verwässert durch diese Preiskämpfe”, sagt Beatrix Keim, Automobilexpertin am Duisburger Mobilitätsforschungsinstitut Center Automotive Research.

“Alle arbeiten daran, noch mehr zu lokalisieren: mit lokalen Zulieferern – ob das jetzt ausländische Zulieferer sind oder chinesische – zu arbeiten, vielleicht auch in Kooperationen mit lokalen Herstellern zu arbeiten, um die Kosten zu senken.”

Hersteller aus China wollen in Europa wachsen

Chinesische Hersteller erhoffen sich derweil im Ausland mehr Gewinne. Im vergangenen Jahr haben sie so viele E-Autos wie noch nie außerhalb Chinas verkauft. Jetzt könnten die gestiegenen Ölpreise durch den Iran-Krieg die weltweite Nachfrage nach E-Autos noch weiter antreiben.

“Wir sehen dass die Nachfrage sprunghaft angestiegen ist in Ostasien, in Australien, aber auch in Europa”, sagt die stellvertretende Chefin des größten chinesischen Automobilherstellers BYD, Stella Li. “In Deutschland haben sich unsere Vorbestellungen fast verdoppelt.”

Bislang sind noch nicht so viele chinesische E-Autos auf deutschen Straßen zu sehen. Im ersten Quartal dieses Jahres machten chinesische Hersteller nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes nur rund drei Prozent der Neuzulassungen aus. Der Anteil ist gering, doch er wächst rasant – und nun durch die höheren Benzinpreise vielleicht noch schneller.

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