Durch den Iran-Krieg ist Öl knapp – und das sorgt für hohe Spritpreise. Ob Öl-Industrie oder Staat den größten Anteil davon erhalten, hängt jedoch von der Kraftstoffsorte ab.
Der Krieg zwischen den USA und Iran hat die Kraftstoffpreise explodieren lassen. Mit einer Entlastung von 17 Cent pro getanktem Liter Sprit will die schwarz-rote Bundesregierung die massiv gestiegenen Spritpreise für Bürger und Unternehmen jetzt senken.
Die Maßnahme ist umstritten. Zwar habe sie das Potenzial, die Autofahrenden sofort zu entlasten, sagen die einen. Die anderen bezweifeln, dass die Mineralölkonzerne die Preissenkung vollständig an die Verbraucher weitergeben.
Hinzu kommt: Im internationalen Vergleich haben staatliche Steuern und Abgaben zwar einen gewissen Anteil am hohen Spritpreis. Doch eine aktuelle Analyse des ADAC zeigt: Je nach Kraftstoffsorte profitieren auch die Öl-Unternehmen.
Super E10: Mehr als die Hälfte geht an den Staat
Der ADAC hat in einer aktuellen Analyse die Zusammensetzung der Kraftstoffpreise vom vergangenen Sonntag genauer aufgeschlüsselt. Demnach kostete ein Liter des günstigsten gängigen Benzins, Super E 10, am 12. April 2026 im bundesweiten Tagesschnitt 2,10 Euro.
Davon fielen insgesamt 1,15 Euro, also mehr als die Hälfte des Literpreises, für staatliche festgelegte Abgaben an: Nämlich 65,5 Cent für die Mineralölsteuer, 33,5 Cent für die Mehrwertsteuer und 15,7 Cent machte der CO2-Preis aus, den der Staat gestaltet und verwaltet. Um zu illustrieren, wie groß der Anteil der Entlastung in Höhe von 17 Cent sein wird, haben wir ihn in der Grafik bereits abgetragen.
Der “nicht-staatliche” Teil des Spritpreises macht laut ADAC-Beispiel bei Super-Benzin E-10 etwas weniger als die Hälfte aus. Er setzt sich zusammen aus den Beschaffungskosten für das Rohöl – die sind seit Beginn des Iran-Kriegs in die Höhe geschossen – den Raffineriekosten, den Kosten für Transport und Logistik sowie den Gewinnmargen der Mineralölkonzerne und der Tankstellenbetreiber.
Diesel: Hier verdient die Öl-Industrie anteilig mehr
Dieselkraftstoff kostete am 12. April 2026 im Schnitt 2,29 Euro pro Liter. Hier lag der Anteil, der an den Staat floss, dagegen unter 50 Prozent: nämlich bei nur 47 Cent für die Mineral- und Ökosteuer, rund 37 Cent für die Mehrwertsteuer und etwas mehr als 17 Cent für den CO2-Preis.
1,28 Euro – also mehr als die Hälfte – gehen dagegen an die bereits erläuterte Wertschöpfungskette der Öl-Industrie: von der Förderung des Rohöls über dessen Aufbereitung, den Transport des Kraftstoffes bis hin zum Verkauf und den damit verbundenen Gewinn.
Auch für diese Illustration gilt: Um sichtbar zu machen wie groß der Anteil der Entlastung in Höhe von 17 Cent bei der Mineralölsteuer ist, haben wir ihn auch in der Grafik bereits ausgewiesen.
Teurer Rohstoff sorgt für Gewinne in der Öl-Industrie
Der Preis für Rohöl – beispielsweise der Nordseesorte Brent – ist zuletzt immer wieder über die Marke von 100 Dollar gesprungen.
Aufgrund der massiv gestiegenen Rohölpreise erwarten Mineralölkonzerne wie Shell und BP deutlich steigende Gewinne. Das sehen viele kritisch und fordern eine sogenannte Übergewinnsteuer. Dabei geht es um die Abschöpfung übermäßiger Gewinne.
Man wirft den Mineralölkonzernen vor, nach einem Preisanstieg für Rohöl rasend schnell die Spritpreise zu erhöhen. Eine Senkung Rohölpreise aber nur langsam, mit deutlicher Verzögerung an die Verbraucher weiterzugeben.
Ob die Einführung einer Übergewinnsteuer für Deutschland sinnvoll wäre, darüber ist sich die schwarz-rote Bundesregierung nicht einig. Man will darüber beraten. Vor allem die SPD ist dafür.
Diesel ist mittlerweile teurer als Benzin
Was das Beispiel des ADAC auch zeigt: Diesel ist derzeit an der Zapfsäule teurer als Benzin. In der Vergangenheit war das noch umgekehrt, wie der Blick auf die Entwicklung der Kraftstoffpreise zeigt.
Ursächlich sind vor allem steuerliche Gründe: Denn die Mineralölsteuer fällt bei Dieselkraftstoff niedriger aus. Dieser steuerliche Vorteil sollte die Wirtschaft durch niedrige Transport- und Produktionskosten ankurbeln: Dieselkraftstoff wird vor allem in der Logistik von LKWs, in der Land- und Bauwirtschaft und teilweise in der Schifffahrt eingesetzt.
Weil Diesel für Transport und Industrie, also für die Wirtschaft unerlässlich ist, steigt der Preis deutlicher, wenn das Angebot knapper wird – wie derzeit durch den Iran-Krieg und die weitgehende Blockade der für den Öl- und Gashandel wichtigen Meerenge vor der iranischen Küste, der Straße von Hormus.
Was außerdem zu Buche schlägt: Diesel hat einen höheren CO2-Ausstoß pro Liter als Benzin. Die CO2-Abgabe fällt deshalb höher aus als bei Benzin, was sich ebenso wieder auf den Preis auswirkt.

