marktbericht
Diese Woche stehen gleich fünf wichtige Leitzins-Entscheidungen an. Angesichts des Iran-Kriegs dürften alle Notenbanken zunächst weiter abwarten. Doch steigt die Inflation weiter, könnten sie zum Handeln gezwungen sein.
Das gibt es nicht oft: In gleich fünf der sieben wichtigsten Wirtschaftsnationen (G7) stehen in dieser Woche geldpolitische Entscheidungen an. Den Reigen der Zinssitzungen eröffnet am Dienstag die Bank of Japan. Am Mittwoch folgen die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und die Bank of Canada. Für Donnerstag sind dann die Sitzungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of England anberaumt.
Für die Börse ist die Woche ein weiterer Realitäts-Check in Sachen Geldpolitik: Noch zu Jahresbeginn waren die Marktteilnehmer von einem günstigen Zinsausblick ausgegangen. Insbesondere von der Fed hatten sie sich eigentlich noch mehrere Zinssenkungen erhofft – dieses rosige Bild hat sich nun in Luft aufgelöst.
Inflation über der EZB-Zielmarke
Der scharfe Anstieg der Energiepreise infolge des Iran-Kriegs lässt die Inflationsprognosen kontinuierlich ansteigen – so lange die Straße von Hormus gesperrt bleibt, wird dieser Trend anhalten. Von der amerikanischen Notenbank erwarten Marktteilnehmer bestenfalls noch eine einzige Zinssenkung im Dezember. Ihr Leitzins liegt seit Dezember 2025 bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Mittlerweile sprechen manche Beobachter bereits von möglichen Zinserhöhungen, um die Inflation einzudämmen.
Von der EZB, deren Leitzins seit Juni 2025 bei 2,0 Prozent liegt, werden schon lange keine Zinssenkungen mehr erwartet. Ebenfalls am Donnerstag stehen die aktuellen Inflationsdaten in der Eurozone an. Im April könnte die Teuerung die Drei-Prozent-Marke erreicht haben, was weit über dem mittelfristigen Inflationsziel der Notenbank von 2,0 Prozent liegt.
Die Notenbanken müssen neben der Inflation aber auch die Konjunktur im Blick haben – und hier haben sich die Aussichten ja zuletzt deutlich eingetrübt. Eine straffere Geldpolitik würde die schwache Geschäftslage der Unternehmen noch weiter verschärfen und die angeschlagene Konjunktur möglicherweise vollends abwürgen.
Folgen des Energiepreisschocks
Angesichts dieses Dilemmas dürften insbesondere Fed und EZB, aber auch die anderen drei großen Notenbanken in dieser Woche also die Füße stillhalten. Umso gespannter werden die begleitenden Aussagen der Notenbanker erwartet. EZB-Chefin Christine Lagarde hatte die Handlungsbereitschaft der Europäischen Zentralbank zuletzt mehrfach betont – so sehr, dass Beobachter eine Zinserhöhung auf der übernächsten Sitzung im Juni durchaus für möglich halten.
Aber auch das ist noch nicht ausgemacht. “Die Auswirkungen des Iran-Krieges werden in der Eurozone immer sichtbarer”, sagte Eckhard Schulte vom Vermögensverwalter MainSky Asset Management. Die jüngsten Konjunkturdaten sollten der EZB aus seiner Sicht klar zeigen, dass der Energiepreisschock bereits ohne Zinserhöhung die Binnennachfrage dämpfe und damit perspektivisch auch die Inflation. Deshalb werde die Notenbank zunächst weitere Zeit gewinnen wollen und auch für den Juni noch keine Zinserhöhung offen ankündigen.
Tatsächlich werden Lagarde, aber auch Fed-Chef Jerome Powell sehr wahrscheinlich darauf verweisen, dass die Datenlage zu den Auswirkungen des Iran-Krieges noch nicht ausreicht, um etwa Zinserhöhungen zu rechtfertigen. “EZB und Fed agieren bewusst datenabhängig und vermeiden vorschnelle Festlegungen”, sagte Daniel Kerbach vom Vermögensverwalter BayernInvest.
Neue Hoffnungen treiben DAX
Die Aktienmärkte hoffen derweil weiter auf eine Verhandlungslösung im weiter schwelenden Iran-Konflikt. Offenbar hat der Iran einen neuen Vorschlag zur Öffnung der Straße von Hormus und zur Beendigung des Krieges gemacht . Bis zum frühen Nachmittag kann der deutsche Leitindex DAX um fast 0,9 Prozent auf 24.340 Punkte zulegen.


