Die Konzerte von Popsensation Rosalía sind spektakulär. Was auch an ihrer Dirigentin Yudania Gómez Heredia liegt, die der katalanischen Sängerin fast die Show stiehlt.
Celli und Geigen, Oboe und Bassklarinette, ein Horn und mehrere Schlaginstrumente, nicht versteckt im Orchestergraben, sondern mitten im Publikum, auf einem kreuzförmigen Podest vor der Hauptbühne: Die katalanische Popsensation Rosalía rückt ihr “Heritage Orchestra” bewusst ins Zentrum ihrer umjubelten “Lux”-Tournee. Sie selbst performt auf der Bühne, umgeben von Chor und Tanzensemble. Ein opulentes Konzertspektakel irgendwo zwischen pompösem Musiktheater und minimalistischer Clubkultur.
Und dann ist da diese eine Person, die immer wieder die Blicke auf sich zieht: Mit Dirigierstab in der Hand steht sie vor dem Orchester, führt es mit fein gesetzten Impulsen präzise durch die Musik und geht mit Einsetzen des Beats selbst tanzend und im Takt springend darin auf. Unmöglich, sich von dieser Begeisterung nicht anstecken zu lassen – die Kubanerin Yudania Gómez Heredia zählt zu den größten Überraschungen bei Rosalías Welttournee.
Spanischen Medien zufolge wurde die Sängerin durch ein Video auf Gómez Heredia aufmerksam: In einem Social-Media-Video analysierte die Kirchenmusikerin Rosalías Chart-Erfolg “Berghain”. Der Clip ging viral, kurz darauf soll Rosalía die Zusammenarbeit angeboten haben. Seither leitet Gómez Heredia das Orchester des Popstars, und das mit einer Präsenz, so energiegeladen und sympathisch, dass Presse, Konzertpublikum und Follower sich gleichermaßen vor Begeisterung überschlagen.
Dirigentin Yudania Gómez Heredia studierte auch in Deutschland.
Studium in Regensburg und Nürnberg
Dass sich Yudania Gómez Heredia so hervorragend in Rosalías Pop-Universum einfügt, liegt an ihrer gemeinsamen Leidenschaft für genreüberschreitende Musik. Geboren 1994 im kubanischen Santa Clara, fing Gómez Heredia schon früh mit dem Komponieren an: “In der siebten Klasse habe ich mein erstes Klavierstück geschrieben”, erzählt sie im WDR-Interview. “Und dann habe ich nie mehr aufgehört.”
In Havanna studierte sie Chor-Gesang und Komposition und kam dort bereits mit europäischer Klassik in Berührung: “Wir haben eine sehr starke Chor-Tradition in Kuba.” Neben kubanischer und lateinamerikanischer Chormusik habe sie auch europäische Kirchenmusik gesungen.
Durch einen Austausch mit der Hochschule für Kirchenmusik in Regensburg konnte sie Komponisten wie Bach und Mendelssohn, gregorianischen Gesang und sakrale Musik noch besser kennenlernen. Sie entschied sich für ein Studium in Regensburg mit Schwerpunkt Orgel-Improvisation – und zog dafür nach Deutschland.
Neugier auf deutsche Sprache und Kirchenmusik
“Ich bin so ein Mensch, der immer Lust darauf hat, neue Sachen zu lernen”, sagt Gómez Heredia. Deswegen habe es ihr auch Spaß gemacht, Deutsch zu lernen: “Als ich wusste, dass ich nach Deutschland komme, habe ich so richtig Gas gegeben.”
Ihre Studien setzte sie später an der Hochschule in Nürnberg mit einem Master in Chorleitung und Dirigieren fort – und hat sich seither einen Namen gemacht: Neben zahlreichen Eigenkompositionen für Klavier, Orgel, Flöte sowie verschiedene Instrumental- und Vokal-Ensembles dirigierte sie in den letzten Jahren Orchester in Deutschland, Großbritannien, Spanien und Brasilien.
Als Dirigentin erhielt sie ein Stipendium der Orchesterakademie der Bergischen Symphoniker, ihr Talent fürs Musiktheater bewies sie mit ihrer ersten eigenen Aufführung: “The Fairy Queen” an der Staatsoper Stuttgart. Ihre Begeisterung für die Musik und neue musikalische Spielarten teilt sie gern mit anderen und ist damit auch auf Social Media längst bekannt.
Was hinter Phänomen Rosalía steckt
Die Zusammenarbeit mit Rosalía dürfte die Karriere von Gómez Heredia noch zusätzlich vorantreiben: 57 Konzerte in 17 Ländern umfasst die aktuelle Tournee, der Ansturm auf die Tickets war riesig: Für die meisten Shows, auch für die einzigen beiden Deutschlandkonzerte in Köln und Berlin, waren die Karten in kürzester Zeit vergriffen. Ein Erfolg, der unter anderem auf die immense Experimentierlust der Künstlerin zurückzuführen ist.
Schon seit Beginn ihrer Karriere verbindet Rosalía Pop und Flamenco, an der renommierten Musikhochschule Kataloniens hat die heute 33-Jährige Flamenco-Interpretation studiert. Auf ihrem aktuellen Album “Lux” erweitert sie die Genreüberschreitungen noch um Einflüsse aus Klassik und Elektro – in insgesamt 13 Sprachen.
Rosalía feiert mit ihrer Tournee einen Welterfolg – inklusive Orchester.
Ein Shooting-Star auf großer Bühne
Das Ergebnis ist ein pompös produziertes Gesamtwerk, mit dem Rosalía als erste spanischsprachige Solokünstlerin die Spitze der Billboard-Welt-Albumcharts erobert hat. Doch ihre bunte Palette an kulturellen Einflüssen bringt ihr nicht nur Zuspruch. Insbesondere in ihrer Heimat Spanien gab es dafür auch Kritik: Die katalanische Sängerin bediene sich unter anderem an der Kultur der Gitano-Community, ohne selbst Teil dieser Minderheit zu sein.
Der Begeisterung des Publikums auf Rosalías Welttour scheint das keinen Abbruch zu tun. Auch dank des Shooting-Stars im Mittelpunkt der Arena: der gelernten Organistin und Kirchenmusikerin Yudania Gómez Heredia.
