Charles III. im US-Kongress: Eine unbequeme Rede und viel Beifall

Charles III. im US-Kongress: Eine unbequeme Rede und viel Beifall

Stand: 29.04.2026 • 06:53 Uhr

Erstmals seit 1991 hat mit König Charles III. ein britischer Monarch zum US-Kongress gesprochen – und auf elegante Weise gezeigt, wie man die polarisierende Politik des US-Präsidenten kritisieren kann.

Samuel Jackisch

Wer sein Publikum in den USA mit seiner Rede begeistern will, der fängt am besten mit einem Witz an. Charles III. entschied sich im Kongress der Vereinigten Staaten für die alte Pointe von Oscar Wilde, derzufolge Briten und Amerikaner ja viele Gemeinsamkeiten hätten – abgesehen von der Sprache.

Als der Ton gesetzt ist, hält Charles eine politisch unbequeme Rede. Er betont die Verantwortung beider Regierungen: Für die NATO, die Ukraine, die Sicherheit in der Welt, für die Umwelt und den Multilateralismus. Alles Themen, denen die US-Regierung derzeit nicht viel Aufmerksamkeit schenkt.

Die letzten beiden Reden vor einer gemeinsamen Sitzung dieses Kongresses hielten Israels Premier Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump. Beide Male war das Publikum extrem gespalten. Doch Charles III. gelingt es, sich Applaus von beiden Seiten abzuholen. Zunächst beim Verweis auf das gescheiterte Attentat auf Mitglieder der US-Regierung vom vergangenen Samstag. Solche Gewalttaten, so Charles, würden niemals Erfolg haben.

Charles betont Gemeinsamkeiten

Auch den treuesten Trump-Anhänger wie Vizepräsident JD Vance, Repräsentantenhaus-Sprecher Mike Johnson oder Senator Ted Cruz bleibt nichts als zu applaudieren als der König von gemeinsamen Rüstungsprojekten spricht, vom Christentum oder den Anschlägen vom 11. September vor 25 Jahren.

Es sind republikanische Abgeordnete wie Michael Baumgartner aus dem Bundesstaat Washington, die sich anschließend besonders beeindruckt zeigen. Charles habe treffend das gemeinsame Band zwischen Amerika und Großbritannien beschrieben, und ihr gemeinsames Opfer. Schließlich seien 180 britische Soldaten im Irak und fast 500 in Afghanistan gefallen. Amerika brauche ein fähiges und selbstbewusstes Großbritannien.

Und auch die Demokraten im Kongress haben ihre Freude mit dem König: Etwa, als Charles auf die Britische Magna Charta hinweist, wo seit 1.000 Jahren geschrieben steht, dass das Parlament den König kontrollieren muss – oder eben den Präsidenten.

Alle Seiten für sich gewonnen

Am Ende ist vor allem Sir Christian Turner die Erleichterung anzusehen. Für den britischen Botschafter hätte die Rede seines Staatsoberhaupts kaum besser laufen können: Den Gastgeber nicht brüskiert, alle Seiten für sich gewonnen – und dennoch die eigenen Anliegen deutlich gemacht.

Chuck Schumer, Minderheitenführer im Senat, fasst sie so zusammen: “Freunde und Verbündete sind wichtig.” Diese Botschaft wird das Königspaar noch bis zu seiner Abreise am Donnerstag in den USA verbreiten.

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