Die Metropolitan Opera in New York steckt in akuter Geldnot: Ein 200-Millionen-Euro-Deal mit Saudi-Arabien ist geplatzt. Jetzt erwägt der Intendant, Kunstwerke und Namensrechte zu verkaufen.
Bereits seit Januar wackelte der Deal mit den Saudis, den Intendant Peter Gelb im vergangenen Herbst stolz der Öffentlichkeit vorgestellt hatte. Nun kam die offizielle Absage. Aufgrund der wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges, müsse sich Saudi-Arabien künftig auf “wesentliche Projekte” konzentrieren.
Offensichtlich ist ein dreiwöchiges Gastspiel der Metropolitan Opera in der saudischen Hauptstadt Riad, das acht Jahre lang jeweils im Februar stattfinden sollte, aus Sicht der Saudis nicht bedeutend genug. “Das ist eine sehr große Enttäuschung”, reagierte der Intendant der Metropolitan Opera, Peter Gelb, in einer schriftlichen Stellungnahme. Sein Haus müsse sich jetzt nach finanziellen Alternativen umschauen.
Intendant sucht Namens-Sponsor
Eine mögliche neue Geldquelle hatte Intendant Gelb schon Mitte März im Interview mit dem ARD-Studio New York vorgestellt. Die Metropolitan Opera, eine der wichtigsten Kulturinstitutionen Amerikas, habe bislang noch keinen Namens-Sponsor: “Rechts und links von uns befinden sich das New Yorker Ballett im ‘David H. Koch-Theater’ und die New York Philharmonie in der ‘David Geffen Hall’. Es gibt hier also eine Branding-Möglichkeit für zusätzliche Einnahmen.”
Der Intendant der Met denkt an reiche Milliardäre, die sich durch ein solches Namens-Sponsoring über ihren Tod hinaus verewigen könnten. Aus der Metropolitan Opera könnte zum Beispiel die “Elon-Musk-Opera” oder die “Bill Gates-Opera” werden.
30 Millionen Dollar fehlen
Allerdings drängt die Zeit. Bis zum Ende des fiskalischen Jahres am 31. Juli muss Peter Gelb 30 Millionen Dollar auftreiben. Geld, das eigentlich von der saudischen Regierung kommen sollte. Die Rating-Agentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit der Metropolitan Opera gerade zum dritten Mal innerhalb eines Jahres herabgestuft. Für den Intendanten gibt es nun keine Tabus mehr.
Wandgemälde von Chagall stehen zum Verkauf
Seit Januar sucht er einen Käufer für die beiden riesigen Wandgemälde von Marc Chagall im Foyer der Met. Ihr Schätzwert: rund 55 Millionen Dollar. “Wir würden sie nur an einen Käufer verkaufen, der sie an ihrem jetzigen Platz in der Met belässt. Wir hätten dann mehr Geld. Die Gemälde aber blieben hängen.”
Immerhin eine Namensplakette würde auf den neuen Besitzer hinweisen: “Wir hoffen, dass ein Kunst- und Opernliebhaber unseren Aufruf hört und die Idee mag. Das ist, als besitze man ein Gemälde, das man aber in einem Museum zeigt.”
Finanzprobleme seit Corona-Pandemie
Die Finanzprobleme der Metropolitan Opera in New York begannen mit der Corona-Pandemie. Intendant Gelb musste damals das Orchester auflösen. Erstklassige Musiker wanderten ab. Wichtige Sponsoren zogen sich zurück. Weil auch die Ticket-Einnahmen zurückgingen, musste Gelb das Stiftungskapital anzapfen. Vor vier Jahren betrug dies noch 340 Millionen Dollar. Seitdem ist es um 120 Millionen Dollar geschrumpft.
Staatliche Subventionen bekommt die Metropolitan Opera nicht, betonte Intendant Gelb im ARD-Interview. Weshalb er dringend sehr reiche Opernliebhaber sucht: “Hätten wir ein Stiftungskapital von einer Milliarde Dollar, dann betrügen die jährlichen Zinsen 50 Millionen Dollar. Zusammen mit den jährlichen Spenden würde dies all unsere Probleme lösen.”
Trotzdem erfolgreiche Spielzeit
Tragische Ironie: Trotz der akuten Finanznot erlebt die Metropolitan Opera gerade eine ihrer erfolgreichsten Spielzeiten. Richard Wagners “Tristan und Isolde” war solch ein Publikumsrenner, dass zusätzliche Aufführungen in den engen Spielplan gequetscht wurden.
Und “Innocence”, eine zeitgenössische finnische Oper über Schusswaffengewalt an Schulen, begeisterte Kritiker und Publikum gleichermaßen. “All unsere Probleme wären gelöst, fänden wir einen Multi-Milliardär, der uns eine Milliarde gibt”, sagt Gelb. “Für jemanden, der mehr als 100 Milliarden besitzt, ist das doch nur ein Rundungsfehler.”

