Nach der 0:2-Niederlage im WM-Viertelfinale gegen Frankreich kippte die Stimmung bei Marokko-Fans. In Düsseldorf musste die Polizei einschreiten, weil Böller flogen. Drei Polizisten wurden verletzt.
Der Endstand sorgte für schlechte Stimmung und Randale: Etwa 1.500 Fußballfans hatten sich laut Polizei in der Nähe des Hauptbahnhofs Düsseldorf versammelt. “Anfangs war die Stimmung gut, aber dann ist sie gekippt und aggressiv geworden”, sagte eine Polizeisprecherin.
Auf der Fanmeile in der Ellerstraße warfen Vermummte Böller und Glasflaschen in die Menschenmenge. Raketen wurden gezündet und selbstgebaute Molotow-Cocktails geworfen, wie ein WDR-Team vor Ort beobachtete.
Die Randalierer rissen Verkehrsschilder aus der Verankerung und warfen Mülltonnen um. Um die Lage zu beruhigen, rückte die Polizei mit einem Großaufgebot an.
Angreifer verletzen Polizisten in Düsseldorf
Bei dem Einsatz wurden drei Polizeibeamte verletzt. Einer von ihnen musste ambulant im Krankenhaus behandelt werden und ist derzeit nicht mehr dienstfähig. Die Polizei schrieb mehrere Strafanzeigen, unter anderem wegen Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung.
Jugendlicher Marokko-Fan muss in Gewahrsam
Im Laufe des Abends hat die Polizei zwei Beteiligte in Gewahrsam genommen. Ein 15-jähriger Marokkaner aus Viersen hatte einen Einkaufswagen gegen Polizisten geschleudert. Auch ein 20-jähriger Deutscher aus Wesseling musste in Gewahrsam, weil er eine Flasche gegen Beamte geworfen hatte.
Marokkos WM-Aus gegen Frankreich sorgt für Enttäuschung
Dabei hatte der Abend erst mal gut begonnen. In vielen NRW-Städten hatten sich Marokko-Fans getroffen, um das Spiel in der Nacht gemeinsam zu schauen. In Dortmund in der Gözdem-Event-Arena versammelten sich etwa 400 Menschen in der Nordstadt. Auch in Bonn gab es ein großes Public Viewing. Die Hoffnung war groß, dass sich der Afrika-Cup-Sieger gegen den WM-Favoriten Frankreich durchsetzen kann und den Einzug ins Halbfinale schaffen könnte.
Viele Fans waren am Ende enttäuscht. “Es war einfach nicht genug für uns”, sagte ein Fan in Bonn:
Wir wollten weiter, wir wollten den Pokal holen.
Marokko-Fan in Bonn
Überraschend kam die Niederlage für so manchen aber nicht. “Man hat es ein bisschen erwartet – Frankreich ist natürlich sehr stark. Aber ich bin trotzdem sehr stolz auf Marokko”, sagte eine Frau in Bonn. Vielleicht ein kleiner Trost für den ein oder anderen: Frankreich spielte gut. Frankreich habe es verdient und besser gespielt, sagte auch ein anderer Marokko-Fan in Bonn. Seine Prognose:
Das ist eine sehr starke Mannschaft. Ich gehe davon aus, die werden Weltmeister.
Marokko-Fan in Bonn über französische Mannschaft
Marokko-Fan in Dortmund: “Da kann man nichts machen”
Marokko-Fan Samy hatte sich mehr von dem Spiel erhofft.
Und trotzdem: Nach dem WM-Aus im Viertelfinale machte sich auch in Dortmund Ernüchterung breit. “Die Stimmung ist gerade sehr gekippt, weil zwei Tore gefallen sind, aber das ist Fußball. Da kann man nichts machen”, sagte Marokko-Fan Samy. Andere Fans beklagten, dass der marokkanischen Mannschaft die Energie und der Ehrgeiz gefehlt hätten, um Frankreich zu bezwingen.
Public Viewing und Gehupe in Bonn
Diese Marokko-Fans konnten noch einen Platz an der Sterntorbrücke ergattern.
In Bonn begleitete die marokkanische Community das Spiel leidenschaftlich – und nach dem Schlusspfiff blieb es trotz des für Fans enttäuschenden Ausgangs friedlich. Fan Mehdi war der Mannschaft sogar trotz der Niederlage dankbar. “Ich werde morgen stolz aufwachen, weil wir bis ins Viertelfinale gekommen sind und weil wir als letzte Afrikaner dabei waren.”
Nach dem Spiel fuhren in Bonn dann noch vereinzelt hupende Autos mit Marokko-Fahnen über den Bertha-von-Suttner-Platz. Ein Verkehrschaos wie nach dem Marokko-Sieg gegen Kanada am Samstag gab es aber nicht.
Unsere Quellen:
- Eindrücke und Interviews der WDR-Reporter in Düsseldorf, Dortmund und Bonn
- Polizei Dortmund
- Polizei Düsseldorf am 09.07.2026 und 10.07.2026
- Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR.de, Ausschreitungen in Düsseldorf, 10.07.2026, 7:45 Uhr
Sendung:
WDR Fernsehen, WDR aktuell, 09.07.2026, 18:00 Uhr