Marktbericht: Anleger atmen erst einmal durch

Marktbericht: Anleger atmen erst einmal durch


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Stand: 17.04.2026 • 07:35 Uhr

Während die Wall Street von Hoch zu Hoch eilt, sind die Investoren hierzulande vorsichtiger. Trotz der Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten herrscht Zurückhaltung. Der DAX dürfte auf der Stelle treten.

Die Indikation des Brokers IG sieht den deutschen Leitindex vor dem Xetra-Start praktisch unverändert bei rund 24.150 Punkten. Gestern war der DAX mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 24.154 Zählern aus dem Handel gegangen. “Die Märkte befinden sich aktuell im ‘Standby-Modus'”, resümierte Analyst Timo Emden von Emden Research. “Investoren warten ab, ob sich die Lage im Nahen Osten weiter beruhigt oder erneut eskaliert.”

Derzeit hoffen die Anleger auf weitere Entspannungssignale. US-Präsident Donald Trump hatte verkündet, er rechne bald mit einer Einigung mit Iran. Trump schloss auch eine Verlängerung der Waffenruhe nicht aus.

“Die Aktienmärkte bleiben positiv, aber wir brauchen konkrete Beweise dafür, dass der Frieden von Dauer ist”, sagte Analyst Nick Twidale von ATFX Global. Dazu gehöre eine vollständige Wiedereröffnung der Straße von Hormus, so der Marktbeobachter.

Laut Bundesbankchef Joachim Nagel wird der Ölpreisschock auf die deutsche Konjunktur durchschlagen, aber wohl keine Rezession auslösen. Die Wirtschaft sei zwar “respektabel ins Jahr gestartet”, sagte er am Rande der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank. Doch wirke der Krieg in Nahost als Wachstumsbremse.

Nagel verwies darauf, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognosen für 2026 und 2027 um jeweils 0,3 Prozentpunkte nach unten korrigiert habe. Deutschland kann demnach 2026 nun noch mit einem Wachstum von 0,8 Prozent rechnen, 2027 dann von 1,2 Prozent. “Es müsste sehr, sehr viel passieren, dass man jetzt in die Rezession gehen würde”, sagte Nagel.

Während die Rekordstände im DAX noch etwas entfernt sind, treibt die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten die US-Börsen gerade von Hoch zu Hoch. Den zweiten Tag in Folge erreichten der S&P 500 und der technologielastige Nasdaq-Index neue Bestmarken.

Der S&P 500 stieg um 0,2 Prozent auf 7.040 Punkte. Der Nasdaq-Index gewann 0,3 Prozent auf 24.097 Zähler. Beide Indizes erreichten damit Höchststände. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte um 0,2 Prozent auf 48.565 Punkte zu.

“Der Krieg ist nach wie vor der wichtigste Treiber des Marktes”, sagte Robert Phipps, Direktor beim Vermögensverwalter Per Stirling Capital Management. Nun müsse der Markt jedoch beginnen, wieder nach seinen eigenen Fundamentaldaten zu handeln.

An den asiatischen Börsen überwiegt heute aber die Vorsicht: Die japanische Börse in Tokio tendierte schwächer, wobei der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,0 Prozent auf 58.930 Punkte nachgab. Der breiter gefasste Topix notierte 1,1 Prozent niedriger bei 3.771 Zählern.

Auch in China hielten sich die Anleger vor dem Wochenende zurück. Die Börse Shanghai verlor 0,2 Prozent auf 4.048 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen fiel um 0,1 Prozent auf 4.731 Punkte.

Unterstützung für den Aktienmarkt kommt derzeit auch von den Ölpreisen. Die Hoffnung auf ein Ende des Konflikts im Nahen Osten drückte sie weiter unter die Marke von 100 Dollar. Am Rohstoffmarkt verbilligte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 1,2 Prozent auf 98,23 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notierte 1,4 Prozent schwächer bei 93,38 Dollar.

Das aktuelle Preisniveau spiegele die Hoffnung wider, dass die Straße von Hormus bald wieder geöffnet werde und dass die Infrastruktur der Region gemäß den Bedingungen eines eventualen Abkommens vor Angriffen geschützt sein werde, kommentiert Ricardo Evangelista, Analyst beim Broker ActivTrades.

Gegenwind kommt heute von US-Unternehmenszahlen. Am Donnerstag hatte der Streaming-Konzern Netflix nach US-Börsenschluss die Zahlen des vergangenen Quartals präsentiert. Sowohl Umsatz als auch Gewinn stiegen kräftig an. Netto verdiente Netflix mehr als 5 Milliarden Dollar, ein Plus von fast 83 Prozent.

Doch an der Börse wird vor allem die Zukunft gehandelt. Die aktuelle Gewinnprognose enttäuschte die Anleger, deshalb brach die Aktie nachbörslich ein. Bei der Vorlage der Quartalszahlen gab Netflix auch bekannt, dass der Mitgründer und langjährige Chef Reed Hastings den Verwaltungsrat verlassen werde.

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