Marktbericht: Sind die Anleger zu sorglos?

Marktbericht: Sind die Anleger zu sorglos?


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Stand: 17.04.2026 • 14:22 Uhr

Auch die Anleger an Aktienmärkten warten auf ein Ende des Iran-Krieges und damit der weltweiten Energiekrise. Das Prinzip Hoffnung ist maßgeblich für den jüngsten Aufschwung im DAX verantwortlich.

War was? Der DAX steuert in dieser Woche auf einen Gewinn von rund zwei Prozent zu und bewegt sich bei einem Niveau von rund 24.300 in Schlagweite seines Rekordhochs von 25.507 Punkten vom Jahresanfang. Unbeteiligte Beobachter könnten bei diesem Niveau nicht unbedingt die Idee kommen, dass der Welt eine gravierende Energiekrise droht oder sie sich bereits in einer solchen befindet.

Die weitere Entwicklung steht und fällt dabei mit dem Iran-Krieg. “Solange am Markt das Basisszenario eines baldigen Kriegsendes oder zumindest keines allzu langen Anhalten des Iran-Konflikts dominiert, bleibt der Aktienmarkt gut unterstützt”, so Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. Vor allem die asiatischen Märkte hatten zuletzt stärker Boden gut gemacht, hier ist die Abhängigkeit vom Öl aus dem Golf am höchsten. Aber solange der Flaschenhals, die Straße von Hormus, weiter verschlossen ist, steigt das Risiko einer globalen Wirtschaftskrise.

Aber das ficht die Anleger derzeit nicht an. Sollte das Öl wieder fließen, will keiner am Rand stehen und einer Erleichterungsrally zuschauen. Soweit ist es noch nicht, so sehr sich das die Martktteilnehmer auch wünschen.

Trump und kein Ende

Kurz nach Handelsende in Europa hatte US-Präsident Donald Trump am Vortag verkündet, Israel und Libanon hätten einer zehntägigen Waffenruhe zugestimmt. Damit könnte ein Haupthindernis für ein umfassenderes Friedensabkommen mit dem Iran beseitigt werden. Der Iran hat ein Ende der israelischen Angriffe auf mit ihm verbündete Milizen im Libanon als Vorbedingung für Friedensgespräche gemacht. Laut Trump könnten sich die Verhandlungsdelegationen möglicherweise schon dieses Wochenende wieder treffen.

Aber die Verhandlungspositionen sind noch weit auseinander, die Basis für eine mögliche Vereinbarung erscheint dünn, allen Verhandlungsankündigungen zum Trotz – und auch eine Waffenruhe ist noch lange kein Friedensabkommen. Vor allem im Atomstreit geht es den USA primär darum, den Iran vom Bau einer Atombombe abzuhalten, was das Regime in Teheran aber bisher ablehnt. Ein Wiederaufflammen der Kämpfe würde dann auch sicher bei den “Börsenbullen” (also den Käufern) nicht gut ankommen.

Sind die Anleger zu optimistisch?

Ohne eine politische Einigung, an der dann auch die Europäer beteiligt sein könnten, gibt es aber keinen Neuanfang. Dabei läuft allen Beteiligten die Zeit weg. Denn mit jedem Tag, an dem die Öltanker vor Hormus keine Fracht in die Häfen nach Asien und Europa bringen können, verschärft sich die Knappheit auf dem Energiemarkt – was die Preise extrem steigen lässt. Raffinerien etwa suchen händeringend nach Rohöl und kaufen physisch verfügbares Öl zu weit höheren Preisen zu als der Rohstoff am Terminmarkt gehandelt wird.

Autofahrer und jetzt auch Fluggäste können ein Lied davon singen. Denn mittlerweile wird auch der Treibstoff für Flugzeuge, das Kerosin, knapp und immer teurer. Was die Lufthansa zuletzt dazu gebracht hat, den Flugbetrieb ihrer Tochter Cityline vorzeitig einzustellen – unter anderem mit der Begründung, das Fluggerät verbrauche zu viel Kerosin.

Der IWF und die Bundesregierung bremsen.

Wie ernst die Lage schon ist zeigt auch die Tatsache, dass der IWF mittlerweile mit einem globalen Konjunkturdämpfer rechnet, wobei Europa besonders stark betroffen sein dürfte. “Die Öl und Gaspreise sind stark gestiegen. Höhere Rohstoffpreise lassen Preise und Kosten steigen, stören Lieferketten und schmälern die Kaufkraft”, so IWF-Chefökonom Pierre Olivier Gourinchas.

Auch die Bundesregierung ist schon zurückgerudert und halbierte jüngst ihre Wachstumsprognose für 2026. Zuvor hatten auch die Wirtschaftsweisen ihre Erwartungen zurückgeschraubt.

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