Explosionen, Schüsse, Staubwolken: In Niedersachsen hat Verteidigungsminister Pistorius eine “Fähigkeitsdarstellung” des Heeres besucht. Dabei wird klar: Technik entscheidet Kämpfe – und die kostet.
So könnte es also aussehen, das Gefecht der Zukunft: Im niedersächsischen Munster am Rande der Lüneburger Heide wird eine fiktive Ortschaft mit dem Namen “Heidedorf” angegriffen. Und das Heer setzt sich zur Wehr – mit den Flugabwehrsystemen IRIS TSLM und Skyranger, mit eigenen Drohnenschwärmen, mit Panzern, Hubschraubern, elektromagnetischen Störungen, Truppen. Es ist eine Simulation, aber es fühlt sich ziemlich real an. Das liegt an den Explosionen, den feuernden Panzern, den gewaltigen Staubwolken, die aufsteigen.
Der Verantwortlichen für das Heer, allen voran Inspekteur Christian Freuding, haben diese Übung entwickeln lassen, um Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) vorführen zu können, was das deutsche Heer kann. Diese “Fähigkeitsdarstellung”, wie es in der Einladung zum Termin heißt, habe sich die Truppe in den vergangenen zwei Wochen hart erarbeitet, so Freuding. Man habe mit 1.000 Kompaniechefs und Generälen von Verbündeten über die Übung beraten.
Die Radhaubitze vom Typ RCH 155 in Munster: Sie soll für die Bundeswehr beschafft werden.
Pistorius zeigt sich beeindruckt
Der Verteidigungsminister gibt danach ein Statement, er steht dabei im Schatten einer gewaltigen Radhaubitze, der RCH 155. Dieses Modell eines niederländischen Rüstungskonzerns kann während der Fahrt präzise schießen und soll für die Bundeswehr beschafft werden. Pistorius ist – erwartbar – voller Lob für die Vorführung. Die Professionalität des Heeres beeindrucke ihn immer wieder, das seien schwierige Witterungsbedingungen mit viel Staub gewesen.
Der Verteidigungsminister betont, bei der Kriegsführung heutzutage müssten traditionelle und moderne Mittel gleichzeitig eingesetzt werden. Pistorius wörtlich: “Es entscheidet nicht mehr nur die Panzerschlacht, sondern die Fähigkeit auf dem digitalen Gefechtsfeld als Gesamtsystem wirken zu können.”
Enorme Summe für die Verteidigungsfähigkeit
Doch damit das Gesamtsystem gut ist, müssen eben auch die einzelnen Bestandteile höchsten Ansprüchen genügen. Wie teuer das ist, welche enormen Summen in die Verteidigungsfähigkeit des Landes fließen, ließ sich zuletzt in der vergangenen Woche sehen, als die Rahmenbedingungen für den Haushalt 2027 vorgestellt wurden. Der Verteidigungsetat liegt da bei 105,8 Milliarden Euro – und steigt auf 179,9 Milliarden Euro im Jahr 2030.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verteidigte das schon direkt danach. Die Entwicklungen im vergangenen Jahr und in den vergangenen Monaten in Iran hätten gezeigt, wie wichtig die Investitionen seien. Sören Pellmann von den Linken kritisierte, in allen anderen Bereichen außer bei der Rüstung werde zulasten der Menschen gespart und gekürzt.
Pistorius ging in Munster nicht auf das Geld ein, sondern darauf, dass es effektiv ausgegeben werden müsse, bei der Lieferung bestellter Systeme. Ein “ganz sensibler Punkt”, wie er sagte. Man brauche mehr Tempo in der Produktion, damit das, was man bestellt habe und bestellen werde, auch schnell komme. In der Tat: Beim Flugabwehrsystem Skyranger 30 zum Beispiel, das von Rheinmetall produziert wird, kommt es zu monatelangen Verzögerungen.
Verteidigungsminister Pistorius spricht bei seinem Besuch in Munster mit Soldaten.
Auch der Verteidigungsausschuss ist vor Ort
In Munster ist auch der Verteidigungsausschuss des Bundestags vor Ort, zum Beispiel Sara Nanni von den Grünen. Sie blickt positiv auf die Fähigkeitsdemonstration des Heeres. Eine deutliche Verbesserung zum bisherigen Ansatz, findet sie. Es gehe jetzt weniger darum, über welche Technik man verfüge, sondern wie man glaube, kämpfen zu müssen.
Im Hinblick auf die pünktliche Lieferung von Großprojekten ist Nanni kritischer, fordert mehr Transparenz vom Ministerium, wenn Probleme auftauchen. Hier sei eine frühzeitige, proaktive Unterrichtung des Ausschusses notwendig, keine “Salamitaktik”, wie man das bei dem Bundeswehr-Digitalfunk D-LBO erlebt habe.
Mahnungen vom Verteidigungsminister
Trotz seiner erkennbaren Zufriedenheit mit der Übung mahnt Verteidigungsminister Pistorius am Ende seiner kurzen Rede, man müsse den Aufbau der eigenen Fähigkeiten gezielt weiter vorantreiben, sich immer wieder neu anpassen an die technologische Entwicklung.
Dabei geht er auch auf den Drohneneinsatz ein. Quantität schlage hier manchmal Qualität, so Pistorius. Wenn man abschrecken wolle, müsse man zeigen: “Wir können kostengünstiger verteidigen, als Ihr angreifen könnt.” Eine Drohne könne man auch mit einer Drohne abfangen, dazu brauche man nicht unbedingt eine Patriot-Rakete.

