Es ist der härteste Winter für die ukrainische Hauptstadt Kiew seit Kriegsbeginn: Russland griff in der Nacht erneut die Hauptstadt an. Tausende Hochhäuser sind ohne Heizung. Angriffe gab es auch im Süden, Osten und Nordwesten der Ukraine.
Nach erneuten russischen Luftangriffen in der Nacht ist in der ukrainischen Hauptstadt Kiew laut Behörden vielerorts die Energieversorgung zusammengebrochen. Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von 5.635 Hochhäusern, die nun ohne Heizung seien.
Am linken Ufer des Flusses Dnipro, der durch Kiew verläuft, sei zudem die Wasserversorgung ausgefallen, teilte Klitschko mit. Mindestens eine Person wurde bei dem Angriff auf die Hauptstadt verletzt. Nach Polizeiangaben handelt es sich um eine 59-jährige Frau.
Regionen in der gesamten Ukraine betroffen
Russland setzte der ukrainischen Luftwaffe zufolge sowohl Raketen als auch Drohnen und Marschflugkörper bei der Attacke ein. Moskaus Darstellung nach wurden allerdings nur militärische Ziele in der Ukraine beschossen.
Neben der Stadt Kiew wurden auch die gleichnamige Region sowie weitere Städte im ganzen Land getroffen, unter anderem in den Regionen Odessa im Süden, Dnipropetrowsk im Südosten und Riwne im Norden.
Karte der Ukraine und Russlands, hell schraffiert: von Russland besetzte Gebiete
In Butscha, einem Vorort von Kiew, soll ein Mann getötet worden sein. In der Großstadt Dnipro wurden nach Angaben der Behörden zwei Menschen verletzt.
AKW Tschernobyl vom Stromnetz abgeschnitten
Auch die Stromversorgung mehrerer ukrainischer Atomkraftwerke war von den Angriffen betroffen. Das havarierte AKW Tschernobyl wurde nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) vom Netz abgeschnitten. Mehrere für die nukleare Sicherheit wichtige Umspannwerke seien betroffen, teilte IAEA-Chef Rafael Grossi mit. Dies habe nicht nur Auswirkungen auf Tschernobyl, sondern auch auf die Stromversorgung anderer Atomkraftwerke.
In Tschernobyl kam es 1986 zu einem verheerenden Atomunfall. Noch heute werden dort radioaktive Abfälle gelagert. In den ersten Tagen des Krieges gegen die Ukraine hatten russische Truppen das Gelände von Tschernobyl unter ihre Kontrolle gebracht, sich später aber zurückgezogen. Das AKW Saporischschja im Süden der Ukraine ist hingegen seit März 2022 von russischen Soldaten besetzt. Russland und die Ukraine werfen sich seitdem regelmäßig vor, das Risiko einer Nuklearkatastrophe zu erhöhen.
UN-Menschenrechtskommissar: Taktik Russlands ist “grausam”
Fast jeden Tag beschießt Russland systematisch das ukrainische Energiesystem. Angesichts der zweistelligen Minustemperaturen ist es dadurch für viele Regionen in der Ukraine der schlimmste Winter seit Kriegsbeginn.
Inzwischen ist das Energienetz so geschwächt, dass es täglich zu stundenlangen Stromausfällen kommt. Die Behörden haben Notunterkünfte eingerichtet, in denen sich die Bürger aufwärmen, Wasser holen oder ihr Handy aufladen können.
Mit Blick auf die Folgen für die Zivilbevölkerung kritisierte der UN-Menschenrechtskommissar Volker Turk das Vorgehen Russlands scharf. Den gezielten Beschuss der ukrainischen Strom- und Wärmeinfrastruktur bezeichnete er als “grausam” und als einen klaren Bruch des Kriegsrechtes.
Mit Informationen von Peter Sawicki, ARD Kiew

