Noch immer werden in Venezuela Überlebende aus den Trümmern geborgen. Die Hilfe aus dem Ausland ist zwar angelaufen, aber viele Bürger organisieren sich selbst – denn sie fühlen sich von der Regierung allein gelassen.
In Venezuela suchen Rettungskräfte mit Spürhunden weiter ohne Pause nach Überlebenden. Noch immer gelingt es, Menschen lebend aus den Trümmern zu bergen. Eine große Unterstützung bei der Suche sind die ausländischen Teams. Laut der venezolanischen Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez entsandten inzwischen 24 Länder Rettungsteams in das südamerikanische Land. Insgesamt hätten diese Länder mehr als 2.700 Helfer und 521 Tonnen an Hilfsgütern geschickt.
Offiziell liegt die Zahl der Todesopfer bislang bei 1.450. Mehr als 3.200 Menschen sind verletzt worden, Zehntausende werden weiter vermisst. In der Bevölkerung wächst derweil der Zorn auf die Regierung. Kritisiert wird die mangelnde Unterstützung: Vielerorts seien die zivilen Helfer auf sich allein gestellt, grüben mit bloßen Händen nach den Verschütteten.
Spürhunde suchen in den Trümmern nach Überlebenden.
Bürger organisieren sich selbst
Tausende Bürger organisierten wegen fehlender staatlicher Präsenz selbst spontane Hilfsaktionen, knüpften improvisierte Netzwerke und bildeten Konvois mit Spenden und Lebensmitteln, die sie in die betroffenen Regionen brachten.
Die Regierung schränkte den Zugang zum Bundesstaat La Guaira ein und entsandte Militär in die Region. Freiwillige Helfer mussten für den Zugang einen Sicherheitspass beantragen – oftmals stehen sie aber vor den Registrierungsstellen vor verschlossenen Türen, wie Videos in sozialen Netzwerken zeigen.
Proteste wegen fehlender Koordinierung
Die fehlende staatliche Koordinierung und Verhinderung eigener ziviler Hilfen sorgt für immer größere Proteste. Bei einem Besuch in einem erdbebenbetroffenen Stadtteil ist Interimspräsidentin Delcy Rodríguez ausgebuht.
Das schwerste Erdbeben seit mehr als einem Jahrhundert trifft Venezuela nach mehr als einem Jahrzehnt wirtschaftlichen Niedergangs, der die öffentliche Versorgung in dem ölreichen Land ausgehöhlt hat. Die Festnahme des linksnationalistischen Staatschefs Nicolás Maduro Anfang Januar bei einem US-Militäreinsatz hat das Land zudem politisch destabilisiert.
