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Auf einem Kreuzfahrtschiff starben mehrere Menschen am Hantavirus. Wie steckt man sich mit dem Erreger an? Kann man sich auch in Deutschland mit dem Virus infizieren?
Wann wurde das Hantavirus entdeckt?
Während des Koreakriegs Anfang der 1950er-Jahre erkrankten mehr als 3.000 US-Soldaten in der Nähe des Hantan-Flusses an einem schwer verlaufenden Fieber. Dieses ging mit inneren und äußeren Blutungen einher.
Das für die Erkrankungen verantwortliche Virus konnte später identifiziert werden und wurde nach dem koreanischen Fluss benannt. Die zahlreichen Hantavirus-Typen unterscheiden sich in ihrer geografischen Verbreitung sowie im Krankheitsbild und ihrer Todesrate.
Wie steckt man sich an?
Das Hantavirus wird über Nagetiere wie Mäuse und Ratten weitergetragen, die in der Regel nicht selbst an dem Virus erkranken. Infizierte Nager scheiden die Viren über ihren Kot aus. Menschen infizieren sich über den Kontakt mit solchen Ausscheidungen, auch mit getrocknetem Kot, wenn kontaminierter Staub aufgewirbelt und die Erreger eingeatmet werden.
Die Viren sind in der Umwelt relativ stabil. Daher ist zur Ansteckung kein direkter Kontakt mit den Nagern notwendig.
Eine Infektion durch Bisse von infizierten Nagern ist ebenfalls möglich. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet wahrscheinlich nicht statt.
Die Zeit vom Kontakt mit dem Virus bis zum Auftreten erster Symptome kann fünf Wochen betragen. Einen Impfstoff gibt es nicht, verfügbare Medikamente können nur die Symptome bekämpfen.
Typische Symptome der Krankheit
Die Krankheit durch die in Mitteleuropa vorkommenden Hantavirus-Typen verläuft zunächst grippeähnlich, mit über mehrere Tage anhaltendem hohem Fieber sowie Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen. In einer folgenden Krankheitsphase können Blutdruckabfall und schließlich Nierenfunktionsstörungen bis zum akuten Nierenversagen auftreten.
Infektionen mit den amerikanischen Virenstämmen können mit Komplikationen wie Lungenödemen und akutem Lungenversagen einhergehen.
Vorkommen von Hantaviren in Deutschland
Hantavirus-Erkrankungen kommen in Deutschland nicht überall gleich häufig vor, und auch die Erkrankungshäufigkeit schwankt von Jahr zu Jahr. Sie hängt davon ab, wie viele Nagetiere es gibt, die den Erreger übertragen können. In den vergangenen zehn Jahren wurden zwischen 143 und 1.747 Erkrankungen pro Jahr durch die Gesundheitsämter und Landesstellen gemeldet.
Zu den Gebieten, in denen ein erhöhtes Risiko besteht, sich mit Hantaviren zu infizieren, gehören laut dem Friedrich Löffler-Institut die Schwäbische Alb, der Raum Osnabrück, Unterfranken, der Odenwald, Oberschwaben, die Fränkische Alb, der Bayerische Wald, Osthessen und Westthüringen.
Neben diesen überwiegend ländlichen Regionen gebe es auch einzelne städtische Gebiete, wo in einzelnen Jahren Hantavirus-Infektionen gehäuft aufgetreten seien.
Wann besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko?
Hantavirus-Infektionen kommen das ganze Jahr über vor. Besonders hoch ist die Infektionsgefahr jedoch in den Frühjahrs- und Sommermonaten von Mai bis September.
Das größte Infektionsrisiko für eine Hantavirus-Infektion besteht, wenn man Kontakt mit Nagern oder deren Ausscheidungen hat, zum Beispiel, wenn man in der Forstwirtschaft oder im Bauwesen arbeitet oder sich oft in Scheunen, Schuppen, Ställen oder Häusern aufhält, in denen Nager vorkommen oder vorkamen.
Außerdem werden Infektionen begünstigt durch Aktivitäten im Freien, die zum Kontakt mit Nagern und/oder deren Ausscheidungen führen kann, wie Gartenarbeiten, Holzschlagen oder -stapeln, Jagen, Joggen, Zelten.

