Stand: 25.06.2026 • 11:19 Uhr

Nach den schweren Beben in Venezuela ist das ganze Ausmaß der Schäden noch nicht absehbar. Nach ersten Angaben der Regierung wurden mindestens 32 Menschen getötet – doch Informationen aus der am stärksten betroffenen Region fehlen noch.

Durch die schweren Erdbeben in Venezuela sind nach ersten Angaben der Regierung mindestens 32 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 700 Menschen wurden demnach verletzt. Aus dem besonders betroffenen Bundesstaat La Guaira gebe es noch keine Opferzahlen, sagte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez. Sie ging davon aus, dass die Zahlen noch steigen werden.

Rodríguez rief angesichts der “Tragödie” den Notstand aus. “Ich möchte die Ärzte, Krankenschwestern und das gesamte Gesundheitspersonal aufrufen, sich an ihre Arbeitsplätze zu begeben, damit wir die Menschen versorgen können, die in die Notaufnahmen sowohl der Krankenhäuser als auch der privaten Gesundheitszentren gebracht werden”, sagte sie in einer landesweit ausgestrahlten Ansprache.

Tausende Tote befürchtet

Die Erdbeben hatten das Land gegen 18 Uhr Ortszeit mit einem Abstand von nur 39 Sekunden erschüttert. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke des ersten Bebens mit 7,2 an. Es ereignete sich etwa 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite, stärkere Erbeben – laut USGS hatte es eine Stärke von 7,5 – ereignete sich wenige Kilometer weiter nördlich in nur rund zehn Kilometern Tiefe. Wegen der geringen Tiefe dürften die Auswirkungen des zweiten Bebens größer sein.

Die Beben gehören zu den stärksten, die in den vergangenen Jahren gemessen wurden. In einer Modellrechnung geht die Erdbebenwarte von mehreren Tausend Todesopfern aus.

In Städten bis hin zum brasilianischen Amazonasgebiet – rund 1.700 Kilometer von Caracas entfernt – wurden Gebäude evakuiert. Auch in den Karibik- und Nordostregionen Kolumbiens waren die Beben zu spüren, Schäden oder Verletzte wurden dort jedoch nicht gemeldet. Das US-Tsunami-Warnzentrum gab mehrere Tsunami-Warnungen heraus, die später wieder aufgehoben wurden.

Zugverkehr eingestellt, Schäden am Flughafen

Ungeachtet der Entfernung des Epizentrums zur Hauptstadt Caracas von etwa 160 Kilometern gab es auch in der Metropole zahlreiche Schäden. Viele Gebäude stürzten ein. Der Zugverkehr in dem südamerikanischen Land wurde eingestellt, der internationale Flughafen der Hauptstadt Caracas wurde wegen Schäden geschlossen. Nach Angaben von Rodríguez hat es bereits mehr als 20 Nachbeben gegeben.

In den Trümmern eingestürzter Gebäude suchten Rettungskräfte weiter nach Verschütteten. Allein in der Stadt Tucacas an der Karibikküste würden 15 Menschen unter den Trümmern eines eingestürzten fünfstöckigen Gebäudes vermutet, sagte der Gouverneur des Bundesstaates Falcón, Víctor Clark, dem Fernsehsender VTV.

Auch am Flughafen der Hauptstadt Caracas hat es Schäden durch die Erdbeben gegeben.

Hilfszusagen aus vielen Ländern – auch von Trump

US-Präsident Donald Trump sicherte dem südamerikanischen Land schnelle Hilfe zu. Er habe alle US-Behörden angewiesen, sich darauf vorzubereiten, schnell zu helfen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Rodríguez telefonierte unterdessen mit US-Außenminister Marco Rubio, der dabei “Solidarität und Unterstützung für das venezolanische Volk in diesen für unsere Nation schwierigen Zeiten zum Ausdruck gebracht” habe. Rubio erklärte, die Regierung bringe sofort Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe auf den Weg.

Hilfe soll auch aus Deutschland kommen. Das Bundesverteidigungsministerium teilte mit, die Bundeswehr könne bis zu sechs Transportflugzeuge vom Typ A400M bereitstellen, um Personal und Hilfsgüter etwa des Technischen Hilfswerks und des Deutschen Roten Kreuzes zu befördern. “Die Nachricht von den vielen Tausenden Toten in Venezuela hat mich tief erschüttert”, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius. “Jetzt gilt es, schnell Hilfe zu leisten.”

Die EU bot Venezuela ebenfalls Hilfe an. Das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus sei aktiviert worden “und wir sind bereit, unsere Unterstützung weiter zu verstärken”, erklärte die EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib. Von der EU finanzierte Partner leisteten bereits vor Ort Hilfe, fügte sie hinzu.

Auch andere Länder sagten sofort Unterstützung zu. Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, schrieb auf der Plattform X, es stünden 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter bereit, um nach Caracas gebracht zu werden. Der Präsident der Dominikanischen Republik, Luis Abinader, sagte, spezialisierte Such- und Rettungsteams der Streitkräfte würden am Morgen nach Venezuela aufbrechen. Auch aus Spanien, Brasilien, Ecuador, Mexiko, Indien, China und Katar kamen Hilfszusagen.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *