Was die Übernahme von Tegut für Kunden und Erzeuger bedeutet

Was die Übernahme von Tegut für Kunden und Erzeuger bedeutet

Stand: 02.05.2026 • 09:07 Uhr

Der Schweizer Konzern Migros hat beschlossen, den deutschen Markt zu verlassen. Das Fuldaer Lebensmittelunternehmen Tegut soll verkauft werden. Für viele Handelspartner beginnt damit eine Phase der Unsicherheit.

Im deutschen Einzelhandel könnte sich die Marktmacht weiter konzentrieren. Nach aktuellen Plänen sollen rund 200 Tegut-Märkte an Edeka gehen, etwa 40 Filialen an Rewe – vorausgesetzt, das Bundeskartellamt stimmt zu. Schon jetzt kontrollieren die “großen Vier” – Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe um Lidl – rund 85 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland. Tegut, einst ein Vorreiter für Bio- und Regionalprodukte, würde nach dem Rückzug des Eigentümers Migros aus dem Markt verschwinden.

Für viele regionale Produzenten ist Tegut weit mehr als nur ein Abnehmer. Der Händler setzte früh auf Bio-Produkte und lokale Lieferketten – ein Konzept, das lange als Alleinstellungsmerkmal galt. Christoph Jestädt vom Unternehmen Wiesenkiez aus dem osthessischen Niederrode beliefert Tegut seit Jahren direkt vom Hof. Für ihn war die Nachricht ein Schock: “Wir müssen jetzt schauen, wie wir reagieren.” Zwar setzen auch große Ketten zunehmend auf regionale Produkte, doch ob die Filialen unter neuer Flagge weiter beliefert werden können, ist ungewiss.

Regionale Anbieter bangen um ihre Zukunft

Für andere, wie Daniel Euler aus Maar, der im Rahmen der Tegut-Eigenmarke LandPrimus Schweinefleisch liefert, sind die Sorgen noch größer. Tegut war für ihn ein zuverlässiger Partner, der hohe Standards setzte. Sollte es zu einer Zusammenarbeit mit neuen Handelsketten kommen, müsste er auf eine günstigere Produktion setzen. Ein Prozess, der Zeit und Investitionen erfordert.

Ein zentraler Grund für die Entwicklung liegt im veränderten Konsumverhalten, erklärt Handelsexperte Carsten Kortum von der Hochschule DHBW Heilbronn. Während Tegut schon immer als Vorreiter für Qualität und Nachhaltigkeit stand, achten viele Verbraucher heute wieder stärker auf den Preis. Discounter haben sich inzwischen zum wichtigsten Absatzkanal für Bio-Produkte entwickelt – eine Entwicklung, die den Wettbewerb verschärft.

Betroffen von dieser Entwicklung ist auch die Supermarktkette Feneberg aus dem Allgäu mit ihren mehr als 70 Filialen, für die nach dem Schutzschirmverfahren Anfang April das Insolvenzverfahren in Eigenregie eröffnet wurde und das nach einem Investor sucht.

Kortum sieht darin ein strukturelles Problem: Der Markt wird zunehmend von wenigen großen Playern dominiert, während kleinere Anbieter unter Druck geraten. Verbraucher werden auch bei einer weiteren Marktkonzentration weiter von niedrigeren Preisen profitieren, langfristig drohen jedoch ebenfalls Nachteile – etwa bei Qualität, Vielfalt und Produktionsbedingungen. Denn die fallen dem Preiskampf zum Opfer.

Entscheidung liegt beim Kartellamt

Ob die Übernahme tatsächlich so zustande kommt wie derzeit geplant, ist aktuell noch offen. Das Bundeskartellamt wird den Deal genau prüfen, da die Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel weiter zunehmen würde. Dabei legen sie ihren Fokus nicht auf die Verbraucher, sondern auf die mittelständischen Handelspartner, erklärt Thomas Weck, Rechtsexperte von der Frankfurt School of Finance and Management. Er rechnet mit einem langwierigen Verfahren.

Sollte das Bundeskartellamt einer Übernahme des Großteils der Märkte inklusive der personallosen Teo-Märkte durch Edeka zustimmen, werde diese sicher mit einigen Auflagen verbunden sein, um kleinere Anbieter zu schützen.

Trotz aller Unsicherheit gibt es auch Hoffnung. Viele große Supermarktketten haben inzwischen erkannt, wie wichtig regionale Produkte für ihr Sortiment sind. Christoph Jestädt berichtet bereits von wachsendem Interesse seitens Edeka und Rewe. Doch eines ist klar: Das Verschwinden von Tegut wird ein Einschnitt – nicht nur für die Branche, sondern auch für die Vielfalt in den Supermarktregalen.

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